Kunst

Theresa Beitl malt am liebsten Kühe

Mit ihrer Ku(h)nst spürt die Charlottenburger Malerin der Urform des Seins nach und erinnert daran, dass Menschen auch Naturwesen sind.

Theresa Beitl in ihrer Malwerkstatt im Atelierhaus Sigmaringer1art in Wilmersdorf vor ihren Bildern von Schottischen Hochlandrindern aus Brandenburg.

Theresa Beitl in ihrer Malwerkstatt im Atelierhaus Sigmaringer1art in Wilmersdorf vor ihren Bildern von Schottischen Hochlandrindern aus Brandenburg.

Foto: Katja Wallrafen

Charlottenburg. Hier die Metropole: Häuserschluchten, Hektik, Lärm. Menschen auf engem Raum, jeder und jede für sich. Knöpfe im Ohr schotten ab, der Blick fest aufs Smartphone gerichtet. Dort das Dorf: Berge, Bäume, Höfe, Weiden. Menschen, die sich in die Augen schauen, lächelnd grüßen. Ruhe. Und ... ziemlich viele Rindviecher.

Kühe sind ihr liebstes Sujet

Theresa Beitl mag die Stadt. In Berlin ist sie geboren, hier sind ihre Freunde. Die vielen Museen, die mentale Offenheit, den Rhythmus der Metropole, auch wenn er anstrengt. Wird es ihr zu viel, zieht sie sich ins dörfliche, naturnahe Leben zurück. Sie gönnt sich den Luxus und wandelt zwischen Berlin und den Bergen. Nicht nur, um die Stille zu genießen. Sondern auch, weil die 56-Jährige Kühe als ihr liebstes Sujet auserkoren hat.

Sie spürt mit ihrer Ku(h)nst der Urform des Seins nach. In ihren Bildern beschäftigt sie sich mit der archaischen Beziehung zwischen Mensch und Tier. „In unserer modernen Welt geht dieses Miteinander von Tier und Mensch immer mehr verloren. Zumal in unseren verdichteten Städten, in denen wir auch noch das letzte Stückchen Erde mit Asphalt überziehen“, sagt Theresa Beitl.

Kraft, Schönheit und Anmut

Sie setzt mit ihren Porträts jedem Tier als Individuum ein Denkmal. Ihrer Kraft, ihrer Schönheit, ihrer Anmut, ihrer Präsenz. Auch ihrem Temperament, dem Wilden. „Diese wunderbare Mischung aus Urgewalt und Sanftheit sowie die Tatsache, dass man Kühe nicht manipulieren kann“, schildert Theresa Beitl ihre Begeisterung für Rinder, Stiere, Bullen und Kühe als Motiv.

„Ich möchte auch ihre Spiritualität zeigen, die uns daran erinnert, dass auch wir Naturwesen sind und einem Tier wie dem Rind viel zu verdanken haben. Es liefert Fleisch, Milch und sein Fell. Rassen wie das Schottische Hochlandrind oder Galloways übernehmen Aufgaben als Landschaftspfleger. Mit Gülle, Jauche und Mist versorgen die Wiederkäuer die Landwirtschaft mit natürlichem Dünger.“

Zehlendorf schon immer als Dorf empfunden

Wie kam es, dass sie sich als Stadtkind so zur Natur hingezogen fühlt? „Vielleicht weil ich in Zehlendorf aufgewachsen bin, das habe ich damals eigentlich wie ein Dorf empfunden, da war kaum urbanes Leben“, erinnert sie sich. „Ich habe viel draußen spielen können, meist an der Krummen Lanke.“ Im West-Berlin ihrer Kindertage blieb ihr die Weite Brandenburgs verwehrt.

Theresa Beitl hat dann in Berlin und Paris Kunst, Kunstwissenschaft, Literatur, Sprachen und Ethnologie studiert. Bei der Berufswahl schwankte sie lange zwischen ihrem Faible für Ethnologie und der Kunst. Mit einem stark ausgeprägten Gefühl für Farben ausgestattet, entschied sie sich nach langer Überlegung gegen die akademischen Welt der Volkskunde und für das Handwerk der Malerei. „Mit einem idealistischen Blick auf die Welt“, sagt sie. Wenn sie nicht malt, ist sie museumspädagogisch im Museum Europäischer Kulturen in Dahlem tätig. „Seit nunmehr 30 Jahren“, erzählt sie. „Schon als Studentin habe ich dort mitgearbeitet.“

Jedes Tier hat seinen Charakter

Ihr Interesse an Kühen entstand vor 17 Jahren während einer Reise durchs österreichische Vorarlberg. Aus der Gebirgsregion im Westen Österreichs stammt ihr Vater Richard Beitl, der als Volkskundler und Autor zwar seinen Lebensmittelpunkt in Berlin hatte, den es allerdings auch oft in die Berge zog. So ist es auch bei Theresa Beitl, die immer wieder in Richtung Österreich und Schweiz aufbricht. „Allein in diesem Jahr bin ich 14 mal hin- und hergefahren“, erzählt sie. Sie hält Kontakte zu Bauern, deren Tiere sie malt.

Ob es nicht langweilig wird, immer nur Kühe zu porträtieren? Theresa Beitl lacht bei der Antwort: „Nein, ganz bestimmt nicht. Ich habe mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu tun. Jedes Tier hat seine Eigenart, seinen Charakter, dem ich selbstverständlich gerecht werden will. Zudem gilt es immer, dem Unbekannten, dem Geheimnisvollen nachzuspüren.“

Sehnsucht nach dem sanften Blick des Rindviechs

Überfällt sie in einer Stadt-Phase in ihrer Charlottenburger Wohnung die Sehnsucht nach dem sanften Blick eines Rindviechs, weiß Theresa Beitl, wo sie dieses Bedürfnis auch ohne weite Reise erfüllen kann. Denn auch im urbanen Raum haben Kühe ihren Platz. Immerhin gab es im vergangenen Jahr 889 Rinder in Berlin und 529.100 in Brandenburg, so das Amt für Statistik. Dazu zählen etwa die Wasserbüffel des Fernsehmoderators Max Moor und dessen Frau Sonja aus Hirschfelde im Barnim, die Theresa Beitl in Öl und Acryl auf ihre Leinwände gebannt hat. Auch die Schottischen Hochlandrinder mit ihrer Zottelpracht auf den Weiden Brandenburgs hat die Malerin ins Herz geschlossen. „Aber dennoch – das Gefühl, geborgen zu sein, die Natur unmittelbar zu erleben, das verspüre ich viel intensiver in den Bergen“, sagt Theresa Beitl.

Die Zeichnungen und farbenfrohen Bilder der 56-Jährigen sind ab und zu in Berlin und Brandenburg in Galerien zu sehen. So zum Beispiel ab 12. Januar 2020 im Kunsthaus Potsdam am Ulanenweg. Kaufen kann man die Tierporträts auch. Der Preis für ein großes Werk liege im vierstelligen Euro-Bereich, so die Künstlerin.

Mehr Informationen zu Theresa Beitl und ihre Kunst im Internet unter: beitl.de