City West

So sollen Kudamm und Tauentzien attraktiver werden

Bezirke und AG City wollen die Einkaufsboulevards ansprechender machen. Erste Projekte des „Business Improvement Districts“ starten.

So könnte der Mittelstreifen der Tauentzienstraße einmal aussehen.

So könnte der Mittelstreifen der Tauentzienstraße einmal aussehen.

Foto: Büro Lützow7

Berlin. Zwischen Blumen und Beeten einen Kaffee trinken und die Blicke über Kunstwerke schweifen lassen – das soll künftig mitten auf Kurfürstendamm und Tauentzienstraße möglich sein. Denn die beiden Einkaufsboulevards in der City West sollen umgestaltet werden. „Heute kann es losgehen“, sagte BID-Geschäftsführer Peter Ristau am Donnerstag. BID steht dabei für „Business Improvement District“. Erklärtes Ziel des Instruments ist es, Aufenthaltsqualität und Attraktivität der beiden Boulevards zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße in Schöneberg und Charlottenburg zu erhöhen und so auch der Konkurrenz durch den Onlinehandel entgegenzuwirken.

Dafür werden die Grundstückseigentümer auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt zur Kasse gebeten. Insgesamt acht Millionen Euro stehen seit Anfang des Jahres für fünf Jahre bereit. Nach anfänglicher Verzögerung soll es jetzt an die Umsetzung gehen. „In vier Jahren müssen wir nun das Volumen stemmen, dass was wir eigentlich in fünf Jahren schaffen wollten“, so Ristau weiter.

Passanten am Kurfürstendamm sollen über ihre Wünsche befragt werden

Eines der ersten Einzelprojekte soll die Aktion „Träume deine Stadt“ sein. Dabei werden Passanten über ihre Vorstellungen zur Zukunft der Einkaufsstraßen befragt. „Es ist uns ganz wichtig, herauszubekommen, was die Menschen über die Region denken und was sie für Wünsche haben“, sagte Gottfried Kupsch aus dem Vorstand der AG City, aus dem die BID-Idee hervorgegangen ist. Los gehen soll die Befragung am 28. Oktober auf dem Breitscheidplatz. Sie soll einen Monat andauern und während des Zeitraums auf den Wittenberg- und den Joachimsthaler Platz umziehen. Auch auf der Internetseite des BID können Wünsche geäußert werden.

Auch Idee einer Fußgängerzone dürfte Thema sein

„Wir vermuten, dass wir viel mehr Kultur, Entertainment und Anlässe haben müssen, damit die Menschen hierherkommen“, so Kupsch weiter. Etwa durch Cafés, in denen die Menschen verweilen können, gelte es, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Kupsch denkt dabei auch über unterirdische Logistikzentren zur effizienten Belieferung oder leisere BVG-Busse nach.

Die Ergebnisse der Befragung sollen im kommenden Jahr mit den Eigentümern diskutiert werden. Dabei werde wahrscheinlich auch die Idee einer Fußgängerzone Thema sein, schätzt Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Der Rathauschef und Kupsch sind sich allerdings darin einig, dass man die Anrainer mitnehmen müsse, da sie auch das Geld geben.

City Guides sollen Passanten Auskünfte geben

Seit dieser Woche sind auch die City Guides auf den beiden Straßen unterwegs. Sie sollen täglich zwischen 8 und 21 Uhr deutlich erkennbar Präsenz zeigen und den Passanten Auskünfte etwa zu Geschäften, Parkplätzen und Verkehrsverbindungen geben sowie Hilfestellungen leisten. Insgesamt vier Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin wurden dazu eingestellt. Weil das Gebiet stark von Touristen frequentiert wird, sprechen sie alle mehrere Sprachen.

Ab Anfang 2020 soll es im gesamten Bereich auch freies Wlan geben. Durch Frequenzmessung sollen dabei auch Erkenntnisse über die Besucher gewonnen werden. „Letztlich ist das Ziel, Maßnahmen abzuleiten, um die Verweildauer zu erhöhen“, sagte Projektleiterin Romy Schubert. Da alles anonymisiert und verschlüsselt sei, gebe es keine datenschutzrechtlichen Bedenken.

Die wurden zuletzt etwa von der FDP vorgebracht. Außerdem sollen Kurfürstendamm und Tauentzienstraße schöner und sauberer werden. Vor dem Hintergrund von Rattenplagen wurde bereits 2013 die Reinigungsfrequenz erhöht. Die zusätzlichen Kosten trugen seitdem einige Anrainer und die AG City freiwillig. Jetzt werden sie vom BID übernommen.

Mittelstreifen soll zum Flanieren einladen

Die wohl sichtbarsten Maßnahmen gelten dem Mittelstreifen. Der soll durch Bepflanzung einladender und stimmungsvoller werden, zum Flanieren und Niederlassen einladen. Gemeinsam mit Landschaftsarchitekten werde derzeit ein Konzept erarbeitet, so AG City-Vorstand Kupsch. Außerdem soll die Grünpflege intensiviert werden. Ziel sei, „dass es gut aussieht und Kurfürstendamm und Tauentzien blühen“, sagte Kupsch. „Wir starten mit großer Energie und hoffen, dass wir in den nächsten vier Jahren mit der Region enorm vorankommen.“

„Dann ist erstmal Schluss“, sagte BID-Geschäftsführer Ristau. Über eine Fortsetzung müsse man sich dann mit den Anrainern verständigen. Rechtlich möglich sei es. Auch eine räumliche Erweiterung über den gesamten Kurfürstendamm bis zum S-Bahnhof Halensee biete sich an. „Bei 4,6 Kilometern ist das aber eine Mammutaufgabe.“

Weihnachtsbeleuchtung: Bezirk will faire Finanzierung bis Halensee

Zuletzt war das im Zusammenhang mit der Weihnachtsbeleuchtung auf dem Kurfürstendamm im Gespräch. Die konnte für dieses Jahr nur dank privater Spenden und kurzfristig bereitgestellter Senatsmittel sichergestellt werden. Ein langfristiges Konzept fehlt aber.

Entsprechend würde Charlottenburg-Wilmersdorfs Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) diese Erweiterung begrüßen. „Dieses Werkzeug ermöglicht eben auch Fairness.“ Bisher seien nur wenige Akteure ihrer zivilgesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen. „Und mit diesem Instrument fängt man all jene ein, die vom Gesamtvorgang profitieren.“