Diskussionsveranstaltung

Radschnellweg West kommt nicht schnell

Die Planung der Trasse zwischen Spandau und der City West soll bis 2023 dauern. Planer rechnen dann mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

17 Kilometer lang soll die sogenannte West-Route sein, die vom S-Bahnhof Tiergarten über den Ernst-Reuter-Platz, Bismarckstraße, Kaiserdamm über den Theodor-Heuss-Platz und die Heerstraße bis Spandau führen und die Konflikte zwischen Rad- und motorisiertem Verkehr beseitigen soll.

17 Kilometer lang soll die sogenannte West-Route sein, die vom S-Bahnhof Tiergarten über den Ernst-Reuter-Platz, Bismarckstraße, Kaiserdamm über den Theodor-Heuss-Platz und die Heerstraße bis Spandau führen und die Konflikte zwischen Rad- und motorisiertem Verkehr beseitigen soll.

Foto: Carolin Brühl / BM

Berlin. Viele bunte Punkte konnten am Dienstagabend geklebt werden im Rathaus Charlottenburg. Das macht man heute so, wenn man mit vielen Menschen gemeinsam ein Konzept entwickeln will und im Vorfeld schon ein paar Ideen kanalisieren möchte. Die bunten Punkte konnte man auf eine Karte kleben, auf der ermittelt werden sollte, aus welchem Teil der Stadt man kommt.

Die meisten der rund 100 Besucher der immerhin nun schon sechsten Diskussionsveranstaltung zum Radschnellweg zwischen der City West und Spandau kamen auch aus den Bezirken, durch die die künftige Trasse führen soll. Ein paar wenige klebten ihre Punkte in den Weißraum außerhalb des auf der Karte gezeigten Gebiets. Es gab auch ein Tableau mit der Frage, welches Verkehrsmittel man denn bevorzugt benutze. Da gab es viele Punkte im Feld „Fahrrad“, was vermutlich in der Natur der Sache liegt.

Radschnellweg zwischen der City West und Spandau: Schnelle Verbindung ohne Konflikte

17 Kilometer lang soll die sogenannte West-Route sein, die vom S-Bahnhof Tiergarten über den Ernst-Reuter-Platz, Bismarckstraße, Kaiserdamm über den Theodor-Heuss-Platz und die Heerstraße bis Spandau führen und die Konflikte zwischen Rad- und motorisiertem Verkehr beseitigen soll. Doch der Weg dahin ist noch weit. Die landeseigene InfraVelo GmbH plant einen Baustart nicht vor 2023.

Route 5 nannte Torsten Perner vom Planungsbüro Ramboll die dicke rote Linie, die den nach bisherigen Ermittlungen günstigsten Streckenverlauf auf den breiten Marginalen in ost-westlicher Richtung markiert, worüber aber „ergebnisoffen“ diskutiert werden soll. Im Charlottenburger Bereich gab es dann immer wieder auch blaue Abzweige über die Schillerstraße südlich der Hauptlinie oder über Zille- und Knobelsdorffstraße nördlich der Bundesstraße.

Doch die Planer und auch die Teilnehmer an der Diskussionsveranstaltung machten deutlich, dass sie sich den neuen Radschnellweg lieber von den großen Autoschneisen zurückerobern wollen.

„Wir müssen die Stadt neu denken“

„Es macht ja keinen Sinn, dass man die neuen Radfahrerströme durch bisher ruhige Wohnviertel wie beispielsweise die Knobelsdorffstraße führt“, sagte ein Diskussionsteilnehmer aus dem Klausenerplatz-Kiez. Dem stimmte auch Perner zu. „Wir haben einen wahnsinnigen Zuwachs an Radverkehr in Berlin“, sagte Perner. „Wir müssen die Stadt also neu denken.“ Viel Verkehrsfläche werde derzeit nicht gut, nämlich ausschließlich von Autos genutzt. Der Radwegplaner erzählte von der radfreundlichen Umgestaltung der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und zeigte Fotos von kühn geschwungenen Radbrücken, die über den Straßen kreuzen. Visionen, die sich Perner auch für Berlin vorstellen kann. Ein Vision, die Perner parallel zum Radschnellweg hat: eine Straßenbahn, die ebenfalls Tiergarten mit Spandau verbinden soll.

Vorerst zeigten die Planer indes nur eine Simulation von einer möglichen Umgestaltung der Bismarckstraße, die den Radweg zwischen den Fußgängerbereich, einen erweiterten Grünstreifen und den Parkstreifen legt und dennoch drei Spuren für den motorisierten Verkehr lässt. „Eigentlich eine Win-Win-Situation für alle“, meinte ein Teilnehmer, ein anderer monierte, dass der grün markierte Fahrradweg zu wenig Abstand zum Parkstreifen hätte und es zu „Dooring“, einer Kollision mit einem Parkenden, der eine Tür auf der Beifahrerseite öffnet, kommen könnte.

Viele Fragen noch unklar

Unklar blieb in diesem Zusammenhang auch, wie Radfahrer ungefährdet links abbiegen können oder vor Rechtsabbiegern geschützt werden könnten. Perners Rezept dafür: 20 bis 30 Meter vor einer Abzweigung dürfe kein Auto mehr parken, um Rechtsabbiegern eine freien Sicht auf die Radfahrer zu ermöglichen.

Kritisiert wurde indes vor allem die lange Dauer der Planungsphase. Erst 2023 soll Baubeginn sein, und es wird mit einer Bauzeit von mehr als zwei Jahren gerechnet, bis alles fertig ist. Katja Krause von der InfraVelo sagte, dass auch wenn das Bauwerk doch simpel aussehe, man doch viele Planungsprozesse beschreiten müsse, viele Träger öffentlicher Belange seien einzubinden, naturschutzrechtliche Fragen zu prüfen. Und ein Ende soll damit dann auch noch lange nicht erreicht sein. Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) als Gastgeber der Veranstaltung gab seiner Hoffnung auf weitere Projekte Ausdruck: „Hoffentlich treffen wir uns hier in ein paar Wochen wieder. Die Ost-West-Verbindung geht ja, aber die Nord-Südverbindung ist fürchterlich.“ Vielleicht ist damit zu erklären, dass ein Teilnehmer auf die Tafel mit der Frage nach dem künftigen Namen für den Radschnellweg „Wünschelroute“ geschrieben hat.