Schulen in Berlin

In den Sommerferien wird in mehr als 230 Schulen gebaut

Berlins Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) will mit kostenfreiem Essen und einem Schnellbauprogramm Schulen und Familien entlasten.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (r.) und Bildungsstadträtin Heike Schmitt-Schmelz bei einer Schulbesichtigung in Charlottenburg.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (r.) und Bildungsstadträtin Heike Schmitt-Schmelz bei einer Schulbesichtigung in Charlottenburg.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Es ist eine gute Sitte, dass sich die Schulsenatorin zu Beginn der Ferien in einen Bezirk begibt, um sich über die Situation der Sanierungsfortschritte und -pläne zu informieren. Um die Schulbauoffensive voran zu bringen, soll in diesen Sommerferien immerhin an mehr als 230 Schulen in Berlin gebaut oder saniert werden. So zumindest der Plan.

Am Donnerstag hat sich Sandra Scheeres mit Bildungsstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (beide SPD) an der Friedensburg-Oberschule (FOS) in Charlottenburg getroffen, wo seit 2015 gebaut und saniert wird: Neue Aula, neue Klassenzimmer und in diesem Jahr noch eine neue Mensa.

Deren Ausbau war nötig geworden, weil der Senat das kostenfreie Essen für alle Grundschüler von der ersten bis zur sechsten Klasse im März beschlossen hat. Zuständig für die Umsetzung des Beschlusses sind die Bezirke. In mehreren Werkstattgesprächen haben Senat und Bezirke seither nach Möglichkeiten gesucht, das Schulessen bis zum Beginn des kommenden Schuljahres zu ermöglichen.

An einigen Schulen bestanden erhebliche Probleme, geeignete Räume für alle Schüler zur Verfügung zu stellen, andere Schulen hatten Schwierigkeiten, Caterer zu finden, die das Essen liefern.

Scheeres stellt „Mensen-Bauprogramm“ vor

Scheeres stellte deshalb am Donnerstag das „Mensen-Bauprogramm“ als eine von zwei neuen Initiativen vor. Damit soll ein entsprechender Ausbau in den Schulen finanziert werden, da mit dem beitragsfreien Mittagessen ein erhöhter Platzbedarf an vielen Schulen verbunden ist. 2020 sind dafür zehn Millionen Euro vorgesehen, 2021 dann 14 Millionen Euro. Diese Mittel werden aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (Siwana) bereitgestellt.

„Mit dem kostenfreien Schulmittagessen entlasten wir viele Berliner Familien und sorgen dafür, dass alle Kinder bis zur 6. Klasse ein warmes Mittagessen erhalten“, so Scheeres. Probleme sehe sie bislang nur in Steglitz-Zehlendorf, wo der Bezirk lange gezögert habe, die Voraussetzungen für das Schulessen zu schaffen.

Der südwestliche Bezirk sieht sich hingegen „auf einem guten Weg“, so Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU). Er geht nach einem Ampelsystem vor und teilt die Schulen in rote, gelbe und grüne ein. „Die Anzahl der roten Schulen wird immer kleiner“, sagte der Stadtrat. Bei einer Begehung mit dem Schulamt und der Schulaufsicht habe er nur noch an drei Schulen festgestellt, dass größere Umbauarbeiten für das Schulessen notwendig wären. Für alle anderen sehe er eine Lösung. Das könnte die Nutzung anderer Räume, wie der Horträume, sein oder ein Essen in mehreren Schichten.

Essen in vier Schichten, Unterricht im Container

Ganz ruckelfrei läuft indes die Umsetzung des Senatsbeschlusses auch in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht. „Auch in vier Schulen unseres Bezirks, wie zum Beispiel der Joan-Miró-Grundschule, standen die Ampeln auf Rot“, berichtete Schmitt-Schmelz. Dafür seien aber überall Lösungen gefunden worden. Die zusätzlichen Mittel des Senats seien nötig gewesen, um beispielsweise auch mehr Geschirr, Tische oder Warmhaltgeräte anschaffen zu können. Schmitt-Schmelz räumt jedoch ein, dass es auch in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht funktionieren wird, alle Kinder gleichzeitig zu verpflegen. Die Schulstadträtin rechnet ebenfalls mit bis zu vier Schichten zwischen 11.30 Uhr und 13.30 Uhr. „Aber ich denke, das muss die Realität dann erst einmal zeigen. Da können wir dann bei Bedarf noch feinjustieren.“

Die Friedensburg-Oberschule hat sich in der Sanierungsphase inzwischen mit dem benachbarten Schiller-Gymnasium zusammengetan und nutzt gemeinsam Container-Klassenzimmer, die vor gut einem Jahr in den Schulhöfen aufgestellt worden sind. „Am Anfang gab es noch ein paar Berührungsängste“, sagt Silvia Magnago aus der Schulleitung der FOS. Es gebe immer noch Vorurteile gegen integrierten Sekundarschulen. Inzwischen funktioniere die Zusammenarbeit aber gut. Einmal in der Woche treffe man sich, um über Kooperationen zu sprechen.

Neubau von Schulplätzen soll beschleunigt werden

Scheeres lobt den flexiblen Umgang der beiden Schulen mit dem Platzangebot während der Umbauzeit. Die Senatorin will den Neubau von Schulplätzen beschleunigen und den Bezirken mehr Flexibilität ermöglichen. „Es muss einfach alles schneller gehen, die Stadt verändert sich und wartet nicht auf uns“, sagt die Senatorin. Für ihre zweite Initiative gibt es daher im neuen Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 jeweils 100 Millionen Euro für ein neues „Schnellbauprogramm Klassenzimmer“ als Erweiterung der Berliner Schulbauoffensive. Damit soll ermöglicht werden, dass noch leichter als bisher kurzfristig Schulplätze geschaffen werden können, zum Beispiel in Holzbauweise. Scheeres dazu: „Wir bauen mehr als 60 neue Schulen. Aber wo das nicht schnell genug geht, wollen wir mit dem neuen ,Schnellbauprogramm Klassenzimmer‘ kurzfristig zusätzliche Plätze schaffen.“

Für Schulstadträtin Schmitt-Schmelz ein richtiges Signal. Der Druck auf die Schulen wachse und der Bedarf müsse oft schneller gedeckt werden, als es die Haushalte zuließen. „Wir können in der Innenstadt keine neuen Schulen bauen, weil wir einfach keine Flächen haben“, sagt sie. „Wir haben beispielsweise 2393 Plätze für Erstklässler, aber 3283 Anmeldungen. Da gibt es noch viel zu tun“, sagt Schmitt-Schmelz. Sie will deshalb für das nächste Schuljahr fünf modulare Ergänzungsbauten aufstellen und fünf Anbauten errichten lassen.