Verkehr

Warum der Umbau der Hardenbergstraße erst 2021 fertig ist

An der Hardenbergstraße gibt es keine Schotterpisten und endlosen Staus mehr. Doch die Bauarbeiten werden bis 2021 andauern.

An der Hardenbergstraße wird noch immer gebaut.

An der Hardenbergstraße wird noch immer gebaut.

Foto: Lea Verstl

Berlin. Stillstand. Endlose Staus. Schotterpisten für Fußgänger. Und Wildkräuter, die die Zeit nutzen, um auf dem Mittelstreifen in die Höhe zu wachsen. Das war die Wanderbaustelle an der Hardenbergstraße in Charlottenburg in den vergangenen sieben Jahren. All das ist nun verschwunden. Momentan entsteht bei Passanten, Rad- und Autofahrern der Eindruck, als würden sie nicht mehr mit Behinderungen rechnen müssen. Doch der Eindruck täuscht – weitere Bauarbeiten stehen an.

Und diese Arbeiten werden voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 beendet sein. Denn an der Hardenbergstraße bauen nicht nur die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die ihren Teil des Umbaus im bereits November 2020 fertigstellen wollen. Auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und die Senatsverkehrsverwaltung sanieren weiterhin an der Straße.

Supermarkt „Ullrich“ bekommt Parkplatz für Anlieferung

So will der Bezirk auf Höhe der Jebensstraße, unter der Bahnbrücke des Bahnhofs Zoo, den Straßenbereich sanieren. Auch eine Parktasche für den Lieferverkehr des Supermarkts „Ullrich“ wird dort errichtet. Dadurch „kann es punktuell zu Einschränkungen des Fuß-, Rad- sowie des KfZ-Verkehrs kommen“, so ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Erst im Frühjahr 2021 soll die Sanierung fertig sein.

Seitens der BVG sind nur noch einige Kleinigkeiten zu erledigen. Laut Pressesprecher Markus Falkner muss sie an einigen Stellen noch die Straße abschließend markieren. Zudem müssen Wasserabflüsse eingebaut und der Straßenbelag an Kreuzungen fertiggestellt werden.

Kosten für Umbau der Hardenbergstraße: 15 Millionen Euro

Zum Baubeginn kalkulierte die BVG etwa 3,7 Millionen Euro für die Bauarbeiten ein. Nun sind die Kosten auf insgesamt 15 Millionen Euro gestiegen. Noch im Mai 2020 standen neben großen Erdhaufen blaue Bagger und Baucontainer auf dem weiträumig abgesperrten Mittelstreifen nahe des Bahnhofs Zoologischer Garten. Am äußeren Straßenrand klafften Löcher in der Fahrbahn. Hinter Absperrungen stapelten sich dort Baumaterialien wie schwarze Plastikrohre.

Nun wächst sattes Grün auf dem frisch bepflanzten Mittelstreifen. An anderer Stelle wurden hellgraue Pflastersteine eingesetzt. Einzig direkt unter der Brücke am Bahnhof Zoo liegen einzelne lose Steine, die noch nicht eingesetzt wurden. Und auch die Löcher am Fahrbahnrand sind verschwunden. Nur vereinzelt gibt es auf den Gehwegen noch Absperrungen, hinter denen Baumaterialien lagern, wie zum Beispiel auf Höhe der Jebensstraße.

Schotterpiste an Ampel ärgerte Fußgänger

Diese kleinräumigen Absperrungen erinnern daran, was in den letzten sieben Jahren an der Kreuzung der Straße geschehen ist. Der Fußgängerüberweg dort war zu einer Schotterpiste geworden – kaum passierbar für Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer. Busse und Autos stauten sich durch einen immer wieder neu gestalteten Slalom.

Sandra Werner kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. Gerade steht sie an der Ampel des Überwegs und wartet auf Grün. „Meine Mutter wohnt hier in der Nähe. Um sie zu besuchen, muss ich über die Hardenbergstraße gehen“, sagt sie. Als eines ihrer Kinder noch kleiner war und sie es im Kinderwagen über die Straße schieben musste, habe sie den Überweg an der Jebensstraße gemieden. „Ich habe mir dann immer andere Wege gesucht, weil ich stecken geblieben bin.“ Nun, endlich, könne man hier wieder bequem über die Straße gehen, sagt sie.

BVG saniert U-Bahntunnel seit 2013

Bereits seit 2013 wird der knapp 120 Jahre alte U-Bahn-Tunnel der U2 in Charlottenburg saniert. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Arbeiten bereits 2016 abgeschlossen werden. Den Fortschritt der Sanierung erschwerten Asbestfunde im Tunnel. Nachdem der Asbest abgetragen worden war, musste er aufwendig entsorgt werden. Weitere Baumaterialien wie Beton mussten auf Gefahrenstoffe getestet werden. Wegen dieser Gutachten und der Entsorgung verstrich viel Zeit.

Ein weiterer Grund für die Verzögerungen: „Die Anpassungen und komplexen Abstimmungen mit vielen Verwaltungen an die aktuellen Bauphasen“, so ein Sprecher der BVG. Man habe sich permanent mit dem Tiefbauamt und der Senatsverwaltung für Verkehr absprechen müssen. So ist die Senatsverwaltung zum Beispiel dafür zuständig, die Ampeln an den Kreuzungen zwischen Hardenbergplatz und Fasanenstraße zu sanieren. An der Fasanenstraße steht bereits seit Juli eine neue Ampel. Hier ist laut Senatsverkehrsverwaltung nur noch eine „Softwareanpassung“ notwendig. An der Kreuzung glänzt nun die Verkleidung der neuen Ampelanlage in der Sonne.

Geglänzt hatte dort kurz zuvor noch nichts. Mehrere Baustellenabschnitte auf beiden Straßen verengten die Fahrbahn an der Kreuzung. Rad- und Autofahrer mussten sich die wenigen Meter der verbleibenden Spur teilen. Die Situation war unübersichtlich, wie auch Manuel Ayasse weiß. Auf dem Weg zur Arbeit passierte er die Kreuzung mal mit dem Rad, mal im Bus. „Mit dem Bus stand ich die ganze Zeit im Stau und auf dem Fahrrad hatte ich Angst, weil Autos mir zu nah kamen“, sagt er. Obwohl alle Zeichen darauf hindeuten – so richtig daran glauben, dass die Baustelle ein Ende haben wird, will Ayasse noch nicht. Angesichts der nun angekündigten Bauarbeiten ist seine Skepsis wohl berechtigt.