Kultur und mehr

Schoeler-Schlösschen wird neuer Kieztreff in Wilmersdorf

Gemeinsam mit Bürgern entwickelt das Bezirksamt ein Konzept für Wilmersdorfs ältestes Haus. Die Sanierung soll 2023 abgeschlossen sein.

Das Schoeler-Schlösschen an der Wilhelmsaue soll bis 2023 zu einer Kultureinrichtung zum Mitmachen für die Wilmersdorfer werden.

Das Schoeler-Schlösschen an der Wilhelmsaue soll bis 2023 zu einer Kultureinrichtung zum Mitmachen für die Wilmersdorfer werden.

Foto: Carolin Brühl

Wilmersdorf. Von außen sieht man es dem Schoeler-Schlösschen nicht an, wie sanierungsbedürftig es im Innern noch immer ist. An den Wänden sieht man die Farbschichten der Jahrhunderte, die Böden sind nur notdürftig mit Linoleum ausgelegt. Im Parterre hängen derzeit Stücke der Austellung „Stoff“, ab und zu gibt es ein Konzert. Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) hat Wilmersdorfs ältestes Haus nach Jahren des Leerstands für eine solche Zwischennutzung geöffnet. Viel mehr lässt der bauliche Zustand noch nicht zu.

In einem Raum im ersten Stock haben sich Menschen aus der Nachbarschaft versammelt. An den Wänden hängen Plakate mit diversen Themengebieten. „Vernetzung“ heißt ein Kapitel, „Garten“ oder „Kulturangebote“ steht auf anderen. Darunter haben die Teilnehmer eines ersten Workshops ihre Wünsche aufgeschrieben. Denn Wünsche gibt es schon lange und viele, was das Schoeler-Schlösschen angeht.

Erfahrungen aus dem Projekt Parkhaus am Lietzensee

Moderiert wird der Workshop von Katja Baumeister-Frenzel. Die Charlottenburger Kulturwissenschaftlerin kennt sich mit solchen Prozessen aus. Seit Jahren beschäftigt sie sich ehrenamtlich mit anderen Gleichgesinnten in ihrem Kiez am Lietzensee mit dem ebenfalls denkmalgeschützten Parkwächterhaus. Auch dort entsteht eine Begegnungsstätte für die Nachbarschaft mit Kultur, Raum für Vereinsaktivitäten und einer kleinen Gastronomie.

Bau­meister-Frenzel weiß um die Schwierigkeiten, viele divergierende Interessen unter einen Hut zu bekommen und von den Schwierigkeiten, die Finanzierung eines solchen Vorhabens sicherzustellen. Die „Parkhäusler“ bekommen eine Förderung der Lottostiftung. Allein das Stellen eines entsprechenden Antrags und die Ausarbeitung eines förderungswürdigen Konzepts war eine Herausforderung für die Laien.

Vor einer solchen Herausforderung steht nun auch das Projekt Schoeler-Schlösschen. Im Dezember 2018 hatte Schmitt-Schmelz das leerstehende, denkmalgeschützte Haus, an dem sich einige ihrer Vorgänger vergeblich versucht hatten, wieder angepackt und angekündigt, dass der Bezirk aus dem „Bundesprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen aus den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ rund 45 Prozent der rund 3,5 Millionen teuren Sanierung des Hauses beantragt hätte.

Großes Interesse an Wilmersdorfs ältestem Haus

Im April 2019 dann der erste Hoffnungsschimmer. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler (CDU) gab bekannt, dass der Bund 1,575 Millionen Euro für das Schoeler-Schlösschen bewilligt habe. Für den Rest der Kosten will Schmitt-Schmelz ebenfalls Lottomittel beantragen und, damit die Quersubventionierung gewährleistet ist, hat sie zehn Prozent der erforderlichen Mittel bereits in den Haushalt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf einstellen lassen.

Das bürgerschaftliche Interesse an Wilmersdorfs ältestem Haus ist ungebrochen, auch wenn es voraussichtlich noch bis 2023 dauern wird, bis das Schoeler-Schlösschen letztlich zu dem geworden ist, was sich Bezirk und Nachbarn wünschen. Der erste Workshop diente dem Sammeln von Ideen, im zweiten Workshop, der am 29. Juni an gleicher Stelle stattfinden wird, sollen diese Ideen nun vertieft und ausformuliert werden. „Daraus werden wir dann das Konzept für den Antrag bei der Lottostiftung entwickeln“, sagt die Kulturstadträtin.

„Die Idee des niedrigschwelligen Kulturangebots wird von den Teilnehmern des Workshops geteilt“, sagt Katja Baumeister-Frenzel. Das sei vor allem im Gegensatz zu den beiden Kultureinrichtungen des Bezirks, der Villa Oppenheim in Charlottenburg und der Kommunalen Galerie in Wilmersdorf gedacht, deren Besuch für viele Menschen eine Hemmschwelle darstelle.

Garten neu gestalten – nach historischem Vorbild

Die Menschen wünschten sich mehr Mitmach-Möglichkeiten und ein Kulturangebot von Bürgern für Bürger. Da könnten dann eine Aquarellmalerin aus der Nachbarschaft die Gelegenheit bekommen, hier ihre Bilder zu zeigen oder Schüler aus der Musikschule sich mit einem ersten Konzert versuchen“, erklärt die Moderatorin.

Die Workshopteilnehmer wollen auch den Garten neu gestalten, aber, wenn möglich, nach historischem Vorbild. „Warum nicht wieder Maulbeerbäume anpflanzen, wie es der erste Besitzer des Anwesens gemacht hat“, sagt eine Teilnehmerin.

Andere wünschen sich Aktionen, beispielsweise zum Thema Abfall, das „neu gedacht“ werden müsse. Vorstellbar sei, dass es dazu Vorträge oder eine Ausstellung gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen, oder dass man Menschen einlädt, die einem zeigen, wie man aus Altem Neues macht oder Defektes wieder repariert, was in anderen Kiezen ja vereinzelt schon erfolgreich gemacht werde. „Da kann man mehrere Aspekte eines Themas gleichzeitig im Haus ermöglichen, und jeder kann sich nach seinen Wünschen aktiv oder passiv daran beteiligen“, sagt Baumeister-Frenzel.

Gesucht: Interessierte Bürger, die mitgestalten

Im Gegensatz zum Parkwächterhaus, das in die Trägerschaft des Vereins überführt worden ist, bleibt das Schoeler-Schlösschen aber in der Hand des Bezirks. „Das Haus steht stärker im Fokus der Nachbarschaft und ist denkmalschützerisch sensibler“, sagt Schmitt-Schmelz. „Wir denken daran, für das Haus zwei Planstellen zu schaffen, die das Haus verwalten und das Programm des Hauses dann gemeinsam mit einem Beirat aus interessierten Bürgern gestalten.“ Doch dafür müssen sich noch genug Leute finden, die ihre Zeit in das Projekt einbringen. „Da sind wir aber ganz zuversichtlich“, sagt die Stadträtin.