Kleine Schätze

Die steinernen Wachposten vom Hohenzollernplatz

Überall in der City West gibt es Schätze, hinter denen meist eine spannende Geschichte steckt – so wie hinter den Adlern am Hohenzollernplatz.

Adler am Hohenzollernplatz

Adler am Hohenzollernplatz

Foto: Sofia Mareschow / sofia mareschow

Wilmersdorf. Unerschütterlich thronen sie über dem Hohenzollernplatz. Fest verankert auf hohen Pylonen, sehen die beiden Steinadler vor dem westlichen Zugang des nach dem Platz benannten U3-Bahnhofs immer noch aus wie auf historischen Postkarten, mit dieser gewissen Ausstrahlung von Zeitlosigkeit. Wie der gesamte Bahnhof sind auch die beiden Figuren des Berliner Bildhauers Robert Korn (1873-1921) denkmalgeschützt.

So manche Achterbahnfahrt der Geschichte haben die grimmig dreinschauenden Raubvögel überdauert: zwei Weltkriege, Wiederaufbau, Teilung, Wiedervereinigung Berlins - und das Mammut-Projekt „autogerechten Stadt“, das auch den Hohenzollerndamm zu ihren Füßen veränderte und dem Hohenzollernplatz – einst symmetrischer Schmuckplatz und 1901 nach dem preußischen Kaiserhaus benannt – seine jetzige Gestalt bescherte. Verlassen haben die Adler ihren Wachposten nur, um dort nach behutsamer Schönheitsbehandlung kurz vor ihrem 100. Geburtstag vor der frisch restaurierten Station wieder zu landen.

Musterbeispiel denkmalgerechter Sanierung

Die wurde im September 2012 nach zweijährigen Arbeiten wieder eröffnet – angepriesen als Musterbeispiel „für die denkmalgerechte Sanierung von Bahnhöfen bei gleichzeitiger barrierefreier Umgestaltung“ und festlich präsentiert am Tag des offenen Denkmals. Prominenter Besuch kam aus dem Hause Hohenzollern, das in Zusammenarbeit mit der BVG Wandschmuck für die Station beigesteuert hatte: 34 großformatige Kunstfotografien des Berliner Fotografen Edgar Herbst füllen die original erhaltenen Reklametafeln. Die Schwarzweißbilder zeigen Aufnahmen der Burg Hohenzollern, dem Stammsitz des preußischen Herrschaftshauses in Württemberg, dem die Wilmersdorfer Stadtväter ein Denkmal setzen wollten mit dieser von Architekt Wilhelm Leitgebel gestalteten U-Bahn-Station.

Symbol der Selbstständigkeit der jungen Stadt Wilmersdorf

Das Startobjekt der einstigen Wilmersdorf-Dahlemer Bahn, der ersten Untergrund-Linie der jungen Stadt Wilmersdorf, nahm gemeinsam mit den anderen Bahnhöfen dieser Strecke am 12. Oktober 1913 ihren Betrieb auf. Als repräsentatives Prestige-Projekt sollte die Linie durch reiche künstlerische Gestaltung beeindrucken und damit dem Geltungsbedürfnis der bis 1920 selbstständigen Stadt Wilmersdorf Rechnung tragen. Die war schnell zu Reichtum gekommen: nicht zuletzt dank der Umsatzsteuer aus Grundstücks- und Landverkäufen der so genannten „Millionenbauern“. „Musterexemplare großbürgerlicher Baugesinnung“ werden die Stationen in Stadtchroniken genannt und ein „unterirdisches Schloss mit gewaltigen Gewölben“ speziell der U-Bahnhof Heidelberger Platz mit seinen Prunk-Elementen.

Nicht ganz so überladen die Station am Hohenzollernplatz, wenngleich ebenso ausgestattet mit Schmuckelementen: verputzten kassettierten Decken mit goldblauen Mosaikeinlagen etwa. Auffällig die militärischen Elemente, Waffen- und Rüstungsmotive auf den schmiedeeisernen Zugangstoren, auf Reliefplatten eine ganze Serie von Preußenadlern.

Anlage als Prachtstraße durch ein vornehmes Wohnviertel

Und eben jenen draußen an der Ecke Uhlandstraße, jeder mit Blick auf eine Seite des Hohenzollerndamms, auf dessen Mittelstreifen sich die Bahnhofszugänge heute befinden. Der breite, fast viereinhalb Kilometer lange Boulevard wurde – um 1875 angelegt und um 1900 nach der Hohenzollern-Dynastie benannt – wie auch Heerstraße und Kurfürstendamm als so genannte Prachtstraße konzipiert. Nach Pariser Vorbild und mit palaisartigen Wohnhäusern gesäumt, sollte er durch vornehme Wohnviertel führen – als Kontrapunkt zum übrigen Stadtbild, das geprägt war von den baulich verdichteten innerstädtischen Mietskasernen-Einheiten des so genannten Wilhelminischen Großstadtrings einerseits und den Villenvierteln der „äußeren Landhauszone“ andererseits.

Und wie Kurfürstendamm und Heerstraße avancierte der Hohenzollerndamm ab 1920 zur wichtigen Hauptverkehrsstraße von ganz Groß-Berlin, als Verbindung der westlicher Innenstadt mit dem Südwesten Berlins und dem Grunewald. Viel geschehen also in den knapp 107 Jahren. Und die steinernen Wächter am Hohenzollernplatz waren immer dabei.