Wohnungsbau

Berlins Musterwohnhaus für Fachkräfte macht Sorgen

In Wilmersdorf baut die FG Bau ein Wohnhaus für dringend benötigte Fachkräfte. Doch nun gibt es Probleme.

Das Musterwohnhaus der FG Bau an der Kalkhorster Straße 13 soll in einem Jahr bezugsfertig sein.

Das Musterwohnhaus der FG Bau an der Kalkhorster Straße 13 soll in einem Jahr bezugsfertig sein.

Foto: Foto: Architekturbüro Ingenbleek / Architekturbüro Ingenbleek

Wilmersdorf. Selbst eine mustergültige Baustelle hat mit Problemen zu kämpfen. Das betonte Klaus-Dieter Müller, Präsident der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau). Auf dem Grundstück an der Kalkhorster Straße Ecke Rudolstädter Straße in Wilmersdorf errichtet die Interessensvertretung von rund 900 Betrieben des Baugewerbes in der Region ein Wohngebäude, das in jeder Hinsicht vorbildlich sein soll.

Vorbildlich in der schnellen Schaffung von 37 bezahlbaren Wohnungen, die vorzugsweise an die dringend benötigten Fachkräfte der Mitgliedsunternehmen gegeben werden sollen. Und vorbildlich auch, weil auf der Baustelle garantiert ohne Schwarzarbeit und Sozialbetrug gearbeitet werden soll. Doch in der Realität gab es dann gleich mehrere Stolpersteine, wie Müller einräumte.

Zunächst bremste Bürokratie das Vorhaben aus

Als gewichtigstes Bauhemmnis erwies sich – wie so oft in Berlin – der enorme bürokratische Aufwand. „Wir haben vom ersten Spatenstich bis zum Richtfest nur elf Monate benötigt“, sagte Müller beim Richtfest, dass aufgrund des stürmischen Wetters in der Tiefgarage des Neubaus gefeiert wurde.

Mehr als ein Jahr habe es dagegen gebraucht, bis alle benötigten Bauvorbescheide und Baugenehmigungen, vor allem aber die Genehmigung für die Baustelleneinrichtung auf öffentlichem Straßenland vorlag. „Das muss deutlich schneller werden“, mahnte Müller an.

Staatssekretär gelobt Besserung

Und traf mit seiner Kritik auf offene Ohren sowohl beim Staatssekretär für Verwaltungsmodernisierung Frank Nägele (SPD) als auch beim zuständigen Baustadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger (Grüne), die beide zum Richtfest erschienen waren. „Wir haben verstanden, dass wir handeln müssen, insbesondere bei den verkehrsrechtlichen Genehmigungen“, so der Staatssekretär.

Er versicherte, dass er am 14. Mai, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, den versprochenen „Zukunftspakt Verwaltung“ präsentieren werde. Dieser soll eine mit den zwölf Bezirken abgestimmte Neuordnung zahlreicher Verwaltungsgänge enthalten. „Es muss Schluss sein mit dem Modus der Absicherungen, in dem wir uns jetzt bewegen. Es darf nicht mehr sein, dass es 18 Verwaltungsschritte und drei Jahre dauert, bis eine Fußgängerquerung eingerichtet werden kann.“

Viele Monate bis zur Genehmigung des Halteverbots

Baustadtrat Schruoffeneger wurde konkreter: „Die Verkehrsbehörde des Bezirks ist in meiner Verantwortung und ich befürchte, dass die meisten von Ihnen schon unangenehmen Kontakt mit dieser Behörde hatten“, sagte Schruoffeneger vor den knapp 100 anwesenden Vertretern der Branche. „Wir sind mittlerweile eines der großen zeitlichen Probleme bei Bauvorhaben“, sagte er selbstkritisch. Es gehe nicht an, dass es Monate dauere, bis ein Halteverbot genehmigt sei, habe das verheerende Folgen für den dringend benötigten Wohnungsbau.

Mentalitätswechsel durch neues Personal

Der Bezirk habe aber seine Hausaufgaben gemacht. „Wir sind gerade dabei, drei zusätzliche Stellen zu besetzen. Und wir werden das bisherige Personal in Teilen austauschen“, kündigte der Stadtrat an. Die Verkehrsbehörden seien vor 20 Jahren aus den Ordnungsdiensten der Polizei hervorgegangen. Danach sei nie eine neue Marschrichtung ausgegeben worden. Die Folge sei, dass in dem Amt noch immer eine Mentalität des Ordnungsrechts und nicht des Servicegedankens herrsche. „Das kriegen sie auch nicht mehr gewechselt, da brauchen wir neue Mitarbeiter“, sagte der grüne Stadtrat. Auch die Leitungsstelle werde neu besetzt, der neue Mitarbeiter sei bereits gefunden. „Er kommt aus einem privaten Unternehmen und weiß von daher, was Antragsteller brauchen“, versprach Schruoffeneger weiter.

„Dunkelgraue Schafe“ bei der Zollkontrolle

Doch auch auf der Baustelle selbst lief nicht alles so vorbildlich, wie von der FG Bau gedacht. „Um Schwarzarbeit und Sozialbetrug einzudämmen, haben wir eigens eine 150.000 Euro teure Baustellensicherung mit Zugangscontainer errichtet“, sagte Müller.

Angesichts der reinen Baukosten von 3,5 Millionen Euro kein kleiner Betrag. Doch als der Zoll im November vorbeischaute, hätten die Beamten dennoch ein „dunkelgraues Schaf“ auf der Baustelle entdeckt, gestand der Verbands-Präsident. Einem sogenannter Nachunternehmer war es gelungen, sich auf die Baustelle zu mogeln, ohne sich vorher an der Einlasskontrolle auszuweisen. „So etwas hatten wir eigentlich vermeiden wollen“, sagte Müller. In einem Jahr soll das Wohnhaus nahe der Autobahn A 100 – und deshalb mit Lärmschutzfenstern versehen – bezugsfertig sein. „Wie hoch die Miete sein wird, können wir noch nicht sagen, denn noch haben wir ja erst Halbzeit auf der Baustelle“, sagt Müller.

Schon einmal hat die FG Bau Arbeiterwohnstätten errichtet

Angepeilt seien aber leistbare Mieten für die 34- bis 93 Quadratmeter großen Wohnungen. „Wir wollen ja gerade mit diesen Wohnungen einen Anreiz geben, damit unsere Firmen den dringend benötigten Fachkräften ein attraktives Wohnangebot machen können. Eine Idee, die an dieser Stelle nicht neu ist, denn nach dem Bau der Mauer hatte die FG Bau auf dem Grundstück bereits ein Haus mit einem Dutzend Wohnungen für Arbeiter errichtet. „Damals hatten wir die gleiche Situation – keine Wohnungen und nicht genügend Facharbeiter“, sagte Müller. Das alte, nicht mehr zeitgemäße Gebäude haben man daher abgerissen und durch einen Neubau mit 37 Wohnungen ersetzt.