Berlin-Charlottenburg

Schüsse an der Kantstraße: Lage "unübersichtlich"

Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen fielen Schüsse. Zwei 25 Jahre alte Männer wurden schwer verletzt und notoperiert.

Einsatzkräfte der Polizei sichern Spuren auf dem Gehweg.

Einsatzkräfte der Polizei sichern Spuren auf dem Gehweg.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Nach Schüssen auf zwei Männer in Berlin-Charlottenburg ist der genaue Tathergang weiter unklar, die Ermittlungen gehen weiter. Das sagte am Montag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die Auswertungen laufen, es ist alles sehr unübersichtlich“, so der Sprecher. Weitere Angaben zur Zahl der Schützen oder dem Tathergang könne er derzeit nicht machen.

Nach Schüssen in Kantstraße: Zwei Männer mussten operiert werden

Die Polizei fahndet weiterhin nach den Tätern. Festgenommen wurde im direkten Zusammenhang mit der Tat bislang niemand, wie ein Polizeisprecher am Sonntagvormittag sagte. Anwohner hatten am frühen Sonnabendmorgen mehrere Schüsse gehört und die Einsatzkräfte gerufen. Diese fanden in der Kantstraße zwei 25-Jährige mit schweren Schussverletzungen. Die Männer wurden ins Krankenhaus gebracht und dort operiert. Ob sie inzwischen vernommen werden konnten, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Schüsse ereigneten sich gegen 5.40 Uhr zwischen Wieland- und Leibnizstraße auf Höhe der Hausnummer Kantstraße 36. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen kam es vor der Tat zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Männern im „New West Club“. Bei den beiden Opfern soll es sich um einen Araber und ein Clan-Mitglied handeln.

Verletzte flüchten ins Restaurant „El Borriquito“

Die Verletzten flüchten sich zunächst vor das spanische Restaurant „El Borriquito“ an der Wielandstraße. Dort war am Vormittag trotz des zwischenzeitlichen Regens noch eine große Blutlache sichtbar. Die fünfte Mordkommission ermittelt die Hintergründe der Schüsse. Direkt vor dem Club sicherte die Polizei Spuren, Kriminaltechniker sammelten unter anderem Zigarettenkippen ein, um mögliche DNA-Spuren der Täter zu sichern.

Schüsse in Berlin-Charlottenburg: Polizei mit großem Aufgebot im Einsatz

Die Polizei war auch am Vormittag noch mit großem Aufgebot im Einsatz. Die Kantstraße blieb zwischen Wielandstraße in Fahrtrichtung Westen gesperrt. Ein Polizeifahrzeug stand quer auf der Kantstraße. Erst gegen 13.30 Uhr wurden die Maßnahmen beendet, die Straße für den Verkehr wieder freigegeben.

Am Tatort zwischen Wielandstraße und Leibnizstraße wurden rot-weiße Pylonen auf die Fahrbahn gestellt. Sie markierten nach Informationen der Berliner Morgenpost die Stellen, an denen Projektile gefunden wurden. Auch der Fußweg wurde zwischenzeitlich gesperrt.

Zudem wurden der begrünte Mittelstreifen der Kantstraße und der Bürgersteig nach möglichen Spuren des Verbrechens abgesucht. Nach Informationen der Berliner Morgenpost waren zwei Rettungswagen der Feuerwehr und ein Notarztwagen im Einsatz. Einer der verletzten Männer wurde ins Virchow-Klinikum, der andere ins Westend-Krankenhaus gebracht. Bei einem der Männer fuhr der Notarzt direkt im Rettungswagen mit ins Krankenhaus. Auch die Feuerwehr sprach von einer Alarmierung wegen „zweier Männer mit Schussverletzungen“.

Diese Karte zeigt den Tatort an der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg.

Charlottenburgs Bezirksbürgermeister Naumann: „Solche Vorgänge sind ernstzunehmen“

„Solche Vorgänge sind ernstzunehmen“, sagte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Sonnabendmittag der Berliner Morgenpost. „Die Bevölkerung beunruhigt so etwas.“ Er sei im engen Kontakt mit der Polizei. Die Bekämpfung der Kriminalität sei nicht nur Aufgabe des Senats. „Wir versuchen mit Schwerpunkteinsätzen, die Strukturen der organisierten Kriminalität aufzubrechen“, so Naumann.

Das Zusammenspiel der Polizei mit dem Bezirk sei wichtig, vor allem ein gemeinsames Vorgehen etwa mit dem Ordnungsamt und dem Gewerbeaufsichtsamt. „Meine Botschaft: Das wird nicht achselzuckend hingenommen.“

Der „New West Club“ ist immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen. So ereignete sich nach Informationen der Berliner Morgenpost vor einiger Zeit ein ähnlich blutiger Fall. Damals kam es zu einer Messerstecherei vor dem Club. Ein Mann flüchtete sich verletzt ebenfalls vor das Restaurant „El Borriquito“.

2014: Messer gezogen, Mann mit VW Golf offenbar absichtlich überfahren

Ein besonders spektakulärer Fall ereignete sich im Juli 2014. Damals kam es, ebenfalls am frühen Sonnabendmorgen, zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen. Gegen 5.15 Uhr gingen mehrere Männer aufeinander los, auch ein Messer wurde gezückt.

Vier mutmaßliche Täter sollen dann in Richtung Leibnizstraße zu einem geparkten Auto gegangen sein. Zwei der zuvor Bedrohten seien ihnen gefolgt. Einer der Verfolger wurde dann - offenbar mit Absicht - von einem VW angefahren. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der damals 29-Jährige auf die Gegenfahrbahn geschleudert.

Schüsse auch in der Invalidenstraße in Mitte - Mutmaßlicher Schütze festgenommen

Weitere Schüsse fielen am Freitagabend in einer Wohnung an der Invalidenstraße in Mitte. Wie die Polizei mitteilte, hatten Zeugen gegen 21.15 Uhr die Schüsse gehört und die Beamten alarmiert. Der 39 Jahre alte Mieter einer Wohnung, in deren Umfeld die Schüsse gefallen sein sollen, wurde vernommen und vorläufig festgenommen.

Eine verletzte Person fanden die Ermittler allerdings zunächst nicht. Später wurde ein 21-Jähriger mit Schussverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er operiert werden musste. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Eine Mordkommission ermittelt. (mit dpa)