Interview

„Ich bin glücklich, wenn unsere Hilfe ankommt“

Helena Miller hilft im Pflegestützpunkt in Wilmersdorf Menschen russischer Herkunft, sich im Wirrwarr der Pflegestufen zurechtzufinden.

Helena Miller (vorne 2.v.l.) und ihr Team der interkulturellen BrückenbauerInnen mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD)

Helena Miller (vorne 2.v.l.) und ihr Team der interkulturellen BrückenbauerInnen mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD)

Foto: Heidi Hoecker (Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.

Charlottenburg-Wilmersdorf. Helena Miller ist Russland-Deutsche und hilft im Pflegestützpunkt an der Bundesallee 50 in Wilmersdorf Menschen russischer Herkunft und deren Angehörigen immer dienstags und donnerstags, sich im Wirrwarr der Pflegestufen zurecht zu finden. Bei Bedarf besucht sie die Menschen auch zu Hause. Das bundesweit einmalige Projekt, das beim Diakonischen Werk Berlin angesiedelt ist, wird von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung finanziert und gefördert.

Frau Miller, was tun Sie da eigentlich genau?

Helena Miller Ich bin eine interkulturelle Brückenbauerin und als Sprach- und Kulturmittlerin tätig. Meine Aufgabe besteht darin, pflegebedürftige russischsprachige Menschen rund um das Thema Pflege zu informieren. Ich begleite als Brückenbauerin in den Pflegestützpunkten die fachliche Beratung. Wir ermöglichen durch unser Projekt Ratsuchenden verschiedener Herkunft durch unseren niedrigschwelligen und kultursensiblen Ansatz einen besseren Zugang zum Pflegesystem und eine gleichberechtigte Teilhabe.

Welche Muttersprachen werden von Ihnen und Ihrem Team denn bedient?

Ich begleite russischsprachige Pflegebedürftige oder auch ihre Angehörigen. In unserem Team gibt es zwölf Brückenbauerinnen. Wir bieten Sprach- und Kulturmittlung in zehn Sprachen an. In den ersten drei Projektjahren haben wir bereits Menschen aus fast 30 Nationen erreicht. Auch wenn die Menschen der deutschen Sprache mächtig sind, fühlen sie sich viele oft wohler, wenn ihnen jemand die vielen Fachfragen in ihrer Muttersprache erklärt.

Wächst der Bedarf an Brückenbauerinnen? Können Sie da eine Tendenz erkennen?

Ich erkenne in meiner Arbeit in der Tat einen wachsenden Bedarf an Unterstützung und Information. Es ist nicht nur die Sprach- und Kulturmittlung, sondern es ist auch wichtig, vertrauensbildend und auf die Menschen zugehend zu arbeiten. Auch in meiner Sprachgruppe wächst die Zahl älterer Menschen, die das Angebot gern annehmen, weil sie sich dann besser im Pflegesystem orientieren können, Leistungen wahrnehmen und besser versorgt oder entlastet werden. Das Modell könnte auch auf andere Bereiche des Gesundheitswesens übertragen werden.

Was können Sie konkret für die Menschen tun?

Ich kann Zugangshürden und Schwellenängste abbauen. Im Süden von Neukölln habe ich zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe für russischsprachige pflegende Angehörige, die oft überlastet sind, aufbauen, ihnen Zugang zu Entlastungsangeboten aufzuzeigen und Raum zum Austausch geben.

Viele Menschen aus dem russisch-sprachigen Raum leben schon seit langer Zeit in Berlin. Warum ist es für sie so wichtig, dass sie im Alter von jemandem betreut werden, der ihre Muttersprache spricht?

Auch die Berliner russischer Herkunft kennen sich im Pflege- und Gesundheitssystem meist wenig aus. Es ist schwierig und auch von Menschen ohne Migrationsherkunft nur schwer zu verstehen. Sprachliche Barrieren erschweren die Situation. Manchmal kann die Kenntnis der deutschen Sprache auch durch Demenz verloren gehen. In ihrer Muttersprache können sich die Menschen besser mitteilen und insbesondere fachliche Beratung besser verstehen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Ich bin glücklich, wenn ich erkenne, dass unsere Hilfe und Unterstützung da ankommt, wo sie gebraucht wird. Und ich freue mich, wenn ich sehen kann, dass die Menschen, die ich begleitet habe, pflegerisch gut aufgehoben sind.