Künstler

Der Maler Peter Schubert ist dem Himmel ein Stück näher

Der Charlottenburger Maler Peter Schubert wird 90 Jahre alt. Er gestaltete viele Decken von Kirchen, Schlössern und Privathäusern.

Maler Peter Schubert unter seinem Deckengemälde in der Großen Orangerie des Schlosses Charlottenburg.

Maler Peter Schubert unter seinem Deckengemälde in der Großen Orangerie des Schlosses Charlottenburg.

Foto: Reto Klar

Berlin. Dass Peter Schubert am 20. Februar 90 Jahre alt wird, liegt vermutlich an seinen guten Genen oder daran, dass er sein Atelier im fünften Stock eines Charlottenburger Altbaus ohne Aufzug hat oder beim Malen immer noch gern seine Zigarillos raucht. Vielleicht liegt es aber auch dran, dass Peter Schubert dem Himmel immer ein bisschen näher war als andere Menschen, schließlich hat er viele Decken von Kirchen, Schlössern oder auch Privathäusern mit seinen Bildern gestaltet.

Im Flur seines Ateliers hängt indes das Bild einer Birne, detailgetreu, zum Reinbeißen saftig. „Das habe ich da hingehängt, damit die Leute sehen, dass ich auch wirklich malen kann“, sagt er und grinst verschmitzt. Denn Gegenständliches kommt in seinen Bildern sonst eher selten vor. Und so klein wie die echt wirkende Birne sind seine mehrere Meter hohen Gemälde an den Wänden seines Ateliers auch nicht.

Unter widrigen Umständen entstand die Orangerie-Decke

Der Berliner Kunsthistoriker Martin Sperlich, in der Nachfolge der legendären Margarete Kühn von 1969 bis 1984 Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin, arbeitete noch immer am Wiederaufbau des 1943 zerstörten Charlottenburger Schlosses. 1977 erteilte er Peter Schubert den Auftrag, die Decke des Mittelpavillons der wiederaufgebauten Großen Orangerie zu gestalten. Sperlich hatte eine Ausstellung des Malers in Berlin gesehen und ihn angesprochen. „Er hat zu mir gesagt, er wolle an der Decke kein Abziehbild dessen, was dort vor dem Krieg war, wir müssten etwas Neues schaffen und den Mut haben, die Kunst unserer Zeit hier einzubinden. Ich sei dafür der richtige Mann“, erzählt Schubert.

Expertise für ein solches Werk hatte der Künstler, der in Dresden, bei Willi Baumeister in Stuttgart, in Berlin und auch bei Fernand Léger in Paris studiert hatte, zu diesem Zeitpunkt nicht. „Ich hatte ja noch nie eine Decke bemalt“, sagt Schubert. Er habe sich eher für völlig ungeeignet gehalten, weil er damals eine Phase mit eher dunklen Bilder hatte. „Sperlich sagte aber zu mir: ,Sie haben so einen barocken Duktus, Sie können das.‘“

Für den Herbst 1977 war eine internationale Ausstellung „Kunst des 20. Jahrhunderts“ im Schloss Charlottenburg geplant. Bis dahin sollte die mehr als 600 Quadratmeter große Kuppel der Großen Orangerie bemalt sein. „Sperlich glaubte an mich, aber es gab von anderer Seite schon Ängste, dass er mir, einem weitgehend unbekannten Maler, diesen Auftrag geben wollte. Sperlich hielt aber an mir und meinem Entwurf fest“, sagt Schubert. Viel Zeit ließ er ihm aber nicht. „Ich konnte im Februar beginnen und sollte Ende Mai fertig sein. Andere Menschen malen in so einer Zeit gerade mal ihre Küche aus“, scherzt er.

Es war kalt, und die Lichtverhältnisse waren schlecht, weil die Ochsenaugen, die runden Fenster unter der Decke der Orangerie, unter dem Gerüstboden lagen. Es wurden Neonlampen aufgestellt, „ideal war das alles nicht“, erinnert sich der Künstler. „Ich wusste ja auch nicht, wie die Farben und das Gemälde im natürlichen Licht aussehen würden, wenn das Gerüst weg ist.“ Schubert hielt den Zeitrahmen ein und schuf einen Himmel von luftiger Leichtigkeit, der zwar ein barockes Fresko suggeriert, aber zwischen Licht und Schatten alles Figürliche auflöst. Die Säulen an den Wänden setzen sich im Bild fort. Der internationale Beifall für seinen fertigen Himmel zerstreute alle Bedenken.

Schubert hat eine Kunstform wiederbelebt

Mit Unterstützung Martin Sperlichs hatte Schubert mit der Decke der Orangerie eine Kunstform wiederbelebt, die eigentlich seit dem Rokoko nicht mehr gepflegt worden war. „Man muss sich mal vorstellen, Chagall hat ja die Decke der Pariser Oper gestaltet. Auf Druck der Öffentlichkeit musste aber das darunter liegende Bild mit den allegorischen Darstellungen erhalten bleiben, deshalb hat Chagall sein Bild nicht direkt auf die Decke gemalt, es ist im Atelier entstanden und dann daruntergehängt worden“, sagt Schubert, und ein bisschen Stolz über seine Pionierarbeit liegt schon in seiner Stimme.

Der Himmel der Orangerie des Schlosses Charlottenburg blieb nicht Schuberts einziges Deckenbild. Sechs Jahre später erhielt er den Auftrag, zwei Deckengemälde in der deutschen Botschaft im Vatikan in Rom anzufertigen. In einem Zeitraum von vier Jahrzehnten entstanden in Deutschland, Italien und Kanada mehr als 20 dieser Werke in öffentlichen und privaten Gebäuden, die häufig mehrere Hundert Quadratmeter groß sind. Seinen bisher letzten „Himmel“ schuf Peter Schubert 2013 in der Wallfahrtskirche St. Joseph im Paderborner Ortsteil Marienloh.

Anlässlich seines 90. Geburtstages zeigt die Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, vom 3. Februar bis 3. März eine Auswahl von Gemälden, Papierarbeiten sowie Gipsmodellen zu Deckengemälden und erinnert damit an das umfangreiche Œuvre des Künstlers.