Trendessen

„Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“ an der TU eröffnet

An der Technischen Universität kann nun rein vegan gegessen werden. Auch frische Pasta können sich Studenten mit nach Hause nehmen.

Hat 360 Rezepturen im Köcher: die Chefin der ersten veganen Mensa Berlin: Nicole Graf

Hat 360 Rezepturen im Köcher: die Chefin der ersten veganen Mensa Berlin: Nicole Graf

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg.  „Ich will zurück zu den Zeiten, in denen man sich auf einen Sonntagsbraten gefreut hat“, umschreibt Nicole Graf ihre Ernährungsphilosophie. Denn auch wenn die 30-Jährige Chefin der ersten veganen Mensa Berlins an der Technischen Universität (TU) ist, so ganz will sie selber nicht auf tierische Produkte verzichten. Ihre Küche in der ehemaligen Cafeteria an der Hardenbergstraße 34 schmeckt aber.

Das Wok-Gemüse oder die Gemüse-Kartoffel-Puffer an Curry-Mango-Sauce duften verführerisch und sind so gut gewürzt, dass selbst eingefleischte Vegan-Skeptiker ihre Freunde daran haben dürften. Die Salate glänzen vor Frische und die Nachtische lassen leicht vergessen, dass rund um die Früchte keine herkömmliche Sahne drapiert ist. Selbst der Barista schenkt statt Bohnen-Kaffees heißen Haferdrink und wechselnde Smoothies aus.

Vegane Mensa seit Ende März im Testbetrieb

Seit Ende März läuft der Test-Betrieb bereits. Nicole Graf hat rund 360 verschiedene Rezepte im Köcher, aber „in der veganen Küche gibt es viele Freiheiten für Experimente“, sagt sie. Da sei noch viel Luft nach oben, und sie sei ja auch für Anregungen offen. Trotz der Osterferien wurde das Angebot schon sehr gut angenommen, sagt Jana Judisch, die Sprecherin des Studierendenwerks. 500 Gäste pro Tag wünsche man sich, um die vegane Mensa rentabel betreiben zu können.

Die bisherigen Besucherzahlen stimmten zuversichtlich. Und tatsächlich, als um 11 Uhr die ersten Studierenden eingelassen werden, bildet sich schnell eine Schlange. „Das hat bisher hier gefehlt“, sagt Markus O., der sich als einer der ersten Spaghetti mit Getreidebolognese auf einen Teller schaufelt. Zwar räumt der Architektur-Student ein, kein lupenreiner Veganer zu sein, „manchmal esse ich schon gern einen Hamburger oder eine Currywurst“, sagt er. Aber grundsätzlich hält er den Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte aus Gründen der Nachhaltigkeit für richtiger.

Den Namen haben die Studenten erfunden

Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“ wird das neue gastronomische Angebot an der TU heißen. „Es gab 667 Namensvorschläge stammen von Studierenden, darunter gab es auch sehr witzige wie ,BlattWerk’ oder ,Kill Dill“, sagt Judisch. Der neue Name, der dann aber das Rennen gemacht habe, sei nur folgerichtig. Immerhin gebe es an der Freien Universität ja schon seit 2010 eine vegetarische Mensa, „Veggie No. 1, die grüne Mensa“, die so beliebt sei, dass sie „aus allen Nähten platze“, sagt Judisch. Sie hoffe, dass auch die vegane Mensa dauerhaft gut angenommen werde, immerhin stamme der Wunsch ja schließlich auch von den Studenten.

172 Plätze hat die neue vegane Mensa im Innenbereich. Zusätzliche 82 Tischplätze gibt es auf der Außenterrasse zur Hardenbergstraße. Die ehemalige Cafeteria wurde gründlich aufgehübscht. Nichts erinnert mehr an die eher karge und schmucklose Cafeteria: Der Raum ist hell, es gibt schicke Lampen und gemütliche Sitzgruppen, die auch morgens um 11 Uhr schon gut gefüllt sind. Heutzutage sei eine andere Ästhetik nötig, sagt Jana Judisch. „Sonst kommen die Studierenden einfach nicht mehr. Die Ansprüche sind gestiegen und die Mensen inzwischen auch zu Lernorten oder Gruppentreffs geworden.“

195.000 Studenten gibt es in Berlin, 172.000 fallen in den Bereich des Studierendenwerks. 57 Mensen und Coffeebars versorgen rund 33.000 Gäste pro Tag. Das entspricht Judisch zufolge rund 8,3 Millionen Gästen pro Jahr. Essen können in der neuen veganen Mensa hauptsächliche Studenten und Mitarbeiter der Hochschulen. Die Preise sind subventioniert. So kostet eine Portion des bunten Wokgemüses für Studenten am Dienstag 4,95, für Mitarbeiter 5,45 und für externe Gäste 5,95 Euro. Spaghetti mit Getreidebolognese sind aber schon für 1,90, 3,80 oder 4,20 zu haben.

Ein Alpro Soja mit Früchten kostet zwischen 2,40 und 2,85 Euro. Verpflichtend ist es für die Studenten an der TU nicht, sich nun nur noch vegan zu ernähren. „Wir missionieren nicht und schreiben auch niemandem etwas vor“, sagt Judisch. Fleischesser werden deshalb auch künftig nicht zu kurz kommen, denn im gleichen Gebäude gibt es weiterhin die große Mensa mit dem regulären Angebot im ersten Stock. „Wer sich dann letztlich mit seinem Essen zu wem und wohin setzt, bleibt jedem selbst überlassen“, sagt die Sprecherin des Studierendenwerks.

Frische Nudeln zum Mitnehmen in der Mensa

Neu im Portfolio des Studierendenwerks ist auch die gläserne Nudel-Manufaktur, in der ab sofort täglich zehn verschiedene Sorten frischer Pasta produziert werden können. Die Teigwaren werden sich nicht nur auf den Speisezetteln der Mensen wiederfinden, sondern können perspektivisch auch mit nach Hause genommen werden. „Wir verwenden nur Hartweizengrieß und Wasser und können hier bis zu 150 Kilogramm pro Stunde produzieren“ sagt Jens Grabich, Bereichsleiter Speisebetriebe beim Studierendenwerk.

Mitarbeiter Sharif Adams spannt denn auch gleich eine Matrize für große Fusilli in die Maschine und lässt die frischen Teigwaren in weiße Körbe fallen. „Im Nebenraum haben wir auch entsprechende Trockeneinrichtungen eingebaut“, sagt Grabich. In nur drei Tagen seien die Nudeln trocken und könnten abgepackt werden.

Information

Vegane Lebensweise ist eine besondere Form des Vegetarismus bei der keine tierische Produkte konsumiert werden. Vegan lebende Menschen verzichten daher in ihrer Ernährung nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern im Unterschied zu Vegetariern auch auf alle anderen tierischen Produkte, wie Milch, Eier oder Honig. Einige Veganer achten zumeist auch bei Kleidung und anderen Waren darauf, dass diese frei von Tierprodukten sind.