Modulare Unterkunft

Bezirk will WBM aus Flüchtlingsheim-Projekt werfen

Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte ist mit dem Baubeginn im Verzug. Stadtrat Schruoffeneger (Grüne): „Die fühlen sich überfordert“.

Die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Quedlinburger Straße.

Die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Quedlinburger Straße.

Foto: Simulation: WBM GmbH, DMSW Architekten

Berlin. Bis zu 580 Geflüchtete sollten ursprünglich ab Frühjahr 2021 an der Quedlinburger Straße 45 in Charlottenburg ein neues Zuhause finden. Auf der Brache sollte schon seit einem halben Jahr gebaut werden. Doch die Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) verzögert sich weiter. Mittlerweile hinkt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) nicht mehr nur ein Jahr hinterher, sondern bereits zwei.

Mit Baubeginn sei erst ab 2021 zu rechnen, mit Fertigstellung Mitte 2023, sagte WBM-Sprecher Christoph Lang der Berliner Morgenpost. Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) ist genervt. „Das gesamte Land Berlin lässt sich mittlerweile von diesem Vorstand auf der Nase rumtanzen.“

Kita mit 60 Plätzen Stein des Anstoßes

Konkret will sich Schruoffeneger beim Berliner Senat dafür einsetzen, dass der ein anderes Unternehmen beauftragt. „Die WBM will das Projekt nicht. Die fühlen sich überfordert und finden alles blöd, aber trauen sich als Landeseigene nicht, das zu sagen“, sagte der Stadtrat. Stattdessen spiele das Unternehmen ein „Katz- und Maus-Spiel“ und suche immer wieder nach Argumenten, warum es nicht bauen könne.

Stein des Anstoßes ist eine Kita mit 60 Plätzen, die ursprünglich auf dem Dach entstehen sollte. Im Februar sei dann in „hochrangiger Sitzung“ beschlossen worden, sie ins Erdgeschoss zu verlegen, so Schruoffeneger weiter. Darauf habe sich der Bezirk mit dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Vertretern des Senats sowie der WBM geeinigt. Im Juli sei das von der Wohnungsbauleitstelle der Senatsbauverwaltung bestätigt worden.

"Da wundert man sich dann"

Vor dem Bauantrag will die WBM jedoch zunächst einen Kita-Betreiber finden. Andernfalls bliebe man auf den Baukosten sitzen, so Sprecher Lang. Mehrere Träger hätten bereits abgelehnt. Beim Stadtrat stößt das auf Unverständnis: „Jeder Bauherr in diesem Bezirk muss eine Kita bauen und reicht den Antrag ein, bevor er einen Träger hat.“

Das Fass zum Überlaufen brachte nun ein Schreiben der WBM vom 17. September. Darin erklärte das Unternehmen laut Schruoffeneger, ohne Betreiber „die für eine Kita vorgehaltene Fläche aus wirtschaftlichen Gründen einer anderen Nutzung“ zuführen zu wollen. „Da wundert man sich dann“, so der Stadtrat. Die Kita sei seit zweienhalb Jahren beschlossene Sache.

„Tun alles, um das Bauvorhaben zügig umzusetzen“

WBM-Sprecher Lang reagiert auf Schruoffenegers Ankündigung überrascht. In dem Schreiben habe man über den Sachstand des Projekts informiert und „noch einmal unmissverständlich erklärt, dass wir, nachdem die Machbarkeit einer Kita mit 60 Plätzen im Erdgeschoss geklärt ist, sofort mit der Umplanung beginnen“. Gemäß getroffener Verabredungen wolle man noch in diesem Jahr den Bauantrag stellen.

Die Schuld für die Verzögerung könne man der WBM nicht anlasten. Denn der Bezirk habe mehrfach Umplanungen veranlasst und so Zeitverzug und Kostensteigerung verursacht, so Lang weiter. „Der WBM sind bisher Kosten in Höhe von knapp vier Millionen Euro entstanden, die Altlastensanierung des Grundstücks eingeschlossen.“ Die war notwendig, weil die Brache jahrelang als Kohlelagerplatz genutzt wurde. „Ungeachtet dessen tun wir alles, um das Bauvorhaben zügig umzusetzen und haben bisher keine Kenntnis davon, dass Verantwortliche im Bezirk dies anders sehen.“

Das LAF will nach Fertigstellung für maximal neun Jahre als Generalmieter einziehen. Es komme immer wieder an diversen Standorten zu Verzögerungen, sagte Sprecher Sascha Langenbach. „Wichtig ist, dass wir genügend Kapazitäten schaffen, um Geflüchtete in Berlin unterzubringen. Jede Unterkunft, die bezugsfertig ist, hilft uns sehr.“