Pandemie

Wie Charlottenburg-Wilmersdorf gegen das Coronavirus kämpft

In den Rathäusern Berlins werden jetzt Notpläne erstellt. Charlottenburg-Wilmersdorf verlagert Mitarbeiter ins Gesundheitsamt.

Arne Herz, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf

Arne Herz, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Die Corona-Krise stellt Berlin vor völlig neue Probleme. In den Rathäusern muss sicher gestellt werden, dass das öffentliche Leben nicht zusammenbricht. Arne Herz (CDU) ist Vize-Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. In Abwesenheit von Rathaus-Chef Reinhard Naumann (SPD) muss er unter Zeitdruck Verwaltungsabläufe komplett umplanen.

Kontakt unter Menschen auf das nötigste zu reduzieren

Im Mittelpunkt seiner Arbeit als Leiter des Bezirksamts stehe jetzt, fest zu stellen, „welche Bereiche der Verwaltung in welcher Größenordnung für die Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten ist“, sagte Herz gegenüber der Berliner Morgenpost. „Dabei müssen wir auch definieren, welche Aufgaben für die Bürger nicht zwingend notwendig sind.“ Dazu zählten etwa Weiterbildung, Bibliotheken, Volkshochschule.

Andere Bereiche dagegen müssten auch in Zeiten von Corona aufrecht erhalten werden. Etwa das Ordnungsamt und Stellen, an denen sich Bürger weiterhin die ihnen zustehenden Leistungen bekommen müssen, zum Beispiel Wohnungs- und Sozialamt. „Unser Job ist es, die öffentliche Verwaltung aufrecht zu erhalten aber gleichzeitig den Kontakt unter Menschen auf das nötigste zu reduzieren.“

Kontaktpersonen und Infizierte in Quarantäne

Dazu hat der Bezirk vor zwei Wochen unter Herz’ Leitung einen Arbeitsstab mit zehn Amtsleitern aufgestellt, die jetzt mit den Stadträten eine grundsätzliche Umschichtung im Rathaus plant. Gültig ab kommender Woche.

Mitarbeiter würden zeitnah in den Bereich Gesundheitsamt verlagert, um dort in vier Feldern mit anzupacken: dort, wo Bescheide an jene erteilt werden, die als Kontaktpersonen oder Infizierte in Quarantäne müssen; bei der Betreuung der telefonischen Hotline; bei der Betreuung von Menschen in Quarantäne. „Das bedeutet auch, die Überprüfung, ob sich die Betroffenen an die Quarantäne halten“, sagte Herz. Zudem werde Personal bei der Recherche gebraucht, welche Kontaktpersonen zu einem Infizierten führen. So kämen überproportional viele Menschen, die sich im Musikclub „Trompete“ am Lützowplatz in Tiergarten angesteckt hatten, aus Charlottenburg-Wilmersdorf.

Amtsärzte leisten Momentan ganz Großes

„Besonders unsere Amtsärzte leisten Momentan ganz großes“, sagte Herz. Insgesamt sei er positiv überrascht, dass die Stadt bei aller Kritik, die ihr oft berechtigterweise zukomme, in dieser Krisenlage „ziemlich gut funktioniert.“

Das Thema home office hält Herz für schwierig. Zwar hat er in der vergangenen Woche - er vertritt Naumann seit dem 2. März - eine Prüfung auf den weg gebracht, ob Laptops zu beschaffen sind. Aber erfordere das Arbeiten von Zuhause und der Zugang zum Berliner Landesnetz der Verwaltung Sicherheitsvorkehrungen, die sich nicht schnell installieren ließen. Als alternative Unterstützung für Mitarbeiter, deren Kinder wegen Schließung keine Betreuung haben, plant Herz, eine Kindertagesstätte einzurichten.

Für das öffentliche Leben des Bezirks kündigte Herz an, dass es für Clubs und Bars weitere Einschränkungen geben werde. Der Vize-Bürgermeister betonte, dass Restaurant nicht geschlossen werden.