Neubau

Am Adenauerplatz soll ein neues Bürogebäude entstehen

Ein Investor will an der Wilmersdorfer Straße 82/83 ein Bürogebäude errichten, das auch Platz für Wohnungen und Gewerbeflächen bietet.

So stellt sich der Investor das neue Bürogebäude am Adenauerplatz vor.

So stellt sich der Investor das neue Bürogebäude am Adenauerplatz vor.

Foto: Eicke Becker

Die Mieter sind vor Jahren ausgezogen, die Wohnungen inzwischen unbewohnbar - und eigentlich sollte der Gebäudekomplex an der Wilmersdorfer Straße 82/83 am Adenauerplatz längst abgerissen sein. Immer wieder wurde er an andere Investoren verkauft, die jeweils eigene Vorstellungen vom Neubau hatten. Nun möchte die Wiwela Bau Projekt GmbH auf dem Grundstück ein Bürogebäude errichten, das auch Platz für Wohnungen und Gewerbeflächen bietet.

Insgesamt 16.500 Quadratmetern des Neubaus sind für Büros vorgesehen, 2200 Quadratmeter für barrierefreie Wohnungen sowie 1500 Quadratmeter für Gewerbe im Erdgeschoss. Des Weiteren bietet das Unternehmen dem Bezirk an, Räume für öffentliche Einrichtungen bereitzustellen. In der Tiefgarage soll ein „Mobility Hub“ entstehen, der neben Autoparkplätzen auch Ladestationen für Carsharing-Autos, Elektrofahrräder und Elektroroller bietet.

Als Mieter kommen Anwaltskanzleien in Betracht

Die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach soll geprüft werden. Auf dem Dach soll es außerdem einen Garten geben, der öffentlich zugänglich ist. Bis zu elf Etagen soll der Neubau umfassen. Dafür will das Unternehmen insgesamt circa 100 Millionen Euro investieren.

Ulrich Regener leitet das Projekt vonseiten der Wiwela Bau GmbH. Er sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost: „Man könnte die Büroräume großflächig oder kleinteilig vermieten. Als mögliche Mieter kommen Anwaltskanzleien in Betracht.“ Die Flächen im Erdgeschoss sind laut Regener für Cafés, Restaurants oder Läden vorgesehen.

Wiwela Bau Projekt GmbH kaufte Gebäude 2014

Bis zu 25 Wohnungen im Gebäude sollen auf der Seite der Wilmersdorfer Straße entstehen. Die andere Seite des Gebäudes grenze an die stark befahrene Lewishamstraße und sei wegen des Lärmpegels ungeeignet für den Wohnungsbau, so Regener. Der Neubau werde nachhaltig konzipiert, versichert der Projektleiter. Er könne nach 30 Jahren anderweitig genutzt werden, beispielsweise als reines Wohnhaus oder Altenheim.

Die Baugesellschaft hatte das Gebäude samt Grundstück 2014 gekauft. Der vorige Besitzer hatte 2010 alle Wohnungen im Haus entkernt und somit sämtliche Küchen wie auch Elektroinstallationen ausgebaut. Anschließend habe man insgesamt drei Kilometer asbesthaltige Rohre abmontiert und aufwendig entsorgt. „Auch der Brandschutz und die Wärmedämmung des alten Gebäudes entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Somit kann es nicht wiederbelebt werden. An dieser Stelle muss neu gebaut werden“, sagte Regener.

SPD-Fraktion äußert Kritik an Neubauplänen

Über die Neubaupläne muss der Investor in den kommenden Monaten mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf verhandeln. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) habe das Konzept des Investors für den Neubau bereits erhalten und an die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) weitergeleitet, wie er sagt. „Nun ist die Meinung der Fraktionen dazu gefragt, damit man gemeinsam mit dem Unternehmen einen Bebauungsplan aushandeln kann“, sagte Schruoffeneger. Ein Bebauungsplan könne jedoch frühestens in zwei Jahren erarbeitet werden.

Kritik äußerte bereits die SPD-Fraktion. „Wir betrachten die Sache distanziert, weil wir noch nicht verstehen, warum hier nur 25 Wohnungen gebaut werden, wenn ursprünglich mehr geplant waren“, sagte Wolfgang Tillinger, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion der BVV. Wenn ein vormals reines Wohnhaus abgerissen werde, sollten an dieser Stelle Tillinger zufolge Wohnungen statt Büroräume entstehen. Da der Investor Flächen des Neubaus für die öffentliche Nutzung angeboten habe, werde nun kritisch abgewogen, ob das den verminderten Wohnungsbau ausgleichen könne. Trotz der Vorbehalte habe sich die SPD gefreut, dass endlich konkrete Pläne vorgelegt wurden.

CDU und FDP fordern rasche Verhandlungen mit Investor

„Wir rechnen damit, dass der Neubau Mitte des Jahres 2022 beginnen kann. Natürlich wäre es schön, wenn die Verhandlungen zum Bebauungsplan beschleunigt werden und bereits 2021 gebaut werden kann“, sagte Hans-Joachim Fenske (CDU). Die CDU sei davon überzeugt, dass der Bezirk aktiv werden sollte, da der Adenauerplatz komplett umgestaltet werden müsse.

Das betreffe nicht nur die Wilmersdorfer Straße 82/83, sondern auch das Grundstück gegenüber. Dort, auf dem Areal des Panorama-Hotels an der Lewishamstraße, wollte der Investor Berlinhaus ein Hochhaus mit 43 Mietwohnungen sowie 40 Einheiten für studentisches Wohnen errichten. Bislang scheiterten diese Pläne. „Die CDU würde es begrüßen, wenn sowohl auf dem Areal des Panorama-Hotels als auch auf dem Grundstück der Wilmersdorfer Straße 82/83 Hochhäuser gebaut werden“, so Fenske weiter.

Die FDP ist begeistert von den Plänen der Wiwela Bau Projekt GmbH. „Dieser Teil der Wilmersdorfer Straße kann mithilfe der modernen Architektur des Gebäudes wiederbelebt werden“, sagt Johannes Heyne, baupolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der BVV. Dass das ehemalige Wohnhaus nun zu einem Großteil für Büros und Gewerbe genutzt werden soll, ist aus Heynes Sicht nachvollziehbar. „Den Straßenlärm der Lewishamstraße kann man Anwohnern nicht zumuten. Darum finde ich es intelligent, dass Wohnungen ausschließlich an der Seite zur Wilmersdorfer Straße gebaut werden sollen.“

Nun gelte es, dem Stillstand am Adenauerplatz ein Ende zu bereiten. Daher sollten Fraktionen der BVV möglichst zügig mit dem Investor verhandeln.