A100 und Avus

Dreieck Funkturm: Eichkamp-Anwohner gegen Umbaupläne

Das Dreieck Funkturm wird umgebaut. Anwohner befürchten eine zu hohe Verkehrsbelastung - und wehren sich.

Die Präsentation der Umbaupläne für das Autobahndreieck Funkturm nutzten die Eichkamp-Anwohner, um auf ihre Forderungen hinzuweisen.

Die Präsentation der Umbaupläne für das Autobahndreieck Funkturm nutzten die Eichkamp-Anwohner, um auf ihre Forderungen hinzuweisen.

Foto: Matthias Vogel

Berlin. Den Verantwortlichen der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) blies bei der Präsentation ihrer Modernisierungspläne für das Autobahndreieck Funkturm heftiger Gegenwind ins Gesicht. Fast 400 Bürger ließen sich am Donnerstagabend in der Urania in Schöneberg nicht vom geplanten Umbau der A115 überzeugen.

Der in den 60er-Jahren gebaute Knotenpunkt östlich des Messegeländes ist schon seit Langem in die Jahre gekommen. Die Verkehrsbelastung ist mittlerweile eine völlig andere als vor rund 60 Jahren. Von 20.000 Fahrzeugen am Tag waren die Planer damals ausgegangen. 230.000 sind es heute – Tendenz steigend.

Auffahrten zur Avus sollen an die Eichkamp-Siedlung verlegt werden

Die zwingend nötige Sanierung - vor allem die Brückenkonstruktionen sind marode - will die Deges nutzen, um die Funktion des Autobahndreiecks zu sichern und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

An den Ausfahrten Kaiserdamm Süd, Messedamm und Kurfürstendamm gibt es drei Anschlussstellen (AS) in sehr kurzen Abständen. Das sei für auswärtige Fahrer verwirrend, die Auffahrten seien zu kurz, der gesamte Bereich wegen häufiger Spurwechsel zu unfallträchtig, sagte Projektleiter Burkhard Pott. Nach den Plänen der Deges würden die Anschlussstellen aufgehoben und am Beginn der Eichkamp-Siedlung an die Avus (A115) verlegt.

Die Autobahngesellschaft präferiert dabei eine Tunnellösung. In einem geschwungenen Bogen liefe dann die Verlängerung des Messedamms senkrecht auf die A115, die Zufahrt zur Autobahn würde über Rampen erfolgen.

A115 soll über den Rasthof der Avus führen

Die A115 soll verlegt werden und mitten über den Rasthof Avus führen, der geschlossen wird. Aus Perspektive der Planer ein Gewinn, denn mehrere Hektar Fläche werden so frei. Die Kapazität des Dreiecks wird durch die Maßnahmen jedoch nicht erhöht.

300 Millionen Euro kostet das Mammutprojekt der Deges, als frühester Baubeginn gilt das Jahr 2023, 2030 soll dann alles fertig sein. Gebaut wird an der A100 und der Avus (A115) bei laufendem Verkehr. Eine der Behelfsautobahnen für die Stadtautobahn soll dann direkt durch die Kleingartenanlage der Westkreuz-Brache führen. „Eine bittere Pille für die Kleingärtner“, gibt Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger zu.

Eichkamp-Anwohner befürchten zu hohe Verkehrsbelastung

Viele Anwohner, mehrheitlich aus der Eichkamp-Siedlung, äußerten große Bedenken am Umbau. Der Verkehr der A100, der bislang über die Anschlussstelle Messedamm und dann über die beiden Magistralen Spandauer Damm und Kantstraße in die Stadt führt, könnte dann über die Knobelsdorffstraße direkt durch Wohngebiete abfließen.

Die Jaffèstraße, die Verbindung zwischen Messedamm und Heerstraße, habe zwar möglicherweise die Kapazität für die von der Deges prognostizierte drastische Erhöhung der Verkehrsbelastung, die weiterführenden Straßen durch die Siedlung oder die Kreuzung an der Heerstraße aber sicher nicht.

Klaus-Dieter Gröhler: Dreieck Funkturm muss künftigen BER-Verkehr bewältigen

Auch Politiker kritisieren die Pläne der Autobahngesellschaft. Der Bundestagsabgeordnete und ehemalige stellvertretende Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), gab zu bedenken, dass nach der Fertigstellung des Flughafens BER auf das Autobahndreieck deutlich mehr Verkehr zukommen wird.

Stadtrat Arne Herz (CDU), Leiter des Ordnungsamtes in Charlottenburg-Wilmersdorf und Bewohner der Eichkamp-Siedlung, hakte an diesem Punkt ein. „Wie man eine Autobahn näher an eine Wohnsiedlung heran legen kann, (..) kann ich nicht verstehen. Und Herr Gröhler hat Recht: Alles was irgendwann einmal vom BER kommt, und zum Zentralen Omnibusbahnhof, zur Messe, zum Olympiastadion oder nach Spandau möchte, fährt nicht mehr beim ICC raus, sondern direkt am Eichkamp vorbei. Das muss mir mal einer erklären.“

Vor der Präsentation der Deges-Pläne hatten die Eichkamp-Bewohner mit Plakaten auf ihre Situation hingewiesen. Falk von Moers, Vorstandsmitglied des Siedlervereins Eichkamp, berichtete, erst vor zwei Tagen mit Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) endlich einen Ansprechpartner für die Anliegen der Anwohner bekommen zu haben. „Bis dato hatten wir nicht gewusst, ob der Umbau seitens des Senats nicht schon längst beschlossene Sache ist“, so von Moers.

Senat über Umbaupläne von A100 und Avus uneins

Im Senat herrscht über die Umbaupläne jedoch Uneinigkeit. Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und Streese stimmen der Tunnellösung der Deges zu. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) bevorzugt hingegen eine Brücken an gleicher Stelle, um das Gelände des östlich der Avus liegenden ehemaligen Güterbahnhofs zu erschließen.

Streese war bei der Präsentation der Deges anwesend, äußerte sich aber nicht zur Position des Senats zu den Plänen oder der Kritik der Anlieger.

Stadtrat Herz kritisierte: „Die Planungen sind sachlich und fundiert, der Mensch wurde aber nicht mitgenommen, ja vergessen. Wenn schon ein Staatssekretär für Verkehr anwesend ist, hätte ich zwingend erwartet, dass gesagt wird, was das Land politisch für die Bürger will und was nicht.“

Eine mögliche Umfahrung der Baustelle über die Waldschulallee lehnt der Stadtrat komplett ab. „Dort haben wir zahlreiche Schulen und Kitas sowie eine Behindertenwerkstatt. Das wäre einfach irre“, so Herz.

Ein Anwohner des Eichkamps forderte die Deges-Vertreter auf, alternative Lösungen zu prüfen. Irngartinger kommentierte: „Das war genau das Ziels dieser Auftaktveranstaltung, wir wollen Sie mitnehmen, Ihre Ideen und Einwände berücksichtigen.“ Dazu würden Themenwerkstätten stattfinden, die erste im Frühjahr 2020. „Wir werden ihn beim Wort nehmen“, so Herz.

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