Breitscheidplatz

Pfarrer der Gedächtniskirche schreibt Brandbrief

Martin Germer, Pfarrer der Gedächtniskirche, hat einen offenen Brief an die Behörden geschrieben, der einem Hilferuf gleichkommt.

Seine Kirche ist mehr als ein Gotteshaus, sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Doch Pfarrer Martin Germer fühlt sich mit der Situation im Umfeld allein gelassen

Seine Kirche ist mehr als ein Gotteshaus, sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Doch Pfarrer Martin Germer fühlt sich mit der Situation im Umfeld allein gelassen

Foto: Carolin Brühl

Berlin.. Eigentlich ist Martin Germer ein gemütlicher Mann. Fast hat sich der Pfarrer der Gedächtniskirche schon damit abgefunden, dass die Sicherungsmaßnahmen des Breitscheidplatzes das Kirchenareal seit Monaten zu einer Art Alcatraz machen. Doch die Absperrungen sind nicht nur unschön, sie schränken die Arbeit der Gemeinde erheblich ein und führen zu neuen Gefährdungen. Das hat der Pfarrer in mehreren Mails an Behörden geschrieben, bei Begehungen wurde ihm Abhilfe versprochen – passiert ist nichts.

Germer hat deshalb einen offenen Brief an diverse Behörden der Stadt geschrieben. „Achtung Sarkasmus“, leitet er sein Schreiben an Torsten Akmann (SPD), Staatssekretär in der Innenverwaltung, und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ein, um dann fortzufahren: „Welcher verantwortlichen Person dürften wir die Garagen- oder Hofzufahrt dauerhaft zubauen und wem unseren Müll vor die Tür kippen, damit sich endlich was bewegt?“

Feuerwehrzufahrten seit Monaten zugestellt

Seit drei Monaten sind Germer zufolge die Feuerwehrzufahrten zum Breitscheidplatz immer noch nicht als solche gekennzeichnet, mit dem Ergebnis, dass sie regelmäßig durch Motorräder, Leihfahrräder und Leihroller verstellt sind, was im Gefahrenfall den Feuerwehreinsatz erschweren würde und im Normalfall andauernd die Zufahrt zum Parkplatz versperrt. Offene Ohren für seine Kümmernisse findet Germer bei den vor Ort präsenten Polizisten. Die könnten aber nichts dagegen tun, weil das Abstellen von Zweirädern ohne Kennzeichnung zulässig sei, klagt der Geistliche.

Doch das ist es nicht allein, was das Fass des Gemeindepfarrers zum Überlaufen gebracht hat. „Seit drei Monaten – und von uns verschiedentlich reklamiert – fehlen rings um das Kirchenpodium herum die BSR-Papierkörbe, die im Zuge der Aufstellung der Sicherheitsbarrieren demontiert wurden, mit dem Ergebnis, dass unsere täglich von Tausenden Passanten frequentierte Fläche ständig vermüllt – und der Gehweg davor natürlich auch“, schreibt Germer. Immerhin seien auf der Nordseite des Kirchenareals bereits drei Halterungen an Laternenmasten angebracht. Nur eine davon sei aber tatsächlich mit einem Papierkorb bestückt worden, bemerkt der Pfarrer. „Auf der südlichen Haupt-Passantenstrecke zwischen Kudamm und Tauentzien gibt es entlang unseres Kirchenpodiums keinen einzigen Papierkorb.“

Niemand fühlt sich zuständig

Nicht verstehen kann Germer zudem, dass seit drei Monaten die Bordsteinkante an der provisorischen Gehwegüberfahrt zum Parkplatz der Kirche nicht durch eine Bitumenböschung entschärft worden ist, was bei jeder anderen Baustelle innerhalb von zwei Tagen gemacht wäre, so seine Erfahrungen. Niemand fühle sich offenbar dafür zuständig, empört sich der Pfarrer, obwohl er den Vorschlag schon bei der allerersten Ortsbegehung gemacht habe. Seit drei Monaten bekomme die Gemeinde trotz wiederholter Nachfragen nach Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten allenfalls Mitteilungen, dass jeweils andere zuständig wären. „Was diese dann prompt dementieren“, schimpft Germer.

„Welcher politisch Verantwortliche sieht sich in der Lage, jetzt einfach mal selbst das Nötige zu veranlassen oder auf Chefebene dafür zu sorgen, dass es auf den Weg gebracht wird, und dann gegebenenfalls nachträglich behördenintern sowie zwischen Bezirk und Land die Kostenübernahme klären zu lassen?“, will Germer wissen.

Pfarrer Germer sieht die Innenverwaltung in der Pflicht

Er sieht zuerst die Innenverwaltung in der Pflicht, da diese die Sicherheitsmaßnahmen und damit auch die damit verbundenen Folgewirkungen veranlasst habe. „Wer tritt dem Eindruck entgegen, hier werde auf unsere Kosten ,Beamten-Mikado’ gespielt: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren?“, will Germer wissen. Der Pfarrer fordert deshalb: „Zur Regelung zumindest der Müll-Problematik und als nachträgliche Kompensation für drei Monate Nichts-Tun wird der BSR-Auftrag für den Breitscheidplatz bis auf Weiteres dahingehend erweitert, ab sofort unsere Podiumsfläche in den täglichen Reinigungsturnus aufzunehmen und dort Papierkörbe aufzustellen, wenn sie sich auf dem öffentlichen Straßenland nicht platzieren lassen.“

In der Senatsinnenverwaltung will man die Kritik des Pfarrers nicht akzeptieren: Germer stehe seit vielen Monaten mit der Innenverwaltung in wechselseitigem Kontakt, sagt ein Sprecher. Die notwendigen Fluchtwege und Feuerwehrzufahrten auf dem Breitscheidplatz seien vorhanden. Rettungsfahrzeuge, aber auch Anlieger könnten über verschiedene Zufahrten den Platz befahren. Nur an einer Zufahrtsmöglichkeit würden zum Teil Behinderungen festgestellt, an deren „nachhaltiger und rechtskonformer Beseitigung durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf“ gearbeitet werde. Bei Veranstaltungen auf dem Breitscheidplatz sei der Veranstalter für Müllentsorgung verantwortlich. Die außerhalb von Veranstaltungszeiten verantwortliche BSR wurde bereits vor einiger Zeit auf die geschilderten Defizite hingewiesen, so der Sprecher.