Corona-Krise

Berliner Fitness-Studios freuen sich auf den Neustart

Fitness-Studios dürfen Anfang Juni wieder aufmachen. Auch Marco Schürmann hofft, in seinem Studio wieder durchzustarten.

Marco Schürmann ist Geschäftsführer des Berliner Fitnesstudios Urban Tribe.

Marco Schürmann ist Geschäftsführer des Berliner Fitnesstudios Urban Tribe.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Ganz hinten, in der Ecke, steht noch die Technik: Deckenstrahler, Ringlicht, Kabel. Mikrofone für 350 Euro und ein zweites Handy musste sich Marco Schürmann anschaffen, um die Kurse aus dem Trainingssaal in das Internet zu verlegen. Drei Live-Schalten pro Woche, jede 60 Minuten lang, hat er in den vergangenen Monaten für die Mitglieder seines Fitness-Studios angeboten, die über Facebook und Instagram mittrainieren konnten. „Aber es ist trotzdem etwas ganz anderes, hier auf der Trainingsfläche einen Kurs zu geben“, sagt der Geschäftsführer des „Urban Tribe Club“ an der Eisenzahnstraße in Wilmersdorf. Für die Trainer und für die Teilnehmer. Deshalb sei es an der Zeit, dass es endlich wieder losgehe. Und die Lichtstrahler weggeräumt werden können.

Der Senat hat sich am Donnerstag darauf verständigt, dass die Fitness-Studios Anfang Juni wieder aufmachen können. Natürlich wie überall unter hohen Hygieneauflagen. Erst am Dienstag haben Betreiber von Fitness-Studios vor dem Roten Rathaus in Mitte für eine Wiedereröffnung ihrer Sportclubs demonstriert. Bei vielen geht es um die Existenz. Statt jeden Monat neue Mitglieder zu begrüßen, mussten sie Kündigungen von Verträgen verkraften, Trainer entlassen oder in Kurzarbeit schicken. Die meisten haben versucht, mit Online-Kursen, Angeboten für Personal-Training nach der Wiedereröffnung oder Gutscheinen für Freunde, die Mitglieder bei der Stange zu halten. Doch Hanteln, Laufbänder und Stepper auf den Sportflächen lassen sich nur begrenzt im häuslichen Umfeld ersetzen.

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Nach fast drei Monaten Auszeit müssen jetzt nicht die die Clubmitglieder Aufbautraining leisten. Die Betreiber müssen auch ihre Studios wieder aufbauen und in Schwung bringen. Für Marco Schürmann kamen die Corona-Pandemie und die Schließung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Vor einem Jahr hat der 42-Jährige das Studio eröffnet. Er ist in Lichterfelde-West aufgewachsen, hat Sport studiert, war lange Zeit als Segler aktiv und wurde dann Personal-Trainer.

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Es war gerade an der Zeit, neue Projekte zu starten

In seinem eigenen Studio setzt er auf funktionelles Training. Anders als beim Crossfit, das wie ein Leistungssport betrieben werden kann, werden bei ihm Abläufe, die im Alltag gebraucht werden, trainiert. Also Kniebeuge statt Beinpresse. Jedes Mitglied bekommt einen Trainer zugeteilt und einen Trainingsplan, der ständig angepasst wird. Zwei Mitarbeiter sind immer zur Unterstützung auf der Trainingsfläche.

Anfang des Jahres, neun Monate nach dem Start, lief es endlich perfekt für Marco Schürmann. Im Wochenplan standen 37 Kurse, darunter Pilates, Yoga, Kinder- und Teensgruppen. Dazu 320 Personal-Trainer-Einheiten, vier feste Mitarbeiter. 100 Mitglieder hatten sich angemeldet und zahlten einen Monatsbeitrag von 120 Euro. „Man hat ja anfangs ein Konzept im Kopf, merkt aber dann, dass sich nicht alles umsetzen lässt“, sagt der Geschäftsführer. Er habe einiges ausprobiert, angepasst und sei im März an dem Punkt gewesen, neue Projekte zu starten, die das Studio stärken sollten.

Dann brach alles zusammen. Die Firmenfitness, die Kooperationen mit einem Hotel und einer Anwaltskanzlei. Seine Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit schicken, Veranstaltungen für die Mitglieder absagen, den Förderzuschuss bei der IBB beantragen. „Von heute auf morgen war alles eingestellt“, so der Trainer. Das war der Moment, an dem er sich hätte neu erfinden müssen. Wo kann ich streamen? Welche Kanäle nutzen? Was brauche ich für eine Live-Schaltung? Das waren die Fragen, mit denen er sich in den vergangenen Monaten auseinandergesetzt hat. Immerhin hat er das Glück, dass die meisten Mitglieder geblieben sind.

Nur sieben Teilnehmer und der Coach in den Sportkursen

Mit den Hygieneauflagen hat Marco Schürmann kein Problem. Es wird eine Anwesenheitsliste geben, in die sich jeder Besucher eintragen muss. Dazu Hinweisschilder, mehrere Hand-Desinfektionsbehälter. In den Kursen dürfen nur sieben Teilnehmer mit dem Coach zusammenarbeiten, Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen.

Schuhe unter dem Arm und schon im Sportzeug – so müssten die Mitglieder demnächst kommen, sagt der Geschäftsführer. Was natürlich schwierig werde für Geschäftsmänner, die am Morgen vor der Arbeit ihr Workout machen. Trainiert wird mit Handschuhen, alle halbe Stunde werden die Griffe von den Geräten desinfiziert.

Hauptsache es geht wieder los. Dafür gibt es noch einen anderen Grund: Marco Schürmann ist eine Wette eingegangen. Er wollte sich den Bart so lange wachsen lassen, wie das Studio geschlossen ist. Nach fast drei Monaten sieht er ganz passabel aus – ein Rauschebart ist es zum Glück nicht geworden. Doch nun kommt er ab. Am ersten Eröffnungstag.