City Trees

Biotech-Bäume reinigen Luft am Zoologischen Garten

Drei innovative City Trees wurden vor dem Bikini Berlin aufgestellt. Sie können bis zu 80 Prozent des Feinstaubs aus der Luft filtern.

Passanten bewundern die Biotech-Bäume auf dem Platz zwischen dem Bikini Berlin und dem Zoopalast.

Passanten bewundern die Biotech-Bäume auf dem Platz zwischen dem Bikini Berlin und dem Zoopalast.

Foto: Bikini Berlin

Sie werden City Trees genannt. Dabei sehen die meterhohen Quader mit Holzverkleidung, die nun auf dem Platz zwischen dem Bikini Berlin und dem Zoo Palast stehen, gar nicht aus wie Bäume. Und die City Trees bestehen nicht aus Blättern und Ästen, sondern aus Moos. Dennoch erfüllen sie die gleiche, wichtige Aufgabe wie echte Bäume: Sie filtern den Feinstaub aus der Luft und reinigen sie.

Entwickelt wurden diese Biotech-Luftfilter von der Firma Green City Solutions, um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. So können die Moose hinter den Holzplanken bis zu 80 Prozent des Feinstaubs binden, zersetzen und als Nährstoff aufnehmen. Zudem sorgen sie für Kühlung, da die Moose auf ihrer Oberfläche Feuchtigkeit speichern und wieder verdunsten lassen. Wer frische Luft im hektischen Stadtgetümmel schnuppern will, kann es sich auf den Holz-Sitzbänken an den Moos-Quadern bequem machen.

City Trees ziehen bis September 2020 durch ganz Berlin

„Die City Trees werden bis September 2020 innerhalb Berlins immer wieder an andere Orte umziehen“, erklärt Liang Wu, einer der Gründer von Green City Solutions. Auf dem Platz nahe des Zoologischen Gartens werden sie drei Wochen stehen. Anschließend erfolgt der Umzug zu diesen Standorten: an den Walter-Benjamin-Platz, an eine Schule in Charlottenburg und eine in Pankow, zum Messegelände und an den Kurfürstendamm. Das Projekt wird gefördert vom Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union.

Mithilfe der Biotech-Bäume lässt sich die Qualität der Luft nicht nur verbessern, sondern auch messen. „Die Sensoren an den City Trees erfassen den Anteil des Feinstaubs in der Luft. Wenn er besonders hoch ist, können wir die Ventilation erhöhen, um mehr Schadstoffe zu binden“, sagt Wu. Dies sei jedoch langfristig schädlich für das Moos. Darum müsse man die Ventilation immer wieder so umstellen, dass das Moos weiterhin gedeihen kann.

Feinstaub am Walter-Benjamin-Platz wird gemessen

Die Messergebnisse der City Trees werden in einer Studie festgehalten. Diese stellen Wu und seine Kollegen dem Land Berlin nach Abschluss des Projekts zur Verfügung. Insbesondere auf dem Walter-Benjamin-Platz nördlich des Kurfürstendamms sind Feinstaub-Messungen dringend nötig. Der Platz ist von hohen Gebäuden umgeben, dadurch staut sich dort die Luft. „Im Sommer entstehen Hitze-Inseln. Es gibt vermutlich auch einen hohen Feinstaubanteil“, sagt Wu.

Echte Bäume sind Wu zufolge bessere Stadtluft-Filter als seine Innovation. Doch Bäume brauchen viel Platz, damit ihre Wurzeln sich entfalten können. In einer Stadt wie Berlin, in der Wohnraumknappheit herrscht, wird es immer weniger Platz für echte Bäume geben. Moderne Lösungen wie die City Trees werden daher dringend gebraucht.

Antje Leinemann, Geschäftsführerin von Bikini Berlin, erklärt, sie sei erfreut darüber, dass Green City Solutions vor einigen Monaten mit der Idee der City Trees auf sie zugekommen sei. „Wir waren schnell davon überzeugt, dass Bikini Berlin der richtige Ort dafür ist“, sagt Leinemann. Das Shopping-Center lege Wert darauf, Innovation zu fördern.

Moos-Filter für Fassaden weiterentwickelt

Wu möchte das Projekt gemeinsam mit Peter Sänger, dem Mitgründer von City Solutions, weiterentwickeln. Die beiden tüfteln daran, die Moos-Filter so zu gestalten, dass sie auch an Fassaden angebracht werden können. Dieses Projekt befindet sich jedoch bisher in der Pilotphase. Wu und Sänger gründeten Green Tech Solutions 2014. Nach einer Reihe von Pilot-Versuchen in ganz Europa können die City Trees nun in Serie produziert werden.