Stadtautobahn

Erstes Konzept: So könnte die überbaute A100 aussehen

Spielplätze und Kleingärten könnten über der A100 entstehen. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat eine Machtbarkeitsstudie veranlasst.

Die Architekten von ARGE Patzschke Schwebel Architekten und Mario Lindner haben ein Konzept zur Überbauung der A100 in Berlin vorgestellt

Die Architekten von ARGE Patzschke Schwebel Architekten und Mario Lindner haben ein Konzept zur Überbauung der A100 in Berlin vorgestellt

Foto: ARGE Patzschke Schwebel Architekten und Mario Lindner

Berlin. Das Abgeordnetenhaus hat die Verkehrsverwaltung beauftragt, die Machbarkeit einer streckenweise Deckelung von Autobahnabschnitten oder Gleisanlagen zu prüfen. Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen SPD, Grüne, Linke und der CDU wurde ein entsprechender Beschluss im Verkehrsausschuss gefasst.

„An Beispielen wie in Barcelona oder Hamburg kann man sehen, wie man Stadt zurückgewinnen kann“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Mittwoch. In Barcelona entsteht derzeit durch die Überbauung der Autobahn ein Parkstreifen durch die ganze Stadt.

Die meisten Flächen gehören dem Bund

Allerdings dämpften die Experten aus der Verkehrsverwaltung die Erwartungen an ein schnelles Ergebnis. „Schon allein die Voruntersuchung ist ein unglaublicher Kraftakt“, sagte Lüscher. „Die meisten Flächen sind im Besitz des Bundes, den wir mitnehmen müssen“, ergänzte Lutz Adam, der Chef des Berliner Tiefbauamts.

Im Zentrum der Prüfung soll die Autobahn 100, insbesondere der anstehende Umbau des Dreiecks Funkturm, stehen. Nach derzeitigem Stand könnten bei einer möglichen Deckelung von Autobahnabschnitten oder Gleisanlagen vor allem neue Grünflächen entstehen. „Es geht um Fragen des Stadtumbaus“, sagte die Stadtentwicklungsexpertin der Linken, Katalin Gennburg. „Eine Deckelung kann Quartiersverbindungen schaffen und Schulwege sichern.“ Denkbar sei auch die Anlage von neuen Kleingärten und Spielplätzen.

Pläne für eine Überbauung bestehen schon lange

Überlegungen, einzelne Abschnitte der Autobahn zu überbauen, existieren schon lange. Nach dem Überbau der Autobahn an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf in den 1970er-Jahren hatte der Senat zwischen 1988 und 1995 weitere derartige Projekte geprüft, aber aus Kostengründen nicht weiterverfolgt. Damals sollte ein privater Bauträger gesucht werden, der nicht gefunden wurde. „Da muss das Land Berlin massiv Mittel zur Verfügung stellen, um eine Überdeckelung herzustellen“, sagte Adam. Dabei geht es Schätzungen zufolge um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Auch aus Sicht der CDU sollte eine mögliche Deckelung der Autobahn nicht an den Kosten scheitern. „Hier sollte man den Mut zu großem Denken haben“, sagte Stefan Evers, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Der Bau von Wohnungen auf der Autobahn ist teuer

Aus heutiger Sicht kommt Tiefbauamtsleiter Adam zufolge eine Überbauung mit Wohnungen kaum in Frage. Da der Bund in einem solchen Fall weiter Zugriff auf die Autobahn haben wolle, müssten die Fahrspuren zunächst gedeckelt werden und danach ein Wohnhaus in einem separaten Bau darüber gesetzt werden.

Die Verkehrsverwaltung muss nun eine Machbarkeitsstudie vorlegen. Dabei soll es dem Auftrag des Abgeordnetenhauses zufolge darum gehen, geeignete Flächen für eine Überbauung zu identifizieren, aber auch mögliche Kosten zu bedenken und den Nutzen für die Berliner zu berücksichtigen.

Architekten haben schon Ideen

Obwohl die Machbarkeitsstudie noch nicht vorliegt, hat die Arbeitsgemeinschaft ARGE Patzschke Schwebel Architekten und Mario Lindner sich schon ein Konzept überlegt. Sie wollen 3000 Wohnungen bauen. "Wir schlagen Autobahnüberbauungen mit Schaffung eines neuen Straßennetzes, Fahrradwegen, Grünanlagen, sowie Wohnungsbau und Sozialeinrichtungen vor. Dabei sollen die Sackgassen auf beiden Seiten der Autobahnschneise wieder zusammengeführt werden", erklärt Geschäftsführer Till-Jonathan Patzschke.