Ausstellung

Matthias Koeppel und der Wandel der City West

Bis zum Ende des Jahres sind in der Epiphanienkirche im Charlottenburger Westend Bilder von Matthias Koeppel und seiner Frau SOOKI zu sehen

Ein Blick aufs Kranzler Eck: Matthias Koeppel zeigt seinen Blick auf Berlin in der Epiphanienkirche

Ein Blick aufs Kranzler Eck: Matthias Koeppel zeigt seinen Blick auf Berlin in der Epiphanienkirche

Foto: Katja Wallrafen

Charlottenburg. Heike Thulmann freut sich wie Bolle. Sie ist Fan, eine glühende Verehrerin der Werke von Matthias Koeppel (MK). Und endlich ist es ihr gelungen, den Künstler sowie dessen Ehefrau SOOKI zur Ausstellung in der Epiphanienkirche an der Knobelsdorffstraße zu gewinnen. Matthais Koeppel, einst Hochschullehrer und Gründungsmitglied der „Schule der neuen Prächtigkeit“, steht für Heike Thulmann nicht nur für großartige Bilder. Sondern gleichzeitig auch für die einzigartige Stimmung in West-Berlin der 60er- und 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie selbst, so erzählt sie, habe diese aufregende und inspirierende Zeit unglückseligerweise im nordrhein-westfälischen Exil verbringen müssen. Noch heute fragt sich die bald 80-Jährige, wie das Leben so spielen, und es passieren konnte, dass sie so lange auf die geliebte Berliner Luft verzichtet konnte. Seit Heike Thulmann dann doch vor immerhin auch bald zwanzig Jahren aus dem „Exil“ zurückkehrte, taucht sie tief ein in die Kunstszene und kümmert sich mit Verve darum, den außergewöhnlich Kirchenraum im Westend zur Galerie umzufunktionieren.

Matthias Koeppel und seine alkoholschwangere Ideen

Heike Thulmann ist also routiniert im Auf- und Abbau und doch ist es bei der aktuellen und letzten Ausstellung in diesem Jahr zu spüren, wie sie innerlich jubiliert, mit MK und dessen Ehefrau SOOKI, „zwei ganz wunderbare Menschen und zwei außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten zu präsentieren“. Wie neidvoll hat Heike Thulmann damals aus dem fernen Westen nach Berlin, vor allem nach Kreuzberg, geblickt. Da tat sich was, es gab Krisen, Umbrüche, politische Diskussionen. „Zudem keine Sperrstunde“, ergänzt MK und blick selbstironisch zurück auf „viele alkoholgeschwängerte Ideen“. West-Berlin als Heimat für Bundeswehrflüchtlinge wie für Kreative, eine Zeit, die zwischen liberaler Weltoffenheit und provinzieller Enge changierte. Der beste Nährboden für die legendenumwobene Subkultur — ausgelassen, unbekümmert und frech allem Etablierten gegenüber.

Neue Künstlerschule in Schöneberg gegründet

Auch der Künstler Matthias Koeppel zeigte sich rebellisch. MK wetterte gegen die abstrakte Malerei. Gemeinsam mit seinen Malerkollegen Johannes Grützke, Manfred Bluth und Karlheinz Ziegler gründete er die „Schule der neuen Prächtigkeit“. Mit dem Appell „Rettet euch aus der Kläglichkeit: Werdet Schüler der Neuen Prächtigkeit!“ schloss sich die Gruppe 1973 in Schöneberg zusammen. Der Stil: satirisch, ironisch, realistisch. „Das ästhetische Programm, gegenständlich – wenn auch in ironischer Brechung – zu malen, wollte damals überhaupt nicht in jene Zeit passen“, erinnert sich Koeppel.

Entwicklung der Stadt auch malerisch dokumentiert

Heute, mit 82 Jahren, blickt MK immer noch skeptisch auf seine Umgebung und hält das, was er sieht, unverdrossen auf der Leinwand fest. „Neokubismus“ nennt er seinen Stil, den er als Abschied von der Moderne und als aufklärerischen Akt verstanden wissen will. Bis heute ist die Stadt Berlin eines seiner beliebtesten Sujets. Die Teilung sowie das Zusammenwachsen nach dem Mauerfall sind zentrale Motive. 1997 vollendete Koeppel das Triptychon „Die Öffnung der Berliner Mauer“ für das Berliner Abgeordnetenhaus. Seine Bilder, die in der Epiphanienkirche gezeigt werden, nehmen mit auf eine Zeitreise. Den Wandel der City West und die bauliche Entwicklung in Berlin Mitte begleitet MK gewohnt skeptisch. Was er vom Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses hält, zeigt die schwankende Kuppel auf einem seiner jüngsten Werke.

SOOKI betrachtet den Stadtraum auf herbe Weise poetisch

Auch seine Frau SOOKI, in Korea geboren, und seit 35 Jahren Wahl-Berlinerin, dokumentiert die Entwicklung dieser Stadt mit dem Pinsel. Ihre fernöstlich geprägten Tuschzeichnungen geben dezente Hinweise darauf, dass nicht immer alles gelingt. Während MK grell und drastisch deutlich wird, wählt sie den feinen Strich. Ihre Betrachtungen im Stadtraum sind auf herbe Weise poetisch. Beiden eigen ist der unmittelbare Zeitbezug - sie malen im Hier und Jetzt. SOOKI stellt in der Ausstellung einige ihrer älteren Bilder vor, in denen es um das Oberthema „Zerstörung und Aufbau“ geht - sie sind bedrückend aktuell im Jubiläumsjahr „30 Jahre Mauerfall“. Zum Beispiel ihr Berliner Dom mit den kläglichen Resten des Palasts der Republik. „Ach, man hätte ihn stehen lassen sollen“, meint sie. „Der war den Leuten im Osten wirklich wichtig.“

Information

Die Werke von MK und SOOK sind bis zum Ende des Jahres in kreuzförmigen Innenraum der Epiphanienkirche in Charlottenburg zu sehen.

Knobelsdorffstraße 72-74, 14059 Berlin, Öffnungszeiten Mo, Di von 11-13 Uhr, Do 15-18 Uhr und So 11-12.30 Uhr.