Congress Centrum

ICC: Das sind die acht Nutzungskonzepte

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Isabell Jürgens
So sieht das ICC aus, wenn es nach den Plänen von B:Grün, einer Planungsgemeinschaft von M. Lindner & Patzschke Schwebel, zum „vollautomatischen Gewächshaus“ umfunktioniert wird.

So sieht das ICC aus, wenn es nach den Plänen von B:Grün, einer Planungsgemeinschaft von M. Lindner & Patzschke Schwebel, zum „vollautomatischen Gewächshaus“ umfunktioniert wird.

Foto: B:Grün

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop präsentiert neue Pläne für das ICC. Diese sind das Ergebnis einer Interessenbekundung.

Berlin. Für eine Wiederbelebung des stillgelegten Internationalen Congress Centrums (ICC) liegen acht konkrete Vorschläge von Investoren vor. Im Zentrum steht jeweils, wieder Kongresse in dem Bau am Funkturm auszurichten, wie Wirtschaftssenatorin Romona Pop (Grüne) am Montag sagte. Doch die Nutzungsvorschläge gingen weit auseinander: das ICC als riesiges Gewächshaus, als Diskussions- und Testzentrum für neue Mobilitätskonzepte, als überdachte Biosphäre oder als Museum für Internationale Beziehungen. Mehrere Interessenten wollen Hochhäuser bauen.

"Wir brauchen diese Kapazitäten für die nächsten 10, 20, 30 Jahre"

"Die gute Nachricht ist: Es gibt Interessenten", sagte Pop. "Wir brauchen diese Kapazitäten für die nächsten 10, 20, 30 Jahre, um als Kongressstandort weiter zu florieren." Ein Interessenbekundungsverfahren hatte 13 Zuschriften gebracht.

Am 14. Juni wollen mehrere Senatsverwaltungen beraten, wie es weitergeht mit dem "silbernen Raumschiff", wie Pop ankündigte. Noch in diesem Jahr könne man beginnen, die Immobilie in einem Konzeptverfahren zu vermarkten, sagte Sven Lemiss, der Chef der Berliner Immobilienmanagementgesellschaft.

Ein vollautomatisches Gewächshaus mit Platz für 13 Millionen Nutzpflanzen und 8000 Kongressbesucher. Ein um vier Hochhaustürme ergänztes Gebäudeensemble mit einer Mischung aus Kongress, Hotel, Wohnen, Einkaufen, Fitness und Entertainment. Ein Museum für „zeitgenössische Internationale Beziehungen“ mit Kongressflächen. Oder lieber ein „Mobility Innovation Convention Center“, in dem Mobilitätsthemen erlebbar gemacht werden sollen? Das sind vier von den insgesamt acht konkreten Nutzungsvorschlägen für das Internationale Congress Centrum ICC.

ICC am Messedamm steht schon seit fünf Jahren leer

Seit fünf Jahren steht das ICC am Messedamm in Charlottenburg mittlerweile leer. Zwar gab es bereits zahlreiche Ideen für die weitere Nutzung des Kongressgebäudes, sie scheiterten jedoch alle an den hohen Sanierungskosten. Das soll bei den am Montag präsentierten Ideen nun anders sein, versicherte Sven Lemiss, Geschäftsführer der landeseigenen BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, die im Auftrag der Senatsverwaltung den Ideenwettbewerb im Dezember vergangenen Jahres gestartet hatte.

„Eine grundsätzliche Wirtschaftlichkeit ist aus Sicht der beteiligten Investoren gegeben“, stellte Lemiss fest. „Die gute Nachricht ist: Es gibt Interessenten“, ergänzte die Senatorin. Und betonte, dass die Kongress-Kapazitäten des 40 Jahre alten Tagungs-Raumschiffs unverzichtbar seien.

„Deshalb haben wir ausdrücklich die Auflage formuliert, dass eine weitere Kongressnutzung verpflichtend ist“, sagte Pop weiter. Beteiligt an dem Wettbewerb hatten sich vor allem Projektentwickler- und Architektenteams, die in Berlin bereits über viel Erfahrung verfügen. Darunter etwa die HGHI Holding von Harald Huth, der zusammen mit dem Architekten Max Dudler die Idee mit den vier Hochhaustürmen einreichte. Oder das Mobilitätszentrum, eine Gemeinschaftsarbeit des Architekturbüros Graft und des Projektentwicklers Trockland.

Ein Bordell oder eine Spielbank sind ausgeschlossen

Den Investoren war in der Ausschreibung weitgehend freie Hand eingeräumt worden, ausgeschlossen wurden jedoch Nutzungen wie ein Bordell, eine Spielbank oder vergleichbare Zwecke. Und eine weitere Auflage gab es: Die Interessenten sollten in ihrem Nutzungskonzept flexibel nutzbare Kongressflächen für bis zu 8000 Personen vorsehen. 13 Interessenten nahmen die Herausforderungen an und sandten Zuschriften ein. Von diesen beschränkten sich allerdings vier auf eine generelle Absichtserklärung nebst grober Konzeptbeschreibung. Ein weiterer Einreicher spekulierte wohl darauf, dass eine endgültige Lösung noch lange auf sich warten lassen wird: Die „Live from Earth GbR“ reichte lediglich ein Zwischennutzungskonzept für eine temporäre Kulturstätte ein.

Ob für das 2014 außer Betrieb gestellte Kongressgebäude tatsächlich eine tragfähige Lösung gefunden wurde – das wird sich nun frühestens am 14. Juni herausstellen. „Noch vor der Sommerpause werden wir einen Workshop mit allen beteiligten Senatsverwaltungen durchführen“, kündigte Pop an. Das Ergebnis wolle sie nicht vorwegnehmen. „Deshalb werde ich auch nicht verraten, welches Konzept mir am besten gefällt“, so die Senatorin.

Denkmalschutz spielt Rolle bei der weiteren Nutzung

Eine Rolle bei der weiteren Nutzung solle auch der Denkmalschutz spielen, versicherte Pop. Auch, wenn das ICC noch immer nicht unter Denkmalschutz stehe. Ob die Idee, das gesamte Gebäude nebst Vorplatz unter eine transparente Membranfolie zu stellen und als Biosphärenreservat zu nutzen, somit überhaupt noch eine Chance habe, werde man im Rahmen des Workshops klären, sagte die Senatorin.

Noch in diesem Jahr könne man beginnen, die Immobilie in einem Konzeptverfahren zu vermarkten, fügte Lemiss hinzu. Dies werde voraussichtlich ein bis zwei Jahre dauern – je nachdem, welches Verfahrensmodell zur Anwendung komme. Denn noch sei offen, ob für das ICC ein Kaufvertrag, ein Mietvertrag oder ein Erbbaurechtsvertrag mit einer Bauverpflichtung und Nutzungsbindung geschlossen werde.

Mit der europaweiten Ausschreibung 2020 sollen nicht nur die an der jetzigen Phase beteiligten Teams angesprochen werden, sondern alle Investoren, die die dann vorgegebene Nutzungsvariante am besten umsetzen. Und über die nötigen Mittel verfügen: Für die umfassende Sanierung will der Senat 200 Millionen Euro bereitstellen. Die tatsächlichen Kosten sollen aber laut Expertenmeinung bei 500 Millionen Euro liegen.

( mit dpa )