Stadtreparatur

Abgesang auf die Brücke am Breitenbachplatz

Die Autobahnbrücke zwischen den Stadtteilen Steglitz, Wilmersdorf und Zehlendorf soll abgerissen werden. Nun gibt es offenbar einen Zeitplan.

Nach einer Bauwerkuntersuchung im Jahr 2016 hieß es, die Brücke am Breitenbachplatz sei nur noch fünf Jahre verkehrssicher

Nach einer Bauwerkuntersuchung im Jahr 2016 hieß es, die Brücke am Breitenbachplatz sei nur noch fünf Jahre verkehrssicher

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Abgesang ist schon geplant: Im nächsten Jahr gibt es die Autobahnbrücke am Breitenbachplatz seit 40 Jahren. „Zum Brückenjubiläum machen wir ein Fest“, sagte Ulrich Rosenbaum von der Bürgerinitiative (BI) Breitenbachplatz in einer Veranstaltung, zu der die Bezirksverordneten der Grünen aus Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf ins Theater Jaro an der Schlangenbader Straße eingeladen hatten. Ein letztes Fest für die Brücke, denn das Bauwerk soll abgerissen werden. Das haben nicht nur die Bezirksverordneten beider Bezirke beschlossen, auch das Abgeordnetenhaus hat zugestimmt, eine Machbarkeitsstudie für den Abriss erstellen zu lassen.

Machbarkeitsstudie zum Breitenbachplatz erst Ende 2020

Schlechte Nachrichten brachte allerdings Benedikt Lux (Grüne) aus dem Abgeordnetenhaus mit: „Die Machbarkeitsstudie soll nicht vor Ende 2020 in Auftrag gegeben werden“, so Lux. Geld für die Studie sei da, aber nicht das Personal, um die Ausschreibung vorzubereiten. Immerhin sollen aber in einem nächsten Schritt bis Mai 2020 verschiedene Modelle der künftigen Platznutzung und der Verkehrsführung nach dem Abriss erarbeitet und dann im Verkehrsausschuss diskutiert werden.

Brücke nur noch fünf Jahre verkehrssicher

Die Zeit drängt. Denn bei der vergangenen Bauwerkuntersuchung im Jahr 2016 wurde festgestellt, dass die Brücke nur noch fünf Jahre verkehrssicher ist. „Das heißt, dass sich der Zustand bis heute schon weiter verschlechtert hat“, sagt Lux. Abriss, Sanierung Neubau – das sind die Optionen nach Ablauf der Frist. Wobei das nicht mehr die Frage ist. „Es ist ein gutes Zeitfenster, um den Abriss durchzusetzen“, so Lux. Der breite parteiübergreifende Konsens zeige schließlich, dass der Rückbau der Brücke sachlich begründet ist. Nun sei es wichtig, dranzubleiben.

Bürgerinitiative hat Ideen gesammelt

Das ist keine Frage für die Bürgerinitiative. Das Relikt aus der Zeit, als eine autogerechte Stadt das Thema war, soll weg. Für die Gestaltung des Platzes wurden schon viele Ideen entwickelt. Der motorisierte Verkehr soll künftig ebenerdig geführt werden, auf der frei werdenden Fläche mit einer Randbebauung die städtebauliche Fassung des Stadtplatzes nördlich und nordöstlich der Schildhornstraße wiederhergestellt werden. Dabei soll der Schaffung von Wohnraum Vorrang eingeräumt werden, darunter auch für Studenten.

Eine Reduzierung des motorisierten Durchgangsverkehrs erhofft sich die BI durch die Einrichtung einer Tempo-30-Zone rund um den Platz sowie in der gesamten Schildhornstraße sowie besserer Querungsmöglichkeiten für den Rad- und Fußverkehr. „Damit können wir den Platz für die Menschen zurückgewinnen“, sagt Rosenbaum. Geben soll es auch Fahrrad-Angebotsstreifen wie es sie bereits rund um den Breitenbachplatz, den Südwestkorso und auf der Englerallee gibt. Der Verkehr soll Rosenbaum zufolge abgesehen von den Abbiegungen auf je eine Fahrbahn reduziert werden.

Derzeit beschäftigen sich sogar Studenten der Universität Bordeaux und der Hochschule Bremen mit dem Breitenbachplatz. Sie präsentieren ihre Ergebnisse am Montag, 14. Oktober, 10 Uhr, in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Studenten aus Bremen werden sich dann noch bis Januar 2020 mit der Thematik auseinandersetzen.

Erfolgreiche Umgestaltung in anderen Städten

Wie sehr Umgestaltungen Städte oder Stadtteile verändern und den Einwohnern wieder Flächen zur Nutzung zurückgeben können, weiß Uta Bauer. Die Geografin vom Deutschen Institut für Urbanistik hat Beispiele in anderen Städten gesammelt, die eine solche Veränderungen zeigen.

Ludwigshafen baut die Hochstraße Nord auf einer Länge von knapp einem Kilometer zurück. Die Straße führt über den Rhein nach Mannheim und ist Bauer zufolge in etwa mit der Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg vergleichbar. „Interessant ist, dass bei der Neuplanung der Abriss der Hochstraße und eine ebenerdige Führung der Straße bis zur Rheinbrücke die wirtschaftlichste Variante war“, sagt Bauer. Die frei werdenden Fläche stelle die Stadt für Wohnungsneubau zur Verfügung. Der Abriss beginne Ende dieses Jahres, abgeschlossen sein soll das Projekt mit dem Umbau in etwa neun Jahren.

In Siegen hat die Stadt unter dem Motto „Auf zu neuen Ufern“ eine Parkfläche mit 230 Stellplätzen, mit der man in den 60er-Jahren den Fluss überdeckelt hatte, wieder abgerissen und die Uferbereiche gemeinsam mit der Innenstadt, die sich nun zur Sieg hin öffnet, neu gestaltet. Nach der Beobachtung der Urbanistik-Expertin hat die Maßnahme dazu geführt, dass der Einzelhandel, aber auch das öffentliche Leben wieder aufgeblüht sind.

In Stuttgart gibt es den Österreichischen Platz, der er unter einem aufgestelzten Kreisverkehr verschwunden ist. Bist zum Frühjahr 2018 war unter der Paulinenbrücke ein Parkplatz, auf dem sich nun ein Experimentierfeld für die Zukunft städtischen Zusammenlebens befindet. Dort finden Flohmärkte, Kinoabende, Kulturevents, gemeinsame Essen und Sportveranstaltungen statt. „Das ist eine richtige Erfolgsgeschichte geworden“, sagt Uta Bauer.