Naturschutz

Elmar Kilz ist der Baumbegutachter von Berlin

Elmar Kilz überprüft, wie gesund die Bäume sind. Die Daten gehen in den Waldzustandsbericht ein, der im Herbst kommt.

Förster Elmar Kilz erklärt Jorunalisten den Zustand des Berliner Waldes.

Förster Elmar Kilz erklärt Jorunalisten den Zustand des Berliner Waldes.

Foto: Katrin Lange

Berlin.. Auf den ersten Blick sieht Nummer 43 tadellos aus: hochgewachsen, kräftiger Stamm, grüne Blätter. Elmar Kilz sieht durch sein Fernrohr etwas anderes: in der Spitze tote Äste, ein Loch in der Mitte, keine blumenkohlförmige Krone, keine kleinen Röschen. Die mehr als 100 Jahre alte Eiche ist für den Forstamtsleiter im Grunewald ein Problemfall. „30 Prozent Blattverlust“, schätzt er ein. Das bedeutet: zum Teil irreversible Schäden. Mehr als 60 Prozent ist das Todesurteil für einen Baum. Nummer 43 ist noch zu retten.

Elmar Kilz ist nicht nur Forstdirektor, sondern auch der Waldschadensbeauftragte der Berliner Forsten. In diesem Amt ist er gerade unterwegs. Bis Ende kommender Woche überprüft er, wie gesund die Berliner Bäume sind. An 42 ausgewählten, über GPS ermittelten Punkten werden jeweils 24 Bäume begutachtet. Für diese Aufgabe sind die Förster extra geschult, immer zu zweit nehmen sie einen Baum ins Visier. Die Daten fließen in den bundesweiten Waldzustandsbericht, der Ende des Jahres erscheint.

Teils bedauernswerter Zustand

Der Bericht gibt Aufschluss über die Gesundheit und die Vitalität der Bäume, insbesondere nach dem Dürresommer 2018 und dem Frühjahr 2019, dass auch von Witterungsextremen wie Hitze und Trockenperioden geprägt war. Inwieweit der Wald unter diesen klimatischen Bedingungen gelitten hat, wird die Auswertung der Schäden zeigen. Soviel kann Elmar Kilz schon einmal vorwegnehmen: „Der Berliner Wald hat keine flächenmäßigen Schäden.“ Die Bäume sterben nicht reihenweise ab, es drohen auch keine wichtigen Baumarten zu verschwinden. Dennoch gibt es Exemplare, die in einem bedauernswerten Zustand sind.

An Beispielen mangelt es nicht im Revier. Elmar Kilz muss nur ein paar Schritte gehen, da steht eine Buche. „Ein Jammerbild“, sagt der Oberförster. Die untersten Äste sind knallgrün, doch darüber in der Krone hat der Baum nur noch winzige Blätter, die zusammengeklappt sind. „Die Buche hat echte Schwierigkeiten, die Oberkrone mit Wasser zu versorgen“, erläutert Kilz. Das sei das Problem aller großen Bäume. 65 Prozent Blattverlust, so die Bewertung. Kilz spricht das Urteil. „Diese Trauerbuche ist dem Tode geweiht.“ Ein Birke macht ihm nicht weniger Sorgen. Ihre Blätter sind schon gelb, und das zwei Monate vor dem Herbst. „Die Birke reagiert auf Stress“, so der Forstamtsleiter. Um sich selbst zu schützen, ziehe der Baum wertvolles Chlorophyll aus den Blättern, die dann gelb werden.

Schäden an den Bäumen sind noch immer Einzelfälle

Die Bilanz von Elmar Kilz am Ende des Rundgangs: „Berlin ist zwar nicht Hauptschadensgebiet, aber es gibt schon viele individuell starke Schäden.“ Diese könnten auf Dauer das Leben der anderen Bäume gefährden. Wie sich die Einzelfälle auf den gesamten Wald auswirken, wird nach dem Erscheinen des Waldzustandsberichts zu erfahren sein.

Die Forsten kümmern sich um etwa 100 Millionen Bäume in ihren Berliner Revieren. Pro Jahr werden bis zu 300.000 im Rahmen des Mischwaldprogramms nachgepflanzt. Monokultur war gestern. Ziel des Programms ist es, reine Kiefernwälder mit anderen Laubbäumen zu vermischen. „Kiefern sind immer eine Notlösung“, sagt Kilz. Sie verschlingen viel Wasser und verschlechtern den Boden. Ganz anders die Eiche, die gut im kargen märkischen Sand gedeiht und mit ihren Blättern Sauerstoff und Feuchtigkeit atmet und wieder in die Luft abgibt. Wenn sie denn gesund ist und eine echte blumenkohlförmige Krone hat.