City West

Karstadt Sports am Kranzler Eck muss schließen

Karstadt Sports schließt: Die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie an der Joachimsthaler Straße sind gescheitert.

Mitarbeiter von Karstadt Sports am Kranzlereck demonstrierten gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze (Archivbild).

Mitarbeiter von Karstadt Sports am Kranzlereck demonstrierten gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze (Archivbild).

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Karstadt-Sports-Filiale am Kranzler Eck nahe dem Bahnhof Zoo muss schließen. Das Ende des Standorts sei „nicht mehr abwendbar“, sagte Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Grund: Die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie, dem Versicherungsunternehmen Axa, über künftige Mietsenkungen sind gescheitert.

Naumann betonte, dass diese Entscheidung aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar sei, „da es sich um einen umsatzstarken Standort mit hoher Kundenfrequenz in bester Lage der City West“ handele. Er appellierte an die Verhandlungspartner, sich „nochmals an einen Tisch zu setzen“, um doch noch eine Lösung „vor allem im Interesse der engagierten Belegschaft zu finden“.

Mitarbeiter erhielten wohl schon vor Monaten die Kündigung

Für die Beschäftigten am Standort sei das Aus keine Überraschung, sagte ein Mitarbeiter der Filiale. „Wir wissen eigentlich schon, dass es nicht weitergeht, seitdem wir vor zwei bis drei Monaten die Kündigungen bekommen haben. Offiziell war aber noch niemand bei uns.“ Nach seinen Informationen soll der Standort nur noch bis zum 17. Oktober geöffnet bleiben, fast auf den Tag genau 24 Jahre nach seiner Eröffnung am 18. Oktober 1996.

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Wiederholt hatten die Beschäftigten in den vergangenen Monaten für den Erhalt der Karstadt-Sports-Filiale an der Joachimsthaler Straße demonstriert. Ohne Erfolg, wie sich nun herausstellte. Nun plage die Belegschaft Zukunftsängste, sagte der Mitarbeiter – besonders aufgrund der Altersstruktur, die „im Schnitt zwischen 40 und 50 Jahren“ liege. Auch die negative wirtschaftliche Entwicklung aufgrund der Corona-Krise verstärkte die Sorgen bei den insgesamt 80 Beschäftigten, keinen neuen Arbeitsplatz mehr zu finden.

Karstadt-Filiale an Wilmersdorfer Straße gerettet

Gute Nachrichten gibt es derweil für die Karstadt-Filiale an der Wilmersdorfer Straße. Dort wurde der Vertrag mit dem Immobilieneigentümer unterschrieben, wonach der Bestand der Filiale für drei Jahre gesichert ist. Weiteren drei Kaufhaus-Standorten in Berlin wurde nach Verhandlungen zwischen dem Senat und dem Karstadt/Kaufhof-Eigner Signa zugesichert, für mindestens drei Jahre bestehen zu bleiben: Es geht um die Filialen an der Müllerstraße in Wedding, am Tempelhofer Damm in Tempelhof und im Ringcenter in Lichtenberg.

Zudem könnten die Standorte eine Verlängerungsoption auf zehn Jahre bekommen. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Land federführend drei große Bauprojekte des Signa-Konzerns in Berlin unterstützt: den Ausbau der Karstadt-Häuser am Hermannplatz, am Alexanderplatz und am Kurfürstendamm. Die Absichtserklärung, die der Senat diesbezüglich gemeinsam mit Signa erarbeitet hatte, ist umstritten.

Linke und Grüne lehnen Signas Neubaupläne in Berlin ab

Die Anhörung zu den Neubauplänen im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses Anfang September hatte tiefe Gräben innerhalb der rot-rot-grünen Regierungskoalition in Berlin offengelegt. Während die SPD wie auch die Opposition die Projekte zur Neugestaltung und Aufwertung der historischen Warenhaus-Standorte grundsätzlich unterstützten, lehnten die Vertreter von Linken und Grünen die Pläne ab.

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Insgesamt will Signa mit seinen meist aus der Versicherungsbranche stammenden Partnern zwei Milliarden Euro in die drei Projekte stecken. Signas Deutschland-Chef Timo Herzberg versicherte, an die Innenstädte und den Einzelhandel zu glauben und an langfristigen Investments interessiert zu sein.

Signa zeigt sich offen für Masterplan-Verfahren

Von Herzberg forderten die Vertreter von Linken und Grünen im Ausschuss einerseits, genau darzulegen, wie viele Quadratmeter in den drei Großprojekten des Konzerns künftig für Warenhäuser und andere Nutzungen vorgesehen sind. Andererseits beklagten sie, dass Signa mit seinen Plänen vollendete Tatsachen schaffe. Herzberg erklärte daraufhin, in „einem Dilemma“ zu sein.

Der Statthalter des österreichischen Immobilien-Milliardärs René Benko zeigte sich offen, über die Projekte im Rahmen der vereinbarten Masterplan-Verfahren zu diskutieren. Er sagte zu, wie von der SPD gefordert, auch kulturelle und soziale Nutzungen aufzunehmen und Flächen öffentlich und ohne „Konsumzwang“ zugänglich zu machen. Als Beleg nannte er die Einrichtung einer Kindertagesstätte im Block am Hermannplatz. Zudem habe man sich mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Degewo geeinigt, dort auf 3000 bis 5000 Quadratmetern bezahlbare Wohnungen zu schaffen.