Olympiastadion

Nun also doch: Sportmuseum zieht in die Maifeldtribünen

Nach zehn Jahren Zickzackkurs scheint nun der Standort am Glockenturm sicher zu sein. So sollen die neuen Flächen genutzt werden.

Im Sockelgeschoss des Glockenturms soll 2022 auch das Sportmuseum eine ständige Bleibe bekommen.

Im Sockelgeschoss des Glockenturms soll 2022 auch das Sportmuseum eine ständige Bleibe bekommen.

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg. Nun also doch: Das Sportmuseum Berlin soll 2022 in den Nordflügel der sanierten Maifeldtribüne unter dem Glockenturm am Olympiastadion einziehen. So jedenfalls eine Auskunft, die der Berliner Abgeordnete und sportpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Förster, vom Staatssekretär der Sportverwaltung, Aleksander Dzembritzki (SPD), erhalten hat. Der Senator habe den Standort und die Kostenschätzungen prüfen lassen und sei davon überzeugt worden, dass die Kosten eingehalten werden könnten, so Dzembritzki. Die Sanierungsarbeiten hätten inzwischen begonnen.

Noch im Juli hatte es geheißen, dass es schwer vorstellbar sei, dass der ursprünglich vorgesehene Kostenrahmen eingehalten werden könne. „Der Grund liegt tatsächlich in der schwierigen baulichen Situation der Gebäude und der daraus resultierenden Kostensituation“, so die Sportverwaltung. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden.

Mittel für den Umbau schon seit 2013 bewilligt

Das ist nun offenbar geklärt. „Die Sportverwaltung hat von der Baubehörde beziehungsweise Bauherrin (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen) die Aussage, dass namhafte Kostensteigerungen für das Bauvorhaben Sportmuseum nicht zu erwarten sind und Kosten in der prognostizierten Höhe erwartet werden“, bestätigt auch ein Sprecher der Sportverwaltung gegenüber der Berliner Morgenpost.

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Auf die Herrichtung der Dauerausstellungsflächen für das Sportmuseum Berlin entfielen rund 8,8 Millionen Euro. Die Abdichtung der nördlichen und südlichen Gebäudeteile der Maifeldtribüne schlage mit 11,8 Millionen Euro zu Buche. „Die Fertigstellung der Baumaßnahme soll nach derzeitigem Stand Ende des 4. Quartals 2021 sein. Danach können die Museumsräume ausgebaut werden“, so der Sprecher der Sportverwaltung.

Finanziert wird das Bauprojekt durch die von der Senatskanzlei im Frühjahr 2013 bewilligten Mittel aus dem Europäischen Kulturfonds für Regionale Entwicklung (EFRE) – „Kulturinvestitionsprogramm – KIP“, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) und das Land Berlin.

FDP-Politiker sieht Sportmuseum eher im Jahn-Sportpark

Förster sieht die Aussage des Hauses dennoch mit Skepsis: „Sportsenator Geisel hat sich da immer noch ein Hintertürchen offen gehalten, das Museum nicht unter dem Glockenturm einzurichten, wenn dies den Kostenrahmen sprenge.“ Zudem, so der FDP-Politiker, wäre eine Unterbringung im Umfeld des neuen, zentraler gelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg geeigneter, weil dieses zentraler gelegen sei. „Zum Olympia-Stadion verirrt sich doch kaum ein Tourist“, ist Förster sicher.

Sportstadträtin freut sich über die Entscheidung für Charlottenburg

Das sieht zumindest die Charlottenburg-Wilmersdorfer Sportstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) vollkommen anders: „Wir sind stolz, dass das Sportmuseum im Bezirk bleibt und auch weiter im Umfeld des Olympia-Stadions angesiedelt wird.“ Es würden sich viele Sport- und Geschichtsbegeisterte für das Olympiastadion interessieren und dort an Führungen teilnehmen. Ein Museum, das sich in Ausstellungen mit der Geschichte des Sports- und dem Olympiastadion beschäftige, sei deshalb genau der richtige Ort.

Das sieht auch die Leiterin des Berliner Sportmuseums, Martina Behrendt, so. „Wir sind froh“, sagt sie „Das betrifft ja auch viele Ehrenamtlichen, die zum Teil schon seit Jahrzehnten hier mitarbeiten. Behrendt ist die Hüterin der größten Sportsammlung Deutschlands mit mehr als 100.000 Objekten aus der Geschichte des Sports und einer Fotosammlung mit rund 1,5 Millionen Bildmotiven. Die Bibliothek umfasst etwa 37.000 Bände sporthistorischer Literatur aus drei Jahrhunderten, darunter alle Verbandszeitschriften des deutschen Sports in Ost und West von 1945/46 bis 1989.

Hervorgegangen ist das Sportmuseum aus dem Sporthistorischen Kabinett Berlin, dem Sammlungszentrum Zentrales Sportmuseum der DDR und dem Verein West-Berliner Forum für Sportgeschichte. Es steht in der Tradition des 1925 gegründeten Museums für Leibesübungen zu Berlin, das 1934 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Bisher kann das Museum seine Schätze nur in wechselnden Wander- und Sonderausstellungen im Haus des Deutschen Sports an der Hanns-Braun-Straße auf dem Olympiagelände zeigen.

Sportmuseum soll attraktiver Erlebnis- und Lernort werden

Das soll in den Maifeld-Tribünen anders werden. Dort soll das Museum nach Angaben der Senatssportverwaltung ein attraktiver Erlebnis- und Lernort werden, in dem der Besucher anhand von originalen Objekten, musealen und sportiven Inszenierungen sowie interaktiven Medien eine Zeitreise durch die Berliner Sportgeschichte erleben kann. Die neuen multifunktionalen Flächen sollen aber auch für Wechselausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.

Darüber hinaus entsteht der Behörde zufolge unter dem Motto „Sport im Museum = Museum in Bewegung“ ein Sportlab, das mit interaktiven Sportangeboten dazu einlädt, sich auszuprobieren, seine Kräfte zu messen und die Entwicklung des Sports selbst zu erfahren. Die bisherigen Informations- und Serviceangebote des Besucherzentrums am Glockenturm sollen in das Gesamtkonzept des neuen Museumsstandortes integriert werden.