Verkehr

Grüne fordern autofreien Kurfürstendamm

Der Kudamm soll probeweise für den Autoverkehr gesperrt werden, fordern die Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die Grünen wollen den Kudamm vorübergehend für Autos sperren.

Die Grünen wollen den Kudamm vorübergehend für Autos sperren.

Foto: Reto Klar

Immer wieder wurden Stimmen laut, die forderten, die Tauentzienstraße vorübergehend autofrei zu gestalten. Nun stellen die Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf die gleiche Forderung für den Kurfürstendamm. Auch er soll „probeweise“ für den „Individualverkehr“ gesperrt werden, heißt es in einem Antrag.

Entweder eine oder gleich beide Fahrbahnen sollen demnach nur noch für „Fahrräder, Busse und Lieferverkehr“ freigegeben werden. Die Fraktion begründet ihren Vorstoß mit den Zielen der Charta City West, die das Bezirksamt gemeinsam mit der AG City und zahlreichen weiteren Verbänden erarbeitet und im Mai 2020 vorgestellt hatte. Die Charta habe sich zum Ziel gesetzt, „bis 2040 den Anteil des motorisierten Individualverkehrs auf zehn Prozent zu senken“, wie es im Antrag der Grünen heißt – falls der Bezirk das Ziel ernst nehmen wolle, müsse er die Verkehrswende nun einleiten.

Autofreier Kurfürstendamm: Für die Grünen die „richtige Umsetzung der Charta City West“

„Wenn wir den individuellen Pkw-Verkehr in der City West auf zehn Prozent senken wollen, warum können wir den Kurfürstendamm dann nicht ganz sperren?“, fragt Alexander Kaas Elias, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bezirk. Für ihn sei das die „richtige Umsetzung der Charta“, betont er.

Anschließend verweist er auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), der Anfang 2020 das Bezirksamt aufforderte, die Tauentzienstraße probeweise zur Fußgängerzone umzugestalten. Dieser Beschluss sollte auch „auf den Kurfürstendamm angewandt werden“, sagt Kaas Elias.

Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) äußerte jedoch in Bezug auf eine autofreie Tauentzienstraße bereits Vorbehalte. In der Charta seien verschiedene, komplexe Mobilitätskonzepte für die City West vorgestellt worden, sagte Schruoffeneger Anfang September: „Diese Konzepte werden in den nächsten Monaten weiterentwickelt. Die komplette Sperrung der Tauentzienstraße für den Autoverkehr wäre ein Schwerpunkt. Ob er der richtige ist, muss noch diskutiert werden.“

Tauentzienstraße wird am 10. Oktober für Autos gesperrt

Die Sperrung von großen Einkaufsstraßen wie dem Kurfürstendamm oder der Tauentzienstraße ist in der Charta bislang nicht vorgesehen. Danach sollen lediglich „die Tauentzienstraße, der Kaiserdamm und die Kantstraße weniger durch privaten Kfz-Verkehr belastet“ werden. „Im Durchschnitt“ soll die Verkehrsbelastung so „um 40 Prozent“ sinken. Autofrei sollen vor allem die „Seitenstraßen“ werden.

Fraglich ist also, ob sich die Grünen mit dem Antrag zum autofreien Kudamm nun durchsetzen können. Er wird in der kommenden Sitzung des Verkehrsausschusses zur Diskussion stehen. Die Tauentzienstraße jedenfalls wird trotz aller Kritik bald autofrei – allerdings nur für ein paar Stunden. Am 10. Oktober soll zwischen 11 Uhr und 14 Uhr der Straßenabschnitt zwischen Nürnberger Straße und Rankestraße für einen Aktionstag gesperrt werden.