Berlin-Wilmersdorf

Umgestaltung Preußenpark: Was mit der Thai-Wiese passiert

Die beliebte Thai-Wiese im Preußenpark soll neu organisiert werden. Die Zahl der Food-Stände wird von rund 100 auf 60 reduziert.

Preußenpark in Berlin-Wilmersdorf am 28. Februar 2020 in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Fotoservices

Preußenpark in Berlin-Wilmersdorf am 28. Februar 2020 in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Fotoservices

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Der Preußenpark in Wilmersdorf wird umgestaltet. Maßgeblich für sein künftiges Aussehen ist der Sieger-Entwurf eines studentischen Ideen-Wettbewerbs an der Technischen Universität Berlin. Er erwies sich 2019 als Favorit des Bezirksamtes und der Anwohner.

Im Laufe des vergangenen Jahres haben Landschaftsarchitekten des Büros Capattistaubach diesen Entwurf weiter ausgearbeitet. Am Freitag informierte Stadtentwicklungsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) die Anwohner über den aktuellen Stand der Planung. „Jetzt sind wir soweit, dass wir eigentlich anfangen können“, so der Stadtrat auf der Veranstaltung in der Mensa der Robert-Jungk-Oberschule. „Wir haben in diesem und im kommenden Jahr insgesamt eine Million Euro für erste Maßnahmen zur Verfügung.“

Bauarbeiten im Preußenpark beginnen bereits in diesem Sommer

Mitte des Jahres sollen etwa 40 Prozent der Fläche, die der Thai-Markt bislang auf dem Rasenrondell genutzt hat, abgesperrt werden. Dieses Areal wird asphaltiert. Es steht voraussichtlich ab Herbst 2021 für die Verkaufsstände des Streetfood-Markts zur Verfügung. Ihre Zahl soll auf etwa 60 beschränkt werden.

Außerdem ist ein Multifunktionsgebäude geplant. Es wird als Lager dienen und als Unterbringung für die mobilen Stände. Die Händler holen sie morgens dort ab und stellen sie abends wieder unter. Auch Sanitärräume, die Anschlüsse für Wasser und Strom und ein Kiosk werden eingerichtet.

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Die Arbeiten für das Multifunktionsgebäude beginnen frühestens im Frühjahr 2022 und dauern voraussichtlich ein Jahr. Ursprünglich sah der Studentenentwurf vor, dass der Markt künftig auf der Fläche des Spielplatzes im nördlichen Bereich des Parks stattfindet. Und dass der Spielplatz dafür in die Mitte des Parks verlegt wird. „Davon nehmen wir jetzt Abstand“, so Robin Schick, Mitverfasser des Entwurfs. Er ist auch an der weiteren Planung beteiligt. Es habe sich herausgestellt, dass dafür zu viele Bäume in der Mitte des Preußenparks gefällt werden müssten.

In der Gesamtplanung sei vorgesehen, so Stadtrat Schruoffeneger, dass „wir in den kommenden Jahren rund fünf Millionen Euro in die Hand nehmen wollen, um den Park insgesamt neu zu gestalten.“ Es gehe darum, die Grünfläche zu sanieren und an einzelnen Punkten aufzuwerten.

Streetfood-Markt im Preußenpark entwickelte sich zur Touristenattraktion

Anlass für die Umgestaltung des Preußenparks ist der Streetfood-Markt auf dem Rasenrondell. Er hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Touristenattraktion entwickelt. Rund 100 Stände sind aufgebaut. Vom Frühjahr bis zum Herbst locken sie an den Wochenenden Tausende Besucher an. Die intensive Nutzung des Areals hat ihre Schattenseiten. Es geht laut zu. Müll häuft sich, der Rasen wird zerstört. Wer am Wochenende Ruhe und Entspannung auf dem Gelände sucht, ist enttäuscht. Anwohner hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder darüber beschwert.

Seit 2018 beschäftigt sich das Bezirksamt damit, die Situation im Preußenpark zu verändern. Ziel sei es, die verschiedenen Interessen derer, die den Park aufsuchen, unter einen Hut zu bringen, sagte Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU). Nach wie vor kritisieren Anwohner den Markt.

„Wird es auch in diesem Jahr so weitergehen mit dem illegalen Verkauf, mit den vielen Müllsäcken, die über Nacht im Park liegen und mit den zugeparkten Ecken, an denen auch die Feuerwehr nicht vorbeikommt?“, fragte eine Teilnehmerin der Info-Veranstaltung am Freitag.

Es sei ein schwieriger Balance-Akt, antwortete Stadtrat Herz. „In der Zeit des Prozesses wollen wir weder den einen alleine lassen noch dem anderen signalisieren, dass wir ihn vertreiben.“ Das Ordnungsamt sei im vergangenen Jahr monatlich mindestens ein mal im Park unterwegs gewesen.

Reiseführer haben den Streetfood-Markt im Preußenpark international bekannt gemacht. Offiziell erlaubt ist der Verkauf von Speisen und Getränken dort jedoch nicht. Die Händler zahlen keine Steuern. Hygienevorschriften werden oft nicht eingehalten. Insbesondere im heißen Sommer 2018 kam es zu Konflikten und zur erheblichen Übernutzung des Geländes. Auch die BVV fordert, dass die Konflikte im Preußenpark gelöst werden. Sie beschloss 2018, dass die Thai-Wiese als Food-Market und interkultureller Treffpunkt erhalten bleiben und dass ein Trägerverein die Händler koordinieren und betreuen soll.

Ideenwerkstatt zur Parkgestaltung startet im Frühjahr

Auf dem Markt sollten künftig alle rechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Die Bezirksverordneten beschlossen auch, dass alle Maßnahmen im Park gemeinsam mit Anwohnern, dem zuständigen Polizeiabschnitt, dem Migrationsbeirat und mit der Thailändischen Community besprochen werden sollen. Anwohner und Nutzer werden auch in den kommenden Monaten über den Fortgang der Planung informiert und können ihre Meinung äußern. Eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung ist im Frühjahr 2020 vorgesehen. Dabei soll es in einer Art Ideen-Werkstatt um einzelne Aspekte der Parkumgestaltung gehen.

Im Sommer, bei gutem Wetter, werden im Park so genannte Dialog-Inseln aufgebaut, um mit den Nutzern der Grünfläche ins Gespräch zu kommen. Bereits jetzt startet eine Online-Beteiligung. Am Freitagabend wurde die Adresse freigeschaltet.