Stuttgarter Platz

„Happy Go Lucky“-Fassade könnte trotz Urteil bleiben

Laut eines Urteils muss die bunte Fassade des „Happy Go Lucky“-Hostels entfernt werden. Sie könnte jedoch bleiben – unter gewissen Bedingungen.

Bunt bemalt ist die Fassade des „Happy Go Lucky“-Hostels am Stuttgarter Platz.

Bunt bemalt ist die Fassade des „Happy Go Lucky“-Hostels am Stuttgarter Platz.

Foto: Paul Zinken / picture alliance / dpa

Berlin. In grellbunten Farben erstrahlt die Fassade des „Happy Go Lucky“-Hostels am Stuttgarter Platz in Charlottenburg. Noch immer. Dabei urteilte ein Richter Ende Juni nach einem Ortstermin, dass die farbenfrohen Bilder von der Mauer entfernt werden müssen. Er verwies darauf, dass es sich bei ihnen zwar um ein Kunstwerk handle, dieses aber den Anblick des denkmalgeschützten Nebengebäudes am Stuttgarter Platz/Ecke Windscheidstraße verunstalte. Trotz des Urteils bietet Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) eine Duldung der farbenfrohen Fassade an – stellt aber Bedingungen.

Neu sind diese allerdings nicht. Es ist bereits der zweite Rechtsstreit um das Hostel. Nachdem es die Hausverwaltung Skora im Jahr 2012 kaufte, ließ sie den Schriftzug „HappyGoLuckyHotel.com“ an die damals noch orangefarbene Fassade anbringen. Darin sah der frühere Baustadtrat Marc Schulte (SPD) eine unerlaubte Werbemaßnahme. Die Richter gaben ihm Recht und Skora musste die Lettern entfernen.

Hotelbetreiber hält Auflagen des Bezirksamts für „willkürlich“

Nachdem der irische Künstler Dom Browne die Fassade im Sommer 2016 bunt bemalt hatte, kündigte Schulte erneut an, dies „äußerst restriktiv“ handhaben zu wollen. Sein Nachfolger Schruoffeneger rückte von diesem Kurs ab. Für eine Duldung müssten Auflagen erfüllt werden, sagte er damals. Die Fassade müsse regelmäßig begutachtet und ausreichend gepflegt werden. Für entsprechende Gutachten sollte Skora allein die Kosten tragen. Dieser Kompromissvorschlag des Bezirksamts „bleibt noch immer bestehen“, wie Schruoffeneger auf Anfrage mitteilt.

Peter Alexander Skora weigerte sich damals jedoch, die Auflagen zu erfüllen. Er wollte, dass der Bezirk sich die Kosten für die Gutachten mit ihm teilt. Und von dieser Meinung ist er bis heute nicht abgerückt. „Ich sehe nicht ein, warum ich einen Gutachter beauftragen soll“, sagt Skora, „ich halte diese Auflage des Bezirksamts für willkürlich.“

Gutachten zu „Happy Go Lucky“ kosten mindestens 2500 Euro

Der Künstler Dom Browne könne verblichene Stellen an der Fassade künftig immer wieder nachbessern. Das sei für die Pflege der Fassade völlig ausreichend, so Skoras Überzeugung. Wenn ein Gutachter kommen müsse, sollte das Bezirksamt sich am Honorar beteiligen. Die Gutachten, die alle fünf Jahre erstellt werden, könnten mit 2500 Euro oder mehr zu Buche schlagen.

Über das jüngste Urteil des Verwaltungsgerichts äußert sich Skora empört. Ein „Gefälligkeitsurteil“ zugunsten des Bezirksamts sei es gewesen, behauptet er. Der Richter hatte im Juni die „Beseitigungsanordnung“ des Bezirks bekräftigt, gegen die Skora geklagt hatte. Die Fassade sei zwar ein Kunstwerk, das denkmalgeschützte Gebäude nebenan jedoch auch, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Fassade müsse weg, weil sie „aufgrund ihrer Blickverbindung mit dem wegen seiner künstlerischen Bedeutung geschützten Denkmal auch dessen Aura und damit dessen Wirkbereich verletzt.“, so die Ausführungen des Richters.