Jubiläum

125 Jahre – So feiert die Gedächtniskirche Geburtstag

Die Berliner Gedächtniskirche am Breitscheidplatz wurde am 1. September 1895 eingeweiht – zum Jubiläum gibt es ein großes Festprogramm.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wird am 1. September 125 Jahre alt.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wird am 1. September 125 Jahre alt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Auch wenn während der Corona-Pandemie viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten: Das 125. Jubiläum der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wollte man nicht ausfallen lassen, sagt Pfarrer Martin Germer, im Gegenteil. „Wir versuchen, möglichst viel anzubieten.“ Zwar muss auf ein großes Konzert anlässlich der Einweihung der Kirche am 1. September 1895 verzichtet werden, dafür umfasst das Festprogramm aber diverse andere Veranstaltungen, wie Andachten, Führungen, Vorträge, besondere Licht- und Foto-Visualisierungen sowie den großen Festgottesdienst, der am 6. September stattfindet und auch in einem Livestream übertragen wird.

Wie es der Name der Kirche sagt, wurde diese ab dem Jahr 1891 zur Erinnerung an Wilhelm I., den ersten deutschen Kaiser, gebaut. Schnell aber, sagt Germer, sei sie zu einer Gedächtniskirche im viel allgemeineren Sinne geworden. Heute sei sie einer der „Hauptmemorialorte der Stadt, an dem das Gedächtnis an die Geschichte wachgehalten wird“. Das gilt natürlich in besonderer Weise für den Zweiten Weltkrieg. Hierfür sei die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz einer der wenigen authentischen Gedenkorte, sagt Pfarrer Germer. Und die Turmruine werde weltweit mit Deutschland verbunden. Nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 ist die Bedeutung der Kirche als Gedenkort noch einmal größer geworden.

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Gedächtniskirche: Licht-Visualisierung soll alte Turmspitze sichtbar machen

Während der Festwoche soll der alte Turm – mit einer Höhe von 113 Metern war er damals der höchste Berlins – aber noch einmal sichtbar werden. Dazu sei geplant, dass drei Strahler in den Himmel leuchten und so die ehemalige Turmspitze andeuten, erklärt Lutz-Helmut Schön, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. Zudem sollen Simulationen mit wechselnden Bildern der Gedächtniskirche auf der Turmruine zu sehen sein. Dazu wird an die Stelle der ehemaligen Rosette ein Banner mit einem Durchmesser von 7,50 Metern gehängt, das mit dem Muster des früheren Maßwerks zart bedruckt ist. Die Fotos werden dann von der neuen Kirche aus auf das Banner projiziert.

Parallel finden bis zum 6. September Führungen statt, bei denen Besucher etwa den alten Turm besichtigen können und dabei auch in Bereiche kommen, die sie sonst nicht sehen, sagt Pfarrerin Kathrin Oxen. Gleichzeitig wolle man aber auch „in die Stadt hinausgehen mit dem Jubiläum“. Unter anderem findet am 16. September deshalb eine Führung durch das Archiv Puhl & Wagner in der Berlinischen Galerie statt. Das Unternehmen Puhl & Wagner hatte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mit Glasmosaiken ausgestattet.

Gedächtniskirche war auch ein Ort der Kontroversen

Die Geschichte der Kirche wird in den Andachten, die bis zum 8. September täglich stattfinden, im Blickpunkt stehen, sie soll dabei auch kritisch betrachtet werden. Denn die Gedächtniskirche sei auch ein Ort der Kontroversen gewesen, sagt Germer. Genau genommen begannen diese schon mit ihrem Bau. „Nicht alle waren damals dafür, dass diese Kirche gebaut wird“, sagt er. Sie sei genau in den Schnittpunkt der Hauptstraßen des damals neuen Berliner Westens gesetzt worden. „Sie sollte unübersehbar sein“, sagt Germer. Kritiker sahen in ihr allerdings vor allem ein Verkehrshindernis. Dennoch wurde sie zur zentralen Kirche des Berliner Westens und sei scherzhaft auch „Taufhaus des Westens“ genannt worden, berichtet Germer. „Allein im ersten Jahr wurden hier 600 Kinder getauft“.

Der Pfarrer hat den Blick aber nicht nur auf die Vergangenheit, sondern vor allem auch auf die Zukunft der Gedächtniskirche gerichtet. Sie weiterzuentwickeln sei „die große Aufgabe, vor der wir stehen“, sagt Germer. Dazu gibt es ein ganzes Paket an Maßnahmen, zusammengefasst unter dem Titel „Perspektive 2025“. Zentral ist die Sanierung des Glockenturms. Dessen Schäden wurden im Frühjahr 2020 noch einmal erfasst, und haben laut Germer weiter zugenommen. Spätestens ab dem kommenden Frühjahr soll der Turm wieder von einem Gerüst umfasst werden – wegen der Gefahr, dass Betonteile abplatzen, erklärt der Pfarrer. Auch die 5000 Glaselemente des Glockenturms müssen in einer Werkstatt restauriert werden.

In diesem Jahr soll die Sanierung des Podiums abgeschlossen werden

Neben der notwendigen Restaurierung des Glockenturms gibt es auch Pläne für den alten Turm, der stärker für die Öffentlichkeit zugänglich werden soll. Zudem soll die Ausstellung erweitert werden und ein Café mit Außengastronomie entstehen. Ein weiterer Punkt ist die Barrierefreiheit, auch ein neues Beleuchtungskonzept ist in Planung.

Knackpunkt der „Perspektive 2025“ ist die Finanzierung. Die Summe, die für das Gesamtprojekt benötigt wird, wird mit 36 Millionen Euro kalkuliert. 17,5 Millionen Euro kommen vom Bund, weitere Gelder gibt es von Stiftungen und der Evangelischen Kirche. Dennoch gibt es noch eine Finanzierungslücke, derzeit laufen Gespräche mit dem Land Berlin. Germer zeigt sich zuversichtlich. „Es zeichnet sich eine Lösung ab“, sagt er. Immerhin eine gute Nachricht gibt es bereits: In diesem Jahr soll die seit 2017 dauernde Sanierung des Podiums der Kirche abgeschlossen werden.