Charlottenburg

Bühnenreifer Streit um Freilichttheater Jungfernheide

Land bewilligt vier Millionen Euro für Aufbau der Spielstätte im Volkspark Jungfernheide. Stadtrat lehnt ab, Bürgermeister spricht Machtwort.

So sah die Freilichtbühne im Volkspark Jungfernheide einst aus.

So sah die Freilichtbühne im Volkspark Jungfernheide einst aus.

Foto: dpa Picture-Alliance / / picture alliance / arkivi

Berlin. Zwischen dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein bizarrer Streit um die Wiederherstellung der Freilichtbühne Jungfernheide ausgebrochen. Während üblicherweise Bezirke und Land darüber streiten, mehr Geld auszugeben, geht es diesmal darum, kein Geld auszugeben.

Die Freilichtbühne Jungfernheide liegt seit Jahren brach und verwildert. Nun hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses in seinem neuen Doppelhaushalt insgesamt vier Millionen Euro bereit gestellt, um die Freilichtbühne wieder instandzusetzen. Doch Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) will das Geld offenbar nicht haben. „In der Freilichtbühne finden seit Jahren keine kulturellen oder anderweitigen Veranstaltungen statt“, schrieb der Stadtrat an den Hauptausschuss. „Viele Versuche, ein neues wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept zu erarbeiten, sind in den letzten Jahren gescheitert.“

Freilichtbühne Jungfernheide: Stadtrat will Geld woanders ausgeben

So lange das nicht der Fall sei und keine Bauplanungsunterlagen vorlägen, sei es nicht sinnvoll, das Geld für die Wiederherstellung bereitzustellen. Aber: „Der Bezirk wäre aber jederzeit dazu in der Lage, die Mittel für andere dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen, zum Beispiel von Schulhöfen, auszugeben“, schreibt Schruoffeneger zum Schluss. Frühestens 2021 könne mit den Bauarbeiten in der Jungfernheide begonnen werden – bei optimalem Verlauf des Genehmigungsverfahrens.

Dieser Alleingang hat im Bezirk Empörung ausgelöst. Denn die Bezirksverordneten in Charlottenburg-Wilmersdorf haben sich ausdrücklich für die Instandsetzung der Freilichtbühne ausgesprochen. „Das Bezirksamt wird aufgefordert, das derzeit brachliegende Gelände der beiden Freilichtbühnen im Volkspark Jungfernheide wieder zu errichten“, heißt es in einem eilig herbeigeführten Beschluss der Bezirksparlamentarier, drei Tage nach Schruoffenegers Brief an das Abgeordnetenhaus.

Freilichtbühne nicht sanieren? Bezirksbürgermeister reagiert empört

Auch Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) zeigte sich empört über das Vorgehen des Stadtrates. Er habe ohne Rücksprache mit den Bezirksamtskollegen gehandelt. Man sei sich im Bezirk einig, dass es nicht um die Frage ginge, ob die Freilichtbühne wieder hergestellt werde, sondern wie. „Das oben genannte Schreiben ist damit gegenstandslos“, heißt es in Naumanns Brief an die Vorsitzende des Hauptausschusses, Franziska Becker – die ebenfalls im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf beheimatet ist.

Nun kam es zu einem Schlichtungstreffen im Bezirk. Dem Vernehmen nach blieb Stadtrat Schruoffeneger zwar bei seiner Überzeugung, der Bezirk könne wegen der fehlenden formalen Voraussetzungen das Geld nicht für die Instandsetzung ausgeben, ließ sich aber von den Kollegen überzeugen. Natürlich sei auch er für die Wiederherstellung der Freilichtbühne. „Wir haben in einem Brief an den Hauptausschuss deutlich gemacht, dass wir gern mit der Instandsetzung beginnen würden und haben um die Freigabe des Geldes gebeten“, sagte Schruoffeneger.

Die Freilichtbühne feiert dieses Jahr 100-jähriges Bestehen

Für den Bezirk wäre der Beginn der Wiederherstellung der Bühne ein wichtiges Signal – denn der Veranstaltungsort feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der Charlottenburger Stadtgartendirektor Erwin Barth legte das Naturtheater in den Jahren 1923 bis 1925 an. Vorbild bei der Konzeption der Anlage, die offiziell nach dem ehemaligen Oberbürgermeister Gustav-Böß-Freilichtbühne benannt wurde, war für ihn das griechische Theater. Es stellte seiner Meinung nach die geeignetste Form dar, um eine Vielzahl von Zuschauern aufnehmen zu können.

Das Gartentheater bietet bis zu 2000 Menschen Platz. Hier wurden Theaterspiele und Tanzveranstaltungen aufgeführt, Sportwettkämpfe abgehalten und Reitübungen gezeigt. Eine Besonderheit besteht darin, dass sämtliche Bauten auf dem Gelände aus Holz angefertigt wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Freilichtbühne vollständig zerstört. Ab 1950/51 begann der Wiederaufbau.

Seitdem der letzte Pächter die Freilichtbühne verlassen hat, verfällt die Anlage. Mehrere Initiativen haben in den vergangenen Jahren versucht, die Bühne zu reaktivieren. Bislang gelang es jedoch nicht, einen neuen Betreiber – und Investor – für die Bühne zu gewinnen. Das soll sich nun mit den vier Millionen Euro aus dem Landeshaushalt ändern.