Pandemie

Coronavirus stellt Umzugsfirmen vor Herausforderungen

Speziell für die Umzugsbranche gelten keine gesetzlichen Vorgaben. Angehörige von Risikogruppen verschieben die Termine aber zunehmend.

Mitarbeiter von Umzugsfirmen müssen sich vor dem Coronavirus schützen.

Mitarbeiter von Umzugsfirmen müssen sich vor dem Coronavirus schützen.

Foto: Privat

Berlin. Manuela S. zieht am Freitag von Wilmersdorf nach Lichterfelde. Die 68-Jährige hat eine Umzugsfirma beauftragt und macht sich nun Sorgen. „Sowohl für die Mitarbeiter als auch für mich ist der Umzug riskant. Ich weiß nicht, ob ich oder ein Mitarbeiter eventuell mit dem Coronavirus infiziert wurden“, sagt sie.

Während Umzüge mit persönlichen Bekannten aufgrund der Kontaktsperre seit Montag verboten sind, dürfen Umzugsunternehmen als Teil der Dienstleistungsbranche weiterarbeiten. Doch ihre Arbeit gestaltet sich angesichts der Coronakrise schwieriger als zuvor.

Die Firmen treffen intensive Vorkehrungen, um Mitarbeiter und Kunden vor dem Coronavirus zu schützen. Gesetzliche Vorgaben speziell für den Dienstleistungsbereich der Umzüge gebe es jedoch nicht, sagt Matthias Schollmeyer, Geschäftsführer des Verbands Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg (VVL). Insgesamt zählen 40 Umzugsfirmen in Berlin und Brandenburg zu den Mitgliedern des Verbands.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Schutzmaßnahmen basieren auf allgemeinen gesetzlichen Vorgaben

„Auf Basis der allgemeinen Bestimmungen der Bundesregierung halten sich unsere Mitglieder an Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen“, so Schollmeyer weiter. Den Verband würden zahlreiche Anfragen von Firmen erreichen, die nicht wissen, ob sie weiterhin arbeiten dürfen. Dies könne Schollmeyer bejahen: „Umzugsspediteure dürfen ihrem Betrieb nachgehen.“ Sie erreichen nun besonders viele Kundenanfragen, da Umzüge mit Privatpersonen verboten wurden. Dabei bleibt einzelnen Spediteuren überlassen, wie sie konkrete Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf den Coronavirus umsetzen.

Die Hertling GmbH und Co. KG mit Hauptsitz in Berlin-Charlottenburg führt nationale und internationale Umzüge durch. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 100 Mitarbeiter. Geschäftsführer Helmut Hertling erklärt, welche Regeln nun für seine Arbeitnehmer gelten, um sie und ihre Kunden vor dem Coronavirus zu schützen: „Auch wir lassen unsere Mitarbeiter in Büros nun im Homeoffice arbeiten. Die gewerblichen Mitarbeiter, die draußen eingesetzt werden, müssen sich jeden Morgen in der Hoftoilette die Hände waschen und desinfizieren, bevor sie unsere Räumlichkeiten betreten.“

Liefer-Engpässe bei Atemschutzmasken betreffen auch Umzugsbranche

Wenn Umzugshelfer von Hertling zu ihren Einsätzen fahren, dürfen sich maximal zwei Personen in einem Lastwagen aufhalten. Falls mehr als zwei Mitarbeiter eingesetzt werden, werden sie in Zweiergruppen auf mehrere Fahrzeuge verteilt. Zudem achtet die Firma darauf, dass sich während des Einsatzes möglichst nur ein Kunde in der Wohnung aufhält. Alle Beschäftigten müssen Handschuhe tragen. Das habe die Arbeit zu Anfang erschwert, sagt Hertling. „Wenn man mit Gummihandschuhen Porzellan anfasst, ist das natürlich rutschig. Inzwischen haben sich Mitarbeiter aber daran gewöhnt“, so Hertling weiter.

Unter den Liefer-Engpässen bei Atemschutzmasken leidet auch die Umzugsbranche. Masken würden in seinem Betrieb knapp, wann der bestellte Nachschub komme, sei ungewiss, sagt Hertling. Medizinisches Personal habe zudem bei der staatlichen Vergabe Vorrang. Falls Kunden den Wunsch äußern, dass Umzugshelfer Masken tragen, ginge die Firma den Wünschen nach. Zahlreiche Diplomaten zählten zu seinen Kunden. Sie bestünden auf das Tragen von Atemschutzmasken.

Verminderter Kundenkontakt durch Online-Angebote

Es gebe Möglichkeiten, den Kundenkontakt im Vorfeld des Umzugs zu umgehen, sagt VVL-Chef Schollmeyer. So würden manche Umzugsfirmen für Gutachten auf digitale Alternativen zurückgreifen. Manche Firmen böten ihren Kunden an, ihre Möblierung mit dem Smartphone zu scannen und ihnen online zuzusenden. Auf diese Weise müsse kein Akquisiteur vor dem Umzug in die Wohnung kommen, um zu begutachten, wie viele Möbel transportiert werden müssen.

Schollmeyer erklärt, dass Menschen, die zu den Risikogruppen bei Corona-Infizierten zählen, Umzüge nun vermehrt verschieben möchten. Infizierte im Alter von über 65 Jahren sowie Lungenkranke zählen zu den Risikogruppen. Ihre Mortalitätsrate liegt nach Schätzung von Experten bei bis zu 25 Prozent.

Kundin fordert mehr Schutzmaßnahmen für Umzugshelfer

Manuela S. zählt in ihrem Alter zur Risikogruppe, weshalb sie ihrem Umzug am Freitag skeptisch entgegensieht. „Ich denke, dass sowohl ich als auch die Umzugshelfer nicht richtig vor dem Virus geschützt sind“, sagt sie. S. weiß nicht, in welchen Wohnungen die Mitarbeiter vor dem Umzug unterwegs gewesen seien. Sie selbst zeige zwar keine Symptome, sei jedoch nicht auf Corona getestet worden. Somit stelle sie sich die Frage, ob man die Mitarbeiter von Umzugsfirmen nicht gesetzlich schützen sollte.

„Andere Berufsgruppen sind geschützt. Ich wollte zum Beispiel eine Dekorationsfirma beauftragen, um die Gardinen in der neuen Wohnung aufzuhängen. Diese Betriebe sind jetzt aber gesetzlich eingeschränkt. Umzugsfirmen arbeiten weiter“, sagt S. Ihr Sohn, der die Umzugsfirma beauftragt habe, habe im Vorfeld keine Informationen darüber erhalten, welche Schutzmaßnahmen vonseiten des Unternehmens durchgeführt werden. Sechs Mitarbeiter sollen den Umzug durchführen. S. hat Angst, dass sie beim Tragen ihrer schweren Möbel nicht kontinuierlich den Sicherheitsabstand einhalten können.

Da es vor ihrem Haus aufgrund einer Bushaltestelle keine direkte Zufahrt gebe, müssten die Umzugshelfer eine größere Strecke auf der Straße zurücklegen. „Ich sehe nicht, wie sie den Kontakt mit anderen Menschen draußen vermeiden können“, sagt S.