Ludwig-Erhard-Haus

Ein neuer Treffpunkt für die Berliner Wirtschaft

Rund 13 Millionen Euro hat die IHK für Umbau und Modernisierung des Eingangsbereichs im Ludwig-Erhard-Haus eingeplant.

So soll der Eingangsbereich im Ludwig-Erhard-Haus nach dem Umbau durch das Architektenbüro Aukett + Heese aussehen.

So soll der Eingangsbereich im Ludwig-Erhard-Haus nach dem Umbau durch das Architektenbüro Aukett + Heese aussehen.

Foto: Christina Weber / AUKETT + HEESE GmbH

Berlin. Wegen der Stahlrippen, der pfotenartigen Stützen und der schuppigen Fassade wird das Gebäude im Berliner Volksmund auch „Gürteltier“ genannt. Fraglos zählt das Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße in Charlottenburg seit seiner Eröffnung im Jahr 1998 zu den architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Jetzt bekommt das markante Gebäude teilweise ein neues Erscheinungsbild: Der Eigentümer, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, lässt derzeit den Eingangsbereich sanieren.

Bereits Anfang Juli haben die Bauarbeiten begonnen. Geplanter Fertigstellungstermin ist der 31. Oktober 2020. Rund 13 Millionen Euro Budget stehen für die Umbauten und Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung. Die Vollversammlung der Kammer hatte im vergangenen Jahr den Betrag dafür freigegeben.

Mit dem Rückenwind ihrer Mitglieder will die IHK die Fläche im Erdgeschoss nun neu beleben. „Das Haus der Wirtschaft soll zu einem neuen Treffpunkt für die Wirtschaft werden“, sagt der interne Projektleiter für den Umbau, Daniel Fiebig. Fiebig, ansonsten Chef-Justiziar der Kammer, beschäftigt sich bereits seit mehr als einem Jahr mit den Plänen. Viel soll sich ändern im Eingangsbereich.

Haus bekommt neuen, zentralen Eingang

Unter anderem soll das Gebäude einen neuen, zentralen Eingang in der Mitte der Halle bekommen. Besucher sollen dann direkt an einen Empfangstresen geleitet werden, der aber beliebig verschiebbar sein soll. Diese Flexibilität will die IHK nutzen, um mehr Raum für Veranstaltungen im Erdgeschoss zu schaffen.

Das bislang mittig platzierte Bistro soll an eine Seite des Hauses weichen. Innerhalb der Empfangshalle plant die Kammer zudem sechs sogenannte Themeninseln. Die multifunktionalen Sitzlandschaften mit stehenden Bildschirmsäulen sollen künftig unter anderem für lockere Gesprächsrunden genutzt werden können. Als Baustoff spielen Glaselemente eine führende Rolle. So soll etwa das Geländer auf der Galerie künftig durchsichtig sein. Auch die neue Treppe, die dann vom Erdgeschoss in den ersten Stock führt, soll mit Glaselementen verbaut werden.

Ein Großteil des Budgets frisst aber nicht die Umgestaltung. Vielmehr sei es nach rund 20 Jahren Betrieb nötig, den Eingangsbereich zu sanieren, sagt Daniel Fiebig. Also alte Kabel raus, neue rein. Auch Beleuchtung, Decke, Fußboden, Heizungsanlage, Lüftung und Roher werden grunderneuert.

Alt-Architekt hat Mitspracherecht

Vor dem Gebäude erhält das Ludwig-Erhard-Haus zudem ein neues Vordach. Das 30 Meter lange, etwa drei Meter tiefe und 4,30 Meter hohe Bauwerk orientiert sich am bestehenden Gebäude. Verantwortlich für die äußere und auch innere Umgestaltung ist das Berliner Architekturbüro Aukett + Heese. Die Planer hatten in den vergangenen Jahren unter anderem den Mercedes-Benz-Platz entworfen.

Bei der Neugestaltung hatte aber auch der ursprüngliche Architekt des Ludwig-Erhard-Hauses, Nicholas Grimshaw, ein Wörtchen mitzureden. Der britische Star-Architekt hatte sich damals vertraglich zusichern lassen, bei etwaigen Umbauten sein Veto einlegen zu dürfen. Mit den neuen Plänen aus Berlin sei Grimshaw aber einverstanden gewesen, sagt IHK-Projektleiter Fiebig.

Neujahrsempfang findet 2020 nicht im Ludwig-Erhard-Haus statt

Die IHK war selbst lange Mieter in dem Gebäude. Erst im vergangenen Jahr konnte die Kammer das Ludwig-Erhard-Haus erwerben. Rund 26,5 Millionen Euro hatte die IHK damals an einen Immobilienfonds gezahlt. Die finanzielle Lage der Berliner IHK hatte sich zuvor auch durch die steigende Zahl von beitragspflichtigen Unternehmen in der Stadt deutlich verbessert. Inzwischen hat die Kammer mehr als 300.000 Mitglieder. Durch den Kauf des Gebäudes hatte die IHK damals verkündet, mehr als sieben Millionen Euro jährliche Leasingkosten einzusparen. Davon profitierten auch die Mitglieder: Die Beitragszahlungen wurden um 20 Prozent gesenkt.

Das Ludwig-Erhard-Haus hat eine Nutzfläche von gut 30.000 Quadratmeter, knapp die Hälfte davon nutzt die IHK selbst. Größere Mieter sind die Wirtschaftsförderung Berlin Partner und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Während der Zeit des Umbaus müssen die Mieter mitunter mit Lärmbelästigung leben, so Fiebig. Die IHK muss wegen der Bauarbeiten eigene Veranstaltungen und auch Prüfungen verlegen. Auch der Neujahrsempfang kann im Januar 2020 nicht wie gewohnt in der Eingangshalle des Ludwig-Erhard-Hauses stattfinden. Den Ersatzstandort für das Fest will die Kammer in den kommenden Wochen benennen.