Kommentar

Langeweile am Kudamm

Der einstige Prachtboulevard zeigt Zeichen des Verfalls, sagt Carolin Brühl. Sie hat Ideen, wie sich das ändern könnte.

Sicher, es gibt Stadtviertel, in denen es noch schlimmer aussieht, und es gibt durchaus Stimmen, die das Jammern der Kudamm-Anrainer für eines auf sehr hohem Niveau halten. Besser macht es das aber auch nicht. Denn die Zeichen mehren sich in den letzten Jahren, dass der Boulevard, der durchaus als eine Visitenkarte der Stadt gelten kann, Zeichen des Verfalls zeigt. Daran ändern auch die neuen Spiegelpaläste nichts, die an seiner Seite entstehen.

Der Kudamm ist gähnend langweilig geworden. Warum soll man zum Boulevard des Berliner Westens reisen und nicht in die Fußgängerzone von Pforzheim? Es fehlt ihm an dem Flair und der Aufenthaltsqualität, die ihn von einer banalen Einkaufsstraße unterscheidet. Das machen auch die Ostermärkte, Spargelfeste oder Wie-immer-sie-auch-heißen-Märkte nicht wett, die den Breitscheidplatz nahezu das ganz Jahr über zu einem gesichtslosen Rummel verkommen lassen.

Die AG City beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahren mit dem Thema, wie sie die westliche Innenstadt gegen den Online-Handel wappnen will. Das hat zumindest die Initiative BID entstehen lassen, die wieder Mehrwert schaffen will, wenn der sich denn endlich einmal zeigen sollte. Doch mit Hostessen und besser gepflegten Grünstreifen allein ist es nicht getan. Der Kudamm braucht wieder Plätze zum Sehen und Gesehenwerden, wie es das Kranzler einmal war, und die zum Flanieren locken und nicht nur zum Einkaufen.

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