Verkehr in Berlin

Tauentzien soll 2020 autofrei werden

Die Senatsverkehrsverwaltung unterstützt den Plan von Bezirk und AG City. Busse, Taxis und Lieferverkehr sollen weiterhin fahren.

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Berlin.  Bislang war es nur eine vage Idee von AG City und Bezirk, den Individualverkehr vom Tauentzien zu verbannen. Jetzt findet das Thema Unterstützung in der Senatsverkehrsverwaltung.

Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) stellte am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der Grünen-Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität eine dauerhafte Sperrung der Tauentzienstraße für 2020 in Aussicht. Bereits für Herbst 2019 seien tageweise Sperrungen von Tauentzien und Kudamm vom Wittenbergplatz bis zum Adenauerplatz zu Testzwecken geplant, so der Staatssekretär.

Tauentzien und Teile des Kudamms: Cafés auf Mittelstreifen und Liegewiesen

Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung, schränkte ein: „Wir sehen uns da jetzt nicht an der Spitze dieser Planung.“ Er verwies aber auf ein Treffen von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), mit Streese, Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (beide Grüne) und der AG City am Mittwoch, auf dem es um entsprechende Überlegungen im Bezirk ging. „Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz begrüßt solche Initiativen, weil sie im Sinne einer Verkehrspolitik sind, die auf weniger Kfz-Verkehr, dafür auf mehr Lebensqualität setzt“, so Thomsen.

Die Händlergemeinschaft AG City arbeitet sei Längerem an Ideen für eine Neugestaltung von Tauentzien und Teilen des Kudamms. Ihr schweben Cafés auf dem Mittelstreifen oder sogar Liegewiesen zum Rasten auf dem Boulevard vor. „Wir sind uns sicher, dass die Herausforderungen für den Boulevard in den Zeiten des Onlinehandels nur mit weniger Verkehr und besserer Aufenthaltsqualität zu bewältigen sind“, sagte AG-City-Sprecher Gottfried Kupsch.

Busse, Taxis und Lieferverkehr sollen weiterhin über den Tauentzien fahren

Der Begriff „verkehrsfrei“ bedürfe aber erst noch einer genaueren Definition, so Kupsch. Zwar sei ein solcher Plan grundsätzlich begrüßenswert, eine Umgestaltung sollte aber beinhalten, dass auf dem Abschnitt zwischen Wittenbergplatz und Joachimsthaler Straße weiterhin Busse, Taxis und Lieferverkehr fahren könnten. Eine völlige Sperrung des Tauentzien werde innerhalb der Händlerschaft kontrovers diskutiert. „Wir haben am Mittwoch mit Herrn Streese besprochen, dass das an bestimmten Tagen jetzt erst einmal getestet und dann eruiert wird, welche Auswirkungen es hat“, sagte Kupsch. Dafür wolle die AG City nun Gutachten bei Verkehrsplanern in Auftrag geben. Es müsse aber endlich etwas geschehen, um die Aufenthaltsqualität auf dieser Magistrale schnell zu verbessern.

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„Wir brauchen Kudamm und Tauentzien ja nicht wirklich als Durchgangsstraßen“

Konkreter wird Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtentwicklungsstadtrat Schruoffeneger: „Wir brauchen Kudamm und Tauentzien ja nicht wirklich als Durchgangsstraßen.“ Er könne sich durchaus vorstellen, die Straße im Sommer oder Herbst schon einmal zum Test an einem Sonnabend zu sperren oder an allen Adventswochenenden, „wenn auf dem Boulevard wegen des Weihnachtsmarkts eh alles Ellenbogen an Ellenbogen steht, weil der Gehweg zu schmal ist“, sagte er. Auf die Frage, ob für ihn denn tatsächlich schon 2020 eine Schließung des Tauentzien für Autos vorstellbar sei, sagte der Stadtrat: „Warum nicht, man muss sich Ziele setzen.“

In der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf macht sich überraschend bisher nur die FDP für das Thema eines verkehrsfreien Tauentzien stark. „In Zeiten des Onlinehandels müssen sich unsere Innenstädte verändern und Einkaufsstraßen beweisen, was ihr Mehrwert gegenüber dem Internet darstellt“, sagte FDP-Fraktionschef Felix Recke.

Eine Fußgängerzone zwischen Joachim-Friedrich-Straße und Wittenbergplatz würde aus seiner Sicht mehrere Probleme gleichzeitig angehen. „Damit könnte beispielsweise auch die Frage nach dauerhaftem Schutz des Breitscheidplatzes verknüpft werden“, sagte Recke. „Ein Verkehrschaos sehen wir jedenfalls nicht als hausgemacht, wenn Budapester und Lietzenburger Straße entsprechend ertüchtigt werden und die bestehenden Buslinien abgeleitet werden.“ Für die FDP bilde zudem die lange geplante Verlängerung der U1 von der Uhlandstraße zur Ringbahn eine Möglichkeit, die Busse zu ersetzen.