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Innensenator Geisel schickt Feuerwehr zum Olivaer Platz

Auf Wunsch der Vorsitzenden des Förderkreis Neuer Olivaer Platz sollten die Brandhelfer Bäume wässern.

Großes Aufgebot für den Olivaer Platz: Die Berliner Feuerwehr wässert in einer einmaligen Aktion 40 Bäume.

Großes Aufgebot für den Olivaer Platz: Die Berliner Feuerwehr wässert in einer einmaligen Aktion 40 Bäume.

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Olivaer Platz ist seit Beginn der Umbauarbeiten im Frühjahr 2018 weit entfernt von einer Grünanlage mit Aufenthaltsqualität. Nur die in Bretter eingehausten Bäume zeigen, dass es sich hier einmal um einen Park gehandelt hat. Doch genau die haben nun den „Förderkreis Neuer Olivaer Platz“, der sich seinerzeit für die Umgestaltung der Grünanlage stark gemacht hatte, auf den Plan gerufen.

Aus Sorge um das Wohl der Bäume hat dessen Vorsitzende, die ehemalige SPD-Bezirksverordnete, Monica Schümer-Strucksberg, an den Stadtrat geschrieben: „Wir konnten beobachten, dass in den letzten 14 Tagen jeweils für einen Tag einzelne Bäume berieselt wurden. Unsere Kenntnis sagt uns, dass diese Maßnahme nicht ausreicht, die Trockenheit der letzten eineinhalb Jahre aufzuholen.“

Doch das Grünflächenamt sieht das anders und antwortete Schümer-Strucksberg schriftlich und ausführlich. Auch Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) berichtete anlässlich einer großen SPD-Anfrage auf der jüngsten BVV den Bezirksverordneten über den Umgang mit den Bäumen des Olivaer Platzes: „Sicherlich sind die Bäume zusätzlich durch die Baumaßnahme gestresst. Jedoch werden Sie sich mit den bereits ergriffenen Maßnahmen wieder nachhaltig stabilisieren“, versicherte der Stadtrat. Der Platz würde im Rahmen einer ökologischen Baubegleitung regelmäßig in Augenschein genommen. Von den Experten sei festgelegt worden, dass alle Bäume wie Birke, Linde, Ahorn und Platane vierzehntägig mit 80 Litern pro Quadratmeter im Bereich ihrer Krone mittels sogenannter Schwenkregner gewässert würden.

Zu Erklärung führte der Stadtrat weiter aus: „Als Faustregel heißt es, ein Liter Wasser durchfeuchtet einen Zentimeter Boden, ergo entsprechen 80 Liter Wasser einer Durchfeuchtung von etwa 80 Zentimetern.“ Der wasseraufnehmende Feinwurzelbereich erstreckt sich Schruoffeneger zufolge über den gesamten Kronendurchmesser. Punktuelle Wassergaben in Stammnähe würden dem Baum deshalb nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen.

Für die Vorsitzende des „Förderkreis Neuer Olivaer Platz e.V.“ reichte diese Auskunft offenbar nicht. In einem direkten Gespräch mit Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) suchte Schümer-Strucksberg um Unterstützung nach. Auf die Frage der Berliner Morgenpost, ob diese Information korrekt sei, antworte sie: „Nein, ich hatte nicht als Person beim Senator nachgefragt, sondern als Vorsitzende des „Förderkreis Neuer Olivaer Platz e.V.“. Der Innensenator war nicht unser erster Ansprechpartner. Wir haben versucht, Wasser zu bekommen bei fast allen möglichen Wasserlieferanten. Der Förderkreis wollte es notfalls spenden.“

Der Innensenator hatte dennoch ein offenes Ohr für die Sorge des Vereins und schickte prompt am vergangenen Freitag einen Wagen der Berliner Feuerwehr zum Wässern. Das sei „eine Notwendigkeit zur Rettung unseres Stadtgrüns“, erklärte Martin Pallgen, Sprecher der Senatsinnenverwaltung. Zudem, so Pallgen, gebe es ein Amtshilfeersuchen des Bezirks an die Berliner Feuerwehr. „Das ist ein übliches Verfahren, das in diesem Sommer bereits mehrfach stadtweit angewendet wurde. Die Sicherheit in dieser Stadt war und ist dabei zu keiner Zeit gefährdet, weil die Löschfahrzeuge im Falle eines Brandes, wenn sie benötigt werden, sofort abgezogen werden“, so der Sprecher.

Doch ein solches Amtshilfeersuchen gab es Schruoffeneger zufolge gar nicht. „Wir haben im vergangenen Jahr die Hilfe der Berliner Wasserbetriebe in Anspruch genommen, weil wir 50.000 Euro zusätzlich für die Bewässerung von der Senatsumweltverwaltung bekommen haben. Doch bei 80 Euro für das einmalige Gießen eines Straßenbaums ist uns schnell die Luft ausgegangen“, erklärte der Stadtrat. „Im Fall des Olivaer Platzes ist die Baufirma mit dem Wässern beauftragt, und das wird von uns auch regelmäßig kontrolliert.“ Eine flächenhafte kontinuierliche Beregnung der Baumstandorte, die Aufgabe der Baufirma sei, bewirke für die Bäume einen positiveren Effekt als eine punktuelle Wassergabe in Stammnähe.

Der Bezirk zeigte bezüglich der Feuerwehraktion des Innensenators dennoch Entgegenkommen und brachte für die einmalige Gießaktion an den 40 Bäumen des zweiten Bauabschnitts sogenannte Bewässerungssäcke an, die dann am Freitag um 14 Uhr von einem Fahrzeug der Berliner Feuerwehr auch tatsächlich befüllt wurden. „Wir haben 1200 Liter Wasser im Tank“, sagte einer der Feuerwehrleute. Dann sei Schluss. Hydranten, um Leitungen auf den Platz zu legen, gebe es in der Umgebung nicht.

„Ich hoffe jetzt, dass die jüngeren Bäume nun keine Stammfäule kriegen, weil sie auf einmal so viel Wasser direkt am Stamm entlang bekommen haben“, unkt Schruoffeneger.