Berliner Stadtmission

Baustart für neues Zentrum für Obdachlose am Zoo

Mit dem „Zentrum am Zoo“ will die Stadtmission ihr Angebot für Obdachlose erweitern. Nun wird der einstige Zellentrakt umgebaut.

Mit einem symbolischen Hammerschlag leitet Senatorin Katrin Lompscher die Bauarbeiten ein.

Mit einem symbolischen Hammerschlag leitet Senatorin Katrin Lompscher die Bauarbeiten ein.

Foto: Maurizio Gambarini

Auch nach zwei wuchtigen Hammerschlägen wollte der erste Stein nicht fallen. Also bekam er von Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher einen kleinen zusätzlichen Schubs. „Es ist doch schwerer, als man dachte“, sagte die Linkenpolitikerin, nachdem der Betonbrocken krachend zu Boden gefallen war. Mit dem symbolischen ersten Hammerschlag wurde am Freitagvormittag der Bau des „Zentrums am Zoo“ offiziell begonnen. Noch am selben Tag nahmen Handwerker die Arbeit auf. Nach Fertigstellung will die Berliner Stadtmission am Hardenbergplatz ab dem kommenden Jahr das Angebot der Bahnhofsmission an der Jebensstraße für Obdach- und Wohnungslose erweitern. „Wir sind voller Energie und freuen uns, dass es endlich losgeht“, sagte Stadtmissions-Vorstand Martin Zwick.

Bereits im Dezember 2016 wurden die Räume im nordöstlichen Teil des Bahnhofs Zoo in Charlottenburg, in denen bis Anfang der 90er-Jahre eine Polizeistation untergebracht war, an die Stadtmission übergeben. Dazu überreichten der damalige Bahnchef Rüdiger Grube sowie der damalige Außenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen symbolischen Schlüssel. 2018 wurde auch der Vertrag unterschrieben. Seitdem stellt die Bahn der Stadtmission die 500 Quadratmeter auf 25 Jahre mietfrei zur Verfügung. Der soziale Aspekt sei dem Konzern sehr wichtig, sagte Matthias Scholz, Manager der Berliner Bahnhöfe bei der Bahn.

Baustart am Bahnhof Zoo

Insgesamt stehen 2,4 Millionen Euro für den Umbau bereit

Dass es erst jetzt losgeht, hat laut Wolfgang Nebel, der das Projekt bei der Stadtmission koordiniert, vor allem mit der Finanzierung zu tun. Zwar seien früh Spenden eingegangen und öffentliche Mittelo in Aussicht gestellt worden. „Es gibt aber heutzutage von den Fördertöpfen keinen Freischuss mehr im Sinne von ,Fangt einfach mal an’“, so Nebel weiter. „Also mussten wir bis zum letzten Stuhl, bis zum letzten Schreibtisch und bis zur Spüle alles durchkalkulieren.“ Erst dann seien die Mittel freigegeben worden.

Insgesamt stehen für den Umbau 2,4 Millionen Euro bereit. Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gibt eine Million Euro, aus dem Städtebauförderungsprogramm „Aktive Zentren“ des Senats stammen 800.000 Euro und 400.000 Euro aus Spenden. Die restlichen 200.000 Euro bringt die Stadtmission selbst auf.

Zentrum als Ort der Beratung, Bildung und Begegnung

Die drei Jahre Verzögerung seien aber wichtig gewesen, um die Inhalte zu entwickeln, so Nebel weiter. Diese fasst er mit drei B’s zusammen: Beratung, Bildung und Begegnung. So geht es zum einen darum, Obdachlosen, die bislang in der Bahnhofsmission mit Kleidung, Hygieneartikeln und Nahrung versorgt werden, vor Ort weiterführende Hilfen anzubieten. Dazu wurden bereits zwei Psychologinnen eingestellt, die derzeit noch in angemieteten Räumen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche arbeiten.

Das Angebot des Zentrums soll sich aber nicht nur an Obdachlose richten. Unter dem Motto „Lernwelt Armut und Obdachlosigkeit“ werden bereits jetzt Kurse und Seminare angeboten, die sich an alle richten. „Wir wollen Menschen sensibilisieren, dass sie auch zu Hause, in ihrem Freundeskreis, in der ihrer Schule oder in ihrem Quartier bemerken, wenn jemand in Not ist“, sagte Nebel. Ziel sei es, die Distanz abzubauen, das Bewusstsein zu schärfen, Obdachlosigkeit vorzubeugen und einen respektvollen Umgang zu schaffen.

Außerdem soll ein großer Raum, der auch von der Bahnhofsmission zugänglich ist und von ihr über Jahre als Lager genutzt wurde, zur Begegnungsstätte werden. Hier soll es nach dem Umbau Konzerte, Kulturveranstaltungen, Gottesdienste und Feste geben.

Komplex soll im Sommer 2020 eröffnet werden

Es sei gut, dass diese neue Einrichtung zum Hardenbergplatz hin sichtbar wird, sagte Bausenatoren Lompscher. „Denn dass dieses neue Zentrum am Zoo mitten im Herzen der Stadt errichtet wird, ist ein Hinweis darauf, dass Berlin auch ein Ort für Menschen in Not ist.“ Sie sei zuversichtlich, dass alles gelingen werde.

Das wird sich ab Sommer 2020 zeigen. Denn dann soll der neue Komplex offiziell eröffnet werden. Bereits Anfang des kommenden Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Aber erstmal wird hier noch mehr in Schutt und Asche gelegt, dann wird alles wieder aufgeräumt und stückchenweise neu hochgezogen“, sagte Janine Washington vom verantwortlichen Architekturbüro Die Brücke. Vor allem der Zellentrakt soll verschwinden. Von den neun Einzelzellen sollen nur zwei erhalten bleiben – allerdings als Ruheräume und ohne Gitter und schwere Eisentür.