Jubiläum

Geöffnet bis spätabends: So feiert der Zoo 175. Geburtstag

Auf acht Informationstafeln erfährt der Besucher mehr über die Geschichte des Zoos. Am 1. August wird das Jubiläum gefeiert.

Eine Tafel mit einem historischen Foto steht vor dem Affenfelsen der Paviane.

Eine Tafel mit einem historischen Foto steht vor dem Affenfelsen der Paviane.

Foto: Katrin Lange

Das Pandaweibchen Meng Meng lässt kaum Raum für Spekulation. Ist sie nun trächtig oder nicht? Es wäre wohl das schönste Geschenk zum 175. Geburtstag des Zoos am 1. August, wenn Berlin das erste Mal Pandababys bekäme. Möglich ist es, Meng Meng wurde künstlich befruchtet. Aber noch ist ihr nichts anzumerken. Sie läuft wie immer rückwärts, dreht sich um, sprintet kurz über das Gelände und nimmt auch schon wieder Platz zum Fressen. Alles wie immer. Ein Ultraschall soll in Kürze Klarheit bringen.

Die Zeit bis zu den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten wird aber nicht nur mit dem Warten auf den Panda-Nachwuchs verkürzt. Im Zoo stehen jetzt acht Tafeln, auf denen der Besucher mehr über die Geschichte erfahren kann. Auf den Tafeln sind historische Fotos aus dem Blickwinkel, den der Betrachter gerade hat. Erzählt werden keine Geschichtsfakten, sondern Geschichten von dem jeweiligen Ort.

Kutschfahrt durch den Zoo zum Drei-Kaiser-Treffen

So steht zum Beispiel ein Hinweisschild in der Nähe des Verwaltungsgebäudes, wo einst drei Monarchen gemeinsam über den Teich auf das Antilopenhaus blickten. Es war im Jahr 1872, als der deutsche Kaiser Wilhelm I., der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. und der russische Zar Alexander II. zu einem Drei-Kaiser-Treffen in Berlin zusammenkamen und gemeinsam eine Kutschfahrt durch den Zoo unternahmen. Die Kutsche hielt in einer Kurve, in der die drei Herren das damals neu erbaute Antilopenhaus im maurischen Stil am besten betrachten konnten. Heute ist von dieser Stelle kaum noch etwas von dem Gebäude, das nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde, zu sehen. Bäume und Äste versperren die Sicht.

Interessant ist aber auch zu erfahren, dass die Affen auf ihren Felsen immer schon eine geheizte Höhle hatten. 1932 wurde der Affenfelsen für 60 Paviane gebaut, ganz nach dem Vorbild ihres natürlichen Lebensraums in Äthiopien. Die kleinen Nischen in dem Felsen wurden beheizt. So konnten die Tiere das ganze Jahr draußen bleiben und sich in der Kälte an die warmen Orte zurückziehen.

Hinter dem Eingang am Elefantentor sind auf einem kleinen Platz, auf dem sich mehrere Wege mit der Hauptallee kreuzen, gleich drei Tafeln aufgestellt. Der Besucher blickt einmal auf den chinesischen Pavillon der Panda-Anlage und erfährt, dass darin ganze Orchester vor dem zweiten Weltkrieg Platz nahmen und Konzerte gaben. Auf der zweiten ist die 1936 eröffnete Felslandschaft für zehn Löwen zu sehen. Das Bemerkenswerte daran: Die Besucher wurden nur durch einen Wassergraben von den Löwen getrennt. So hatten sie das Gefühl, mitten in der Landschaft zu stehen. Und das dritte Foto zeigt schließlich die Reste des Elefantentors mit den Ruinen der Häuser an der Budapester Straße. Das Tor wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört.

Von den 4000 Tieren, die es 1939 im Zoo gab, überlebten nur etwa 90 Tiere den Krieg. „Die paar Tiere, die übrig waren, haben die Berliner mit durchgebracht“, erzählt eine ältere Wilmersdorferin, die gerade vor der Informationstafel steht. Sie erinnert sich noch genau an ihren ersten Besuch im Zoo im Jahr 1948. „Die Restkäfige waren geflickt, der Platz für die Tiere erbärmlich klein“, sagt die 75-Jährige.

Knautschke hatte ständigvor Hunger sein Maul offen

Knautschke, das berühmte Flusspferd, hatte überlebt. „Der hatte ein winziges Becken und hielt ständig sein Maul offen, in der Hoffnung, dass irgendetwas reinfällt“, sagt die Zoofreundin, die eine Jahreskarte hat. Und die Berliner haben etwas ins Maul geworfen, nicht nur bei Knautschke. Die Wilmersdorferin erinnert sich auch an eine Hyäne, „die hat so gern harte Eier gefressen.“ Und an ein bissiges Kapuzineräffchen, das sich nur von einer bestimmten alten Frau streicheln ließ. „Das hat mich als Kind immer beeindruckt“, sagt die Wilmersdorferin noch und muss dann schnell los, um eine Fütterung nicht zu verpassen.

Das Jubiläum, das jetzt mit dem Aufstellen der Geschichtstafeln an Fahrt aufgenommen hat, soll am 1. August mit einer Geburtstagstorte eröffnet werden. „Wir möchten unser großes Jubiläum dafür nutzen, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und gemeinsam mit unseren Gästen zu feiern“, sagt Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem. Am 2. August wird der Zoo erstmals 175 Minuten länger als sonst öffnen. Die Besucher können dann bis 21.25 Uhr die Abendstimmung im Zoo mit Okapi, Elefant und Panda erleben. Am darauffolgenden Wochenende geht die Feier weiter. So sollen unter anderem auch exklusive Blicke hinter die Kulissen geboten werden.

Und vielleicht gibt es zu diesem Zeitpunkt schon kleine Pandabärchen zu sehen. Wenn Meng Meng trächtig ist, kommt der Nachwuchs im Juli oder August auf die Welt. Es können bis zu drei unbehaarte und hamstergroße Jungtiere sein mit einem Gewicht von etwa 80 bis 200 Gramm. Doch aktuell, so bestätigt auch der Zoo, verhält sich Meng Meng unauffällig. Für Berlin wäre die Geburt eines Pandas eine kleine Sensation und das größte Geburtstagsgeschenk.