Gewerbemieten

Tauentzien zweitteuerste Einkaufsstraße Deutschlands

Die Berliner Einkaufsmeile liegt auf Rang zwei unter den deutschen Geschäftsstraßen mit den höchsten Quadratmeterpreisen.

Der Tauentzien in der City West mit KaDeWe gehört zu den Einkaufsstraßen mit den höchsten Mieten.

Der Tauentzien in der City West mit KaDeWe gehört zu den Einkaufsstraßen mit den höchsten Mieten.

Foto: Frank Lehmann

Frankfurt/Main. Die Mieten in Deutschlands beliebtesten Einkaufsstraßen bleiben weiterhin hoch: Zum Jahresende verzeichnete der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle auf Shopping-Meilen wie der Berliner Tauentzienstraße, der Frankfurter Zeil oder der Stuttgarter Königstraße konstant hohe Preise. Auch 2020 dürften sich die Mieten kaum ändern, sagte JLL-Experte Dirk Wichner. Trotz des boomenden Online-Handels blieben Innenstädte attraktiv, was auch das Weihnachtsgeschäft bewiesen habe.

Die höchsten Mieten werden laut der am Mittwoch veröffentlichten JLL-Studie in München fällig: In der Kaufingerstraße und am Marienplatz mussten Händler im zweiten Halbjahr bei Neuvermietungen bis zu 360 Euro pro Quadratmeter zahlen. Bei den untersuchten ebenerdigen Objekten mit 100 Quadratmetern und Fensterfront bedeutet das eine Monatsmiete von 36.000 Euro.

330 Euro pro Quadratmeter in der City West

Auf Platz zwei lag die Berliner Tauentzienstraße (330 Euro/Quadratmeter Spitzenmiete), gefolgt von der Zeil in Frankfurt (310), der Düsseldorfer Königsallee (290) und der Spitalerstraße in Hamburg (280). Etwas günstiger waren die Königstraße in Stuttgart (270) und die Schildergasse in Köln (250). Deutlich billiger war Leipzig, wo bis zu 120 Euro je Quadratmeter verlangt wurden. Allgemein gebe es eine wieder steigende Nachfrage nach Ladenflächen in kleinen und mittleren Städten, schrieb JLL. In den vergangenen Jahren hätten sie unter dem Boom des Online-Handels und der Anziehungskraft der Großstädte gelitten, nun seien Produkte und Betreiber aus der Region wieder gefragt – auch wegen des wachsenden Umweltbewusstseins. Zudem seien in kleineren Städten Konzepte auf Flächen möglich, die in Metropolen unbezahlbar wären.

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany: „In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, dass es die Konsumenten vor allem in die Großstädte zog. Klein- und Mittelstädte litten zuerst unter diesem Trend, der mit dem Anstieg des Online-Umsatzes einherging.“ Unter diesem Veränderungsdruck komme die Transformation des Handels nun gerade in vielen mittleren und kleineren Städten an, wo Einkaufen zunehmend zu Genuss und Erlebnis werden könne. P

rodukte und Betreiber aus der jeweiligen Region seien angesagter denn je in Zeiten, in denen auch die Umweltverträglichkeit das Kaufverhalten nachhaltig beeinflusse, weil Konsumenten keine langen Lieferwege mehr akzeptierten. Entsprechend steige auch hier die Nachfrage nach Flächen und insbesondere deshalb, weil Konzepte hier Flächen zu Preisen finden, die in den Metropolen nicht möglich wären. Davon profitierten Kunden, Städte und Händler gleichermaßen.

Insgesamt geben Mietpreise für den Einzelhandel nach

Insgesamt zeichnet sich in den untersuchten 185 Einzelhandelsstandorten ein Nachgeben der Mietpreise von 1,3 Prozent für die erste Jahreshälfte 2020 ab. Innerhalb der jeweiligen Größe nach Einwohnern wird mit moderaten Mietpreisrückgängen von 0,4 Prozent für Städte mit mehr als einer halben Million Menschen, von 1,5 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent für die Einwohnerklassen von 100.000 bis 250.000 Einwohnern und unter 100.000 Einwohnern gerechnet. Einzig für die bisher sehr stabilen mittelgroßen Städte von 250.000 bis 500.000 Einwohnern wird ein deutlicherer Rückgang von insgesamt 3,2 Prozent prognostiziert.

Für das laufende Jahr erwartet Dirk Wichner aber, dass die Vermietungsaktivitäten wieder anziehen wird. „Derzeit sind noch viele Flächen zu Konditionen am Markt, die aktuell noch nicht von den Nutzern akzeptiert werden“, so Wichner. Die Lücke sei jedoch klein genug, um davon ausgehen zu können, dass Mieter und Vermieter hier wieder verstärkt Abschlüsse erzielen.