Berliner Verkehrsbetriebe

U-Bahnhof Uhlandstraße wird zur Langzeitbaustelle

Seit Januar ist der westliche Zugang wegen Baufälligkeit gesperrt. Noch immer ist unklar, wann die millionenteure Sanierung beginnt.

Seit Januar 2019 ist der westliche Zugang zum U-Bahnhof Uhlandstraße in Charlottenburg wegen Baufälligkeit gesperrt. Erst im September will die BVG sagen, wann die Sanierung beginnt. 

Seit Januar 2019 ist der westliche Zugang zum U-Bahnhof Uhlandstraße in Charlottenburg wegen Baufälligkeit gesperrt. Erst im September will die BVG sagen, wann die Sanierung beginnt. 

Foto: Thomas Fülling

Berlin . „Wo geht es denn hier zur U-Bahn?“ Die Passantin auf der Mittelinsel des Kurfürstendamms ist sichtlich irritiert, denn der vor ihr liegende Zugang zum U-Bahnhof Uhlandstraße ist mit einem Bauzaun versperrt. Nur wer genauer hinschaut, findet am Ziergitter rechts vor dem Treppenabgang einen unauffälligen DIN-A4-Zettel angebracht. Darauf steht: „Instandsetzungsarbeiten an der Treppenanlage“. Aus diesem Grund sei der Zugang seit dem 30. Januar geschlossen. Die „sehr geehrten Fahrgäste“ mögen den anderen Zugang nutzen. Der liegt am anderen Bahnsteigende - gut 100 Meter entfernt.

Was allerdings nicht zu sehen ist, sind die versprochenen Instandsetzungsarbeiten. Kein Baulärm, kein Bauarbeiter weit und breit. Und das wird wohl noch etliche Monate so bleiben. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erst im September oder Oktober eine Baufirma mit den Reparaturarbeiten beauftragen.

Wann diese tatsächlich anfängt, ist allerdings noch völlig offen. Der Baustart könne erst nach Einholung aller benötigten Genehmigungen erfolgen, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. Die eigentliche Bauzeit wird dann mit etwa einem Jahr veranschlagt. Die Sanierung eines simplen U-Bahn-Eingangs – in Berlin ist dies ein aufwendiges Großprojekt.

Zeitplan für U-Bahnhof Uhlandstraße kaum noch einzuhalten

Bereits im März hatte die Berliner Morgenpost nachgefragt, warum sich am gesperrten Zugang zum U-Bahnhof nichts tut. Damals hieß es noch, Ziel sei eine Wiedereröffnung im Sommer 2020. Ein Zeitplan, der inzwischen kaum noch noch zu halten sein dürfte.

Die Schäden am U-Bahnhof sind dabei größer als auf den ersten Blick sichtbar. Bei der jährlichen Inspektion hätten BVG-Fachleute „erhebliche Schäden an der Tragwerkskonstruktion der Treppe festgestellt worden“, sagte ein BVG-Sprecher damals. Weil die festgestellten Schäden am Tragwerk so groß sind, dass die Verkehrs- und Fahrgastsicherheit in Gefahr ist, musste der Ausgang gesperrt werden. Eine einfache Reparatur sei nicht möglich. Denn auch die Stahlstreben in den Seitenwänden seien von den Feuchtigkeitsschäden betroffen und müssten erneuert werden. Auf der Konstruktion lagert wiederum die Tunneldecke.

Sanierung soll 1,6 Millionen Euro kosten

Geplant wird nun von der BVG eine Grundinstandsetzung des Bahnhofszugang. Geschätzte Kosten: geschätzt rund 1,6 Millionen Euro. Einen Bauauftrag dieser Größe müsse die BVG als landeseigenes Unternehmen EU-weit ausschreiben, hieß es damals. Das Vergabeverfahren dafür bereits im Gange. Warum die Auftragsvergabe nun erst im September oder Oktober erfolgt, bleibt zunächst unklar.

Laut BVG-Sprecherin Nelken gibt es allerdings nur einige wenige Spezialfirmen, die mit Arbeiten an den vielfach denkmalgeschützten U-Bahnhöfen beauftragt werden. „Dazu braucht es viel Erfahrung.“ Das bekommen auch die Nutzer des nicht weit entfernten U-Bahnhofs Spichernstraße in Wilmersdorf zu spüren. Dort ist seit mehr als einem Jahr der Übergangstunnel von der U3 zur U9 geschlossen. Die Fahrgäste müssen oberirdisch einen längeren Umweg gehen.

U-Bahnlinie U9 zwischen Zoo und Güntzelstraße vom 15. bis 17. Juli gesperrt

Der Grund für die Sperrung: Der geplante Einbau eines Aufzugs. Veranschlagte Dauer für dieses Projekt: zwei Jahre.

Gerade erst hat die BVG die „nächste Runde“ für den Fahrstuhleinbau eingeläutet. Für den neuen Aufzug werde frischer Beton angeliefert und verarbeitet. Daher müsse der U-Bahnhof vom 15. bis 17. Juli geschlossen werden, der Zugverkehr werde auf der Linie zwischen Zoologischer Garten und Güntzelstraße unterbrochen.

In der Zeit werde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Vom 17. Juli an sollen die U-Bahnzüge wieder fahren, allerdings nur bis 23 Uhr. In der verlängerten Nachtpause bis 3.30 Uhr werde dann weiter „fleißig am Aufzug gewerkelt werden“, wie in der Mitteilung der BVG zu lesen ist. Und da auch noch der Tunnel der U1 zu sanieren ist, wird die U-Bahnstation Kurfürstendamm gleich mit geschlossen, vom 17. Juli bis 22. August jeweils zwischen 22 Uhr abends und 3.30 Uhr nachts.

Barrierefreier Zugang zu allen U-Bahnhöfen erst 2021

Auch die BVG bekomme zu spüren, dass überall in der Stadt gebaut werde, heißt es aus dem Unternehmen. Für Bauaufträge sei es nicht immer leicht Firmen zu finden. Vor allem das Aufzugsprogramm kommt dadurch nicht wie erhofft voran. So wollte die BVG eigentlich bis Ende 2020 alle ihre 173 U-Bahnhöfe barrierefrei zugänglich machen. „Das Ziel werden wir wohl erst 2021 erreichten“, räumte BVG-Chefin Sigrid Nikutta jetzt ein.

Um sich unabhängiger von den Firmen zu machen, stellt das Unternehmen seit einigen Jahren auch wieder Bauspezialisten selbst ein. So sollen mindestens 100 Bauingenieure gewonnen werden, die dann vor allem die zeitaufwendigen Planungsarbeiten übernehmen.

Denkmalschutz am Ernst-Reuter-Platz verzögert Aufzugbau

Doch vor allem die vielen Denkmalschutzauflagen für die Bahnhöfe und deren Umfeld sorgen immer wieder für Verzögerungen. So auch beim Einbau eines Aufzugs am Bahnhof Ernst-Reuter-Platz. In der Diskussion mit dem Bezirk habe sich herausgestellt, dass nicht einmal die Blumenkübel aus Beton für den Einbau verschoben werden dürfen. „Denn das ganze Ensemble auf und um den Platz steht unter Denkmalsschutz“, so Nelken. Das nächste BVG-Langzeitprojekt scheint geboren.

Der 1913 eröffnete U-Bahnhof Uhlandstraße ist nach BVG-Angaben zuletzt in den 70er-Jahren renoviert worden – laut Unternehmenssprecher Markus Falkner aber „eher optisch“. Daher werde in der Bauabteilung inzwischen auch über eine Grundinstandsetzung der gesamten Station nachgedacht. Einen Zeitplan für diese Arbeiten gibt es aber noch nicht.