Haus Cumberland

Wie es mit dem „Grosz“ am Kudamm weitergehen soll

Der Besitzer des Restaurants „Grosz“ hat bereits Pläne für die Zeit nach Roland Mary.

Thomas Bscher ist der Besitzer der Räume im Haus Cumberland, in denen das „Grosz“ angesiedelt ist.

Thomas Bscher ist der Besitzer der Räume im Haus Cumberland, in denen das „Grosz“ angesiedelt ist.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Die Überraschung war groß, als Roland Mary ankündigte, das „Grosz“ im Haus Cumberland am Kudamm nach sieben Jahren aufzugeben. Thomas Bscher, Besitzer des Teils des Hauses Cumberland, in dem das „Grosz“ liegt, zuckt allerdings mit den Schultern. „Ich wusste das seit Monaten“, sagt er bei einem Termin in dem Café und Restaurant, das früher mal eine Hotel-Lobby war. „Eigentlich schon ein ganzes Jahr. Ich war vorbereitet.“

Mary, der in Berlin das berühmte „Borchardt“ in der Nähe des Gendarmenmarkts und das „Café am Neuen See“ betreibt, hatte Mitte September bekannt gegeben, das „Grosz“ Ende November zu schließen. Der „BZ“ sagte er damals: „Das Grosz war von Anfang an ein schwieriges Objekt. Der Garten im Innenhof musste um 22 Uhr wegen Anwohnerbeschwerden schließen, jeden zweiten Tag hat das Ordnungsamt meinen Vorgarten vermessen.“

Der einstige Bugatti-Chef Bscher sieht das etwas anders: „22 Uhr ist überall Schluss. Das war ja auch von Anfang an klar.“ Denn man habe sich damals dagegen entschieden, am Innenhof nur Büros zu machen. Sondern eben auch Wohnungen. Und ergänzt: „Wir wussten von vorneherein, dass der Innenhof damit eingeschränkt ist. Aber mittags ist der ein toller Erfolg.“

Bscher: Was im „Grosz“ nie gestimmt hat, war der Service

Jedenfalls habe ihn die Entscheidung des Gastronomen nicht überrascht. „Der Mietvertrag läuft aus, und keine Partei hatte Lust, den zu verlängern.“ Mary sei zwar ein „wunderbarer Gastronom“, und es gebe viele Sachen, „die hier sehr gut gelaufen sind.“ Das Essen sei „eigentlich auch fast durchgehend gut“. Was aber nie gestimmt habe, sei der Service. Das liege aber nicht an den Mitarbeitern, sondern an der Konstanz der Geschäftsführung. Die habe viel zu häufig gewechselt. so Bscher: „Wenn Sie hier keinen Wirt etablieren, dann haben Sie eben diesen Wechsel.“ Im „Borchardt“ sei Mary Wirt, da sei der Service besser.

Das schwebt Bscher auch für das „Grosz“ vor: ein Wirt und – ganz wichtig – „ein netter Kerl“. Offenbar hat sich der 67-Jährige auch bereits einen ausgeguckt. Verraten will er den Namen aber noch nicht, da der Vertrag bislang nicht unterschrieben sei. Nur so viel: „Wenn es so kommt, wie es sich zurzeit abzeichnet, dann ist es eine Berliner Lösung.“

Bscher will den großen Raum wiederherstellen

Auch im „Grosz“ selbst soll sich was ändern. „Wir machen hier auf jeden Fall wieder eine schöne Sache“, sagt Bscher. Er will die Raumteiler und die Holzbögen herausreißen, die den Raum in drei Teile unterteilen: in ein Café im vorderen Teil, ein Restaurant im mittleren und einen Veranstaltungsraum im hinteren Part. Dazu sollen die Nischen wiederhergestellt und neu möbliert werden. Bscher: „Wir machen natürlich nicht die schönen Sachen kaputt. Der Fußboden muss alt aussehen, der darf ja nicht neu aussehen.“ Immerhin sei es auch noch der originale.

Im Anschluss ergibt sich ein einziger großer Raum mit 199 Sitzplätzen – genau ein Platz unter einer Veranstaltungshalle und so, wie es früher einmal war. Auch ein Kriterium bei der Wahl des neuen Betreibers, der mit einer solchen Größe erst einmal klar kommen muss – insgesamt 500 Quadratmeter. Mary hatte gesagt, der lange Schlauch sei schwer zu bespielen. Und das Restaurant soll weiterhin den ganzen Tag geöffnet haben, ab 10 oder 11 Uhr bis spät abends. „Das ist eine der Voraussetzungen“, sagt der Besitzer.

40 Minuten, zwei Gänge, fertig

Eine weitere Bedingung: „Das hier ist ein Restaurant, ein Treffpunkt. Das Wichtige für mich war immer der Treffpunkt.“ Die Leute müssten beim Einkaufen ja auch irgendwo hingehen können. „Das muss auch groß genug sein, dass ich weiß, ich bekomme einen Platz“, so Bscher. Und die Gäste, die mittags kämen, darunter viele Anwälte, dürften nicht eine Stunde hier verbringen müssen. „Das muss kalkulierbar sein: 40 Minuten, zwei Gänge, fertig. Und das muss ein Wirt hinkriegen.“ Beim gastronomischen Konzept ist Bscher vor allem der Preis wichtig: „Das darf nicht zu teuer sein, das ist jetzt schon an der oberen Kante.“

Im Januar wird das „Grosz“ wohl noch nicht wieder offen sein. „Wir müssen ja einmal hier durchfeudeln.“ Aber der 1. März sei realistisch, so Bscher.

Erster Eigentümer ging schon vor Eröffnung in Konkurs

Der Wechsel ist nur das neuste Kapitel in der wechselvollen, bisweilen auch dramatischen Geschichte des Hauses Cumberland. Konzipiert als Boarding Palast wurde das Gebäude 1911/1912 erbaut. In dem riesigen Komplex mit drei Innenhöfen sollten zahlreiche Suiten mit Hauspersonal vermietet werden. Das Konzept scheiterte schon vor der Eröffnung, der Eigentümer ging in Konkurs.

Von 1966 bis 2003 befand sich in dem Gebäude die Oberfinanzdirektion, danach stand es bis auf die Geschäfte im Erdgeschoss leer. 2006 kaufte die Orco-Gruppe die Immobilie und veräußerte sie 2010 wieder an Thomas Bscher, Detlef Maruhn und Dirk Germandi. Kurz vor der Fertigstellung kam es 2011 zu einem Großbrand im Dachstuhl, wobei die linke Seite des Dachstuhls zusammenbrach. 2012 wurde schließlich Richtfest gefeiert. Am 6. Dezember 2012 eröffnete das „Grosz“, das jetzt in eine neue Zukunft blickt.