Verkehr in Berlin

Dreieck Funkturm wird ab 2023 sieben Jahre zur Baustelle

Das Autobahndreieck Funkturm wird komplett umgebaut - bei laufendem Betrieb. Manche der Pläne gefallen den Anwohnern nicht.

Die Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm sollen frühestens 2023 beginnen und werden mindestens sieben Jahre dauern.

Die Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm sollen frühestens 2023 beginnen und werden mindestens sieben Jahre dauern.

Foto: Rainer Jensen / picture-alliance/ dpa

Berlin. Für rund 230.000 Auto- und Lkw-Fahrer könnte es ab 2023 noch schwieriger werden, das Nadelöhr rund um den Funkturm zu passieren. Grund ist der geplante Neubau des bundesweit am stärksten belasteten Autobahndreiecks in Charlottenburg. Die Arbeiten sollen frühestens 2023 beginnen und werden mindestens sieben Jahre dauern. Am Donnerstag stellte die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) ihre Pläne für den Umbau des Knotenpunkts vor.

Demnach soll die A 115 künftig mittig über das Gelände des Avus-Rasthofs führen. Der Rasthof wird geschlossen. Als Ersatz für die wegfallenden Lkw-Parkplätze soll der Parkplatz Parforceheide an der A 115 dienen. Die Gebäude des Avus-Motels und der Avus-Tribüne sind denkmalgeschützt und bleiben laut Deges erhalten.

Die Anschlussstelle Messedamm, die heute auf der A 100 in das Autobahndreieck eingebunden ist, wird verlegt. Die neue Anschlussstelle ist laut Planungsentwurf über Jafféstraße und Messedamm erreichbar, quert mit einer neuen Brücke die S-Bahn-Trasse und führt zur Eichkamp­­straße, wo die Zufahrtsrampen dann über Unterführungen erreichbar sein sollen. Vor allem Anwohner des Eichkamps hatten im Vorfeld massiv dagegen protestiert, dass statt einer Untertunnelung eine Brücke auf die Autobahn führen solle.

Umbau des Dreiecks Funkturm: Keine neuen Kapazitäten für den Verkehr

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Mehr Kapazitäten für Verkehr wird es laut Deges jedoch nicht geben. Durch die Neuordnung der Verkehrsströme soll aber die heute unübersichtliche Verkehrsführung aufgelöst werden. Die Verbindungsrampen werden teilweise verlängert und so gestaltet, dass sie dann mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde befahren werden können. Zudem ist geplant, die bestehenden Lärmschutzwände zwischen der A 115 und der Eichkampstraße durch neue Lärmschutzwände zu ersetzen. Für die Anlieger der Dernburgstraße sowie der angrenzenden Charlottenburger Stadtteile östlich der A 100 werden im Zuge des Umbaus erstmals überhaupt Lärmschutzwände errichtet.

„Zahlreiche Details des Umbaus sind noch nicht festgelegt und werden nun im Zuge der weiteren Planung ausgearbeitet“, sagte Deges-Projektleiter Burkhard Pott. Der Entwurf werde nun bis Ende 2020 mit Anwohnern und Unternehmen aus der Umgebung sowie mit dem Land Berlin und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert. Anfang 2021 soll nach Auskunft von Pott das Planfeststellungsverfahren und frühestens 2023 dann der Umbau starten.

Autobahndreieck Funkturm: Die Umbaupläne auf der Seite der Deges

230.000 Fahrzeuge passieren täglich das Autobahndreieck Funkturm

Das Autobahndreieck Funkturm verknüpft die beiden Autobahnen A 100 und A 115. Für 20.000 Fahrzeuge pro Tag war das Dreieck konzipiert, als es maßgeblich in den 60er-Jahren gebaut und für den Verkehr freigegeben worden war. Heute passieren täglich rund 230.000 Fahrzeuge, darunter 12.000 Lkw, die Autobahnen und ihre Zubringer. Prognosen des Bundes gehen davon aus, dass das Verkehrsaufkommen trotz neuer Mobilitätsformen bis zum Jahr 2030 weiter auf rund 250.000 Fahrzeuge steigen wird. Von 2023 an soll das Dreieck nun vollkommen umgebaut werden – und das bei laufendem Betrieb.

Schon 2013 hatte der Senat die erste Machbarkeitsstudie für einen Umbau des Autobahnkreuzes in Auftrag gegeben, als deutlich wurde, dass die Verkehrsführung mit ihren unübersichtlichen Verkehrsverhältnissen, dichten Abfolgen von Anschlussstellen und ungewöhnlich kurzen Ein- und Ausfädelungsspuren nicht mehr heutigen Standards entspricht. 2017 wurde die Deges mit der Planung und Realisierung des Vorhabens beauftragt.

Fast alle der 25 Brücken sind dringend sanierungsbedürftig

„Es ist unvermeidbar. Das Autobahndreieck ist am Ende seiner Dauerhaftigkeit angelangt“, sagte Deges-Projektleuter Burkhard Pott. Das Alter und die starke Nutzung haben die Bausubstanz verschlissen. „Mittel- bis langfristig reichen die Instandhaltungsarbeiten, mit denen wir das Autobahndreieck in den letzten Jahren funktionstüchtig erhalten haben, nicht mehr aus“, sagt Pott. Sie führten zudem immer wieder zu temporären Sperrungen, Tages- und Wanderbaustellen sowie dauerhaften Verkehrseinschränkungen.

Ein besonderes Problem stellten zudem die Brücken dar. Für fünf der insgesamt 25 Überführungen im Bereich des Autobahnknotens gelten bereits heute dauerhafte Verkehrseinschränkungen, sagt der Projektleiter. Lediglich eine sei noch in einem Zustand, den man als gut bezeichnen könnte. Der überwiegende Teil der weiteren Bauwerke, darunter Lärmschutzwände, Stützwände und Verkehrszeichenbrücken, sei ebenfalls in die Jahre gekommen und müsse erneuert werden. „Brücken und die anderen genannten Bauwerke sind aufgrund ihrer Konstruktion nur bedingt sanierungsfähig“, so Pott. 1,9 Kilometer Stadtautobahn zuzüglich der erforderlichen Verbindungsrampen und 25 Brücken würden erneuert, wenn es denn 2023 losgehen könnte.

Vom Umbau des Autobahnkreuzes wird Pott zufolge auch der Schienenverkehr betroffen sein. „Es wird zu Sperrungen wegen der Brückensanierungen kommen, auch wenn wir versuchen, das auf ein Minimum zu beschränken“, bedauert der Projektleiter. Die Kosten für den Umbau schätzt die Deges bisher auf rund 300 Millionen Euro.

Bauarbeiten werden eine große Belastung für den Verkehr darstellen

„Wir wissen, dass mit diesen Bauarbeiten auf die Berliner eine große Belastung zukommen wird“, sagt Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger. Die Deges will zwar bei fließendem Verkehr bauen. Doch auf den Behelfsstrecken wird es voraussichtlich langsamer vorangehen. Je nach Dauer der Planfeststellungsverfahren könnte parallel auch der Neubau der Rudolf-Wissel-Brücke der A100 laufen und weiter nördlich auf der A111 gebaut werden. „Wir können das ganze Autobahndreieck aber ja nicht für Jahre sperren“, sagt Irngartinger.

Durch den Umbau werde die Funktionsfähigkeit des Dreiecks aber langfristig gesichert und die Verkehrssicherheit verbessert. Zudem sorgten neue Lärmschutzwände für mehr Ruhe in den angrenzenden Wohngebieten. Entlang der Dernburgstraße würden überhaupt erstmals welche gebaut.

Auf die Frage, ob mit dem Umbau auch eine höhere Kapazität des Autobahnknotens einhergehe, sagte der Deges-Bereichsleiter: „Das macht keinen Sinn, weil der Rest des Autobahnnetzes nicht dazu passen würde.“

Anschlussstelle Messedamm gilt immer noch als Streitpunkt

Als weiteren Pluspunkt für ihren Entwurf führt die Deges auf, dass durch die Verlagerung der Lkw-Stellplätze zu beiden Seiten der Autobahn A 115 einige Hektar Fläche frei würden, die Potenziale für städtebauliche Nutzung böten. „Eine Garantie für diesen Planungsentwurf können wir aber nicht abgeben“, sagte Irngartinger.

Als Streitpunkt gilt indes noch immer die Frage, wie die neue Anschlussstelle Messedamm an die A 115 angeschlossen wird. Der Entwurf der Deges sieht eine unterirdische Lösung vor, die eine Auffahrt über zwei Rampen östlich und westlich der Autobahn vorsieht. Das würde die ohnehin von der neuen Auffahrt belasteten Bewohner der Siedlung Eichkamp zumindest teilweise entlasten. „Wenn es bei dieser Variante bliebe, wäre das Schlimmste abgewendet“, sagt auch Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Doch er sieht Diskussionsbedarf, was die Fortführung des Zubringers zur Jafféstraße angeht.

Doch die Eichkamper trauen dem bisherigen Planentwurf noch nicht. Dem Vernehmen nach soll es in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Pläne geben, die Autobahn auf der Höhe des Eichkampf mit einer Brücke zu queren, um das dahinterliegende Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs zu erschließen. Da man diese Planung in der Senatsverkehrsverwaltung offenbar nicht unterstützt, kam es bislang auf Senatsebene noch zu keiner Entscheidung.

Die Eichkamper und andere bezirkliche Interessengruppen haben also noch reichlich Diskussionsbedarf und eigene Vorschläge. Im Raum steht beispielsweise noch die Planungsidee eines Anwohners, die helfen könnte, die unüberbrückbare Autobahnschneise nach 60 Jahren zu überwinden. In ihr würde die Autobahn als seitliche Erweiterung des vorhandenen S-Bahn-Grabens geführt werden. Das, so der Alternativ-Entwurf, würde auch die Schallschutzwände ersparen. Eine möglichst tiefe Lage der Autobahn erlaube der Stadt beispielsweise die Deckelung der Fahrspuren und schaffe neuen Raum, so die Idee.