Kongresszentrum

Messe-Chef Christian Göke: ICC-Ruine schadet Berlin

Christian Göke plädiert für eine möglichst schnelle Sanierung des Gebäudes und will es als Ort für Kongresse erhalten.

Messe-Chef Christian Göke mahnt eine schnelle Sanierung des ICC an.

Messe-Chef Christian Göke mahnt eine schnelle Sanierung des ICC an.

Foto: Jörg Krauthöfer/picture alliance/BM Montage

Berlin. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin hat eine schnellere Sanierung des Internationalen Congress Centers (ICC) angemahnt. Die derzeitige Ruine sende die denkbar schlechtesten Impulse für das Messegeschäft aus, sagte der Chef des Landesunternehmens, Christian Göke, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Berlin brauche das ICC als Kongressfläche. „Wir haben im Moment eine Nachfrage nach Kongressflächen in Berlin, die größer ist als das Angebot. Jeder Tag, an dem potenzielle neue Kongressflächen nicht entstehen, geht dieses Geschäft Berlin verloren“, erklärte Göke.

Der Berliner Senat hatte erst kürzlich die Entscheidung zur Zukunft des ICC verschoben. Das Konzeptverfahren – und damit auch die Frage, welche Investorenidee den Zuschlag bekommt – könnte nach einem Zeitplan der Wirtschaftsverwaltung erst zwischen 2021 und 2023 starten. Zuletzt hatten im Mai verschiedene Investoren acht Vorschläge für die Weiternutzung des ICC vorgelegt. Demnach könnte aus dem ehemaligen Kongresscenter unter anderem ein riesiges Gewächshaus, ein Diskussions- und Testzentrum für neue Mobilitätskonzepte oder ein Museum für Internationale Beziehungen werden.

Sanierung des Messegeländes "nicht einfach"

Messechef Göke würde das seit 2014 leerstehende Gebäude hingegen gerne wieder als Kongressort nutzen. „An keiner anderen Stelle in Berlin ließe sich mehr aus neuen und zusätzlichen 10.000 Quadratmetern Fläche erwirtschaften als dort, weil das ICC die Verbindung zu den Messehallen bietet und große Kongresse immer nur in Verbindung mit angrenzender, großer Hallenfläche funktionieren“, sagte er.

Auch auf dem Messegelände selbst stehen in den kommenden Jahren Bauarbeiten an. Göke bezeichnete die anstehende Sanierung des Messegeländes als „nicht einfach“. Die Diskussion um einen gänzlichen Neubau der Messe an anderer Stelle sei zwar geführt, aber durch den Gesellschafterkreis verworfen worden. Das sei nicht unbedingt falsch. Göke wies allerdings daraufhin, dass Instandhaltungs- und Wartungskosten für das bestehende Gelände langfristig immer teurer sein würden als im Marktdurchschnitt. „Dessen muss man sich bewusst sein und diese Gleichung akzeptieren. Wenn man sie akzeptiert, kann man hier vernünftig arbeiten“, sagte Göke.

„Wenn wir das nicht mehr tun, ist unser Geschäftsmodell weg“

Kritik übte der Messechef hingegen an den neuen Regeln für die Auswahl der Partnerländer bei der Internationalen Tourismusbörse ITB. Maßgeblich für die Arbeit der Messe sei es, geschäftspolitische Neutralität zu bewahren, sagte Göke. „Wenn wir das nicht mehr tun, ist unser Geschäftsmodell weg“, erklärte er. Der Senat hatte der Messe zuvor neue Vorgaben bei der Auswahl der ITB-Partnerländer gemacht: Bei der Bewerbung sollen mögliche Kooperationspartner einen Verhaltenskodex unterschreiben und zusichern, Menschenrechte zu achten. Auslöser für diesen Schritt war die Debatte um das diesjährige ITB-Partnerland Malaysia. Dort droht Homosexuellen eine Gefängnisstrafe.

Mehr zum Thema:

Christian Göke: „Man muss trennen, wer welche Aufgaben hat“