Kultur

Poppig bunte Landschaften

Die Charlottenburger Galerie Michael Haas zeigt die späten Gemälde von Peter Brüning.

Peter Brüning

Peter Brüning

Foto: Galerie Michael Haas

Charlottenburg. Wenn man davorsteht, kommen sie einem bekannt vor oder zumindest Teile davon. Die späten Gemälde von Peter Brüning in poppig bunten Farben enthalten offenkundig Zeichen aus anderen Zusammenhängen, die jeder von uns kennt: Chiffren für Straßen und Wege unterschiedlichster Ordnung, Höhenlinien, Symbole für Laub- oder Nadelwald. Anscheinend befindet man sich hier in der Welt der Kartographie, bekommt Landschaft in Kürzeln als Surrogat geliefert. Die Natur wurde durch den menschlichen Eingriff verändert, geprägt und gefährdet, zu einer Landschaft, in der „die Zeichen unsere zweite Natur werden“, wie Brüning selbst es einmal ausdrückte.

Wunderkind des deutschen Informell

Diesen späten Bildern im Schaffen des 1929 in Düsseldorf geborenen Künstlers widmet die Galerie Michael Haas eine Ausstellung in ihren Räumen in der Niebuhrstraße und im Schaulager in der Lise-Meitner-Straße (Besichtigung hier nach Terminvereinbarung). Wer Brüning vor allem als das Wunderkind des deutschen Informell kennt, wird über die Bilder in der Galerie überrascht sein, passen sie doch so gar nicht zu der lyrischen Geste der abstrakten Gemälde, für die Brüning früh so viel Lob erhielt, nicht nur national.

Zwar gab es – seit er 1955 seinen Durchbruch auf dem Kunstmarkt feierte –, immer schon kleine Veränderungen in seinem Werk: Erst quellen die Leinwände förmlich über von zeichnerischen Gesten, dann werden sie leerer, treten wie Kürzel auf der Stelle und erinnern an Cy Twombly. Erst herrschen wenige Farben vor, dann werden sie leuchtender. Und das alles unterscheidet sich sehr vom Frühwerk Brünings. Da hatte er unter Anleitung von Willy Baumeister, bei dem er von 1950 bis 1952 in Stuttgart studierte, die ganze Bandbreite der abstrakten Vorkriegsmoderne durchgespielt: Fernand Leger, Willy Baumeister, Picasso, den Kubismus und ein wenig Futurismus lassen sich als Einflüsse erkennen.

Alles wird streng, formal und geordnet

Der Bruch, der ab 1964 bis zum frühen Tod von Brüning 1970 zu erkennen ist, wirkt noch radikaler. Die freien Gesten in Brünings Malerei erhalten ein Korsett, es schleichen sich allgemeingültige Zeichen hinein, alles wird streng, formal und geordnet. „Mit meinen ersten kartographischen Bildern, 1964, unterwarf ich meine freie gestische Handschrift der Disziplin einer Syntax“, beschrieb Peter Brüning 1969 diesen Wandel.

In der Kartographie fand er „die letzte voll funktionierende Sprache der Malerei, die unserem Bewusstsein entspricht“ und in der „sämtliche Mittel der Malerei, die seit Langem ja schon suspekt geworden ist, rein enthalten sind: Linien, Strukturen, Flächen und Farben.“ Seine Gemälde werden klar und graphisch, mitunter gar knallig psychedelisch. Pop Art irgendwie!

Information

Galerie Michael Haas, Niebuhrstr. 5, Charlottenburg. Tel. 889 29 10. Mo.–Fr. 9–18 Uhr, Sa. 11–14 Uhr,
bis 23. Februar.