Umbau in West-Berlin

So wird sich das Kudamm-Karree nun verändern

Die Berliner City West wandelt sich. An vielen prominenten Stellen sind große Projekte mit Abriss und Neubau geplant.

Baustellenrundgang am Kudamm-Karree

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Berlin.  Nirgendwo in der ehemaligen Mauerstadt lagen Mief und Charme des alten West-Berlin so nahe beieinander wie am Kurfürstendamm. Seit gut zehn Jahren sorgen von privaten Investoren vorangetriebene Bauvorhaben dafür, dass der Mief weitgehend ausgekehrt wurde – auch wenn der Charme zum Leidwesen vieler bekennender City-West-Fans dabei häufig gleich mit auf der Strecke blieb. Als letzte Trutzburg des alten West-Berlins blieb zuletzt nur noch das schaurig-schöne Kudamm-Karree. Doch unübersehbar wird nun auch diese Betonburg aus den 70er-Jahren einer radikalen Erneuerungskur unterzogen.

Auf dem gewaltigen Viereck zwischen dem Kurfürstendamm, Uhland-, Knesebeck- und Lietzenburger Straße, das 1974 nach den Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach (Steglitzer Kreisel) bebaut wurde, sind Bauleute dabei, das Kudamm-Karree zum „Fürst“ zu machen. Den alten Namen, findet zumindest Norman Schaaf, Geschäftsführer der Cells Group, „verbindet der Berliner mit 17 Jahren Stillstand und Niedergang“. „Fürst“ dagegen suggeriere die Nähe zum Kurfürstendamm und habe daneben noch den Vorteil, dass es wie das englische „First“ klinge.

Es soll internationaler werden

Denn natürlich soll es in dem verstaubten Ensemble, das seit Jahren nur noch in Teilen vermietet wurde, künftig internationaler zugehen. Dafür sorgt schon der neue Großmieter Rent24, der auf mehreren Etagen an der Uhlandstraße auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern Coworking Spaces, also Gemeinschaftsbüros, anbieten will. Die Zielgruppe von Rent24 sind Start-ups, junge Kreative und andere Freiberufler, die sich in den großen, offenen Räumen einen Arbeitsplatz teilen. Bereits seit Februar 2018 laufen für den Umbau des alten Parkhauses und der darüber liegenden Büroetagen die Arbeiten. Seitdem ist auch die Uhlandstraße in diesem Abschnitt nur noch als Einbahnstraße befahrbar. „Zum Jahresende soll in diesem ersten Bauabschnitt alles fertig sein, dann wird auch die Uhlandstraße wieder freigegeben“, sagt Cells-Chef Norman Schaaf.

Spätestens im Herbst 2022 kehrt das Theater zurück

Ende 2014 hatte das Münchener Unternehmen das Kudamm-Karree erworben. Zuvor war die irische Ballymore Group in mehreren Anläufen mit ihrem Versuch, das einstmals in Landesbesitz befindliche riesige Gebäudeensemble umzugestalten, gescheitert. Neben der Finanzkrise verhinderten vor allem die Proteste von Theaterfreunden lange den Abriss der beiden traditionsreichen Kudamm-Bühnen und damit einen Baustart. 2016 präsentierte Cells erstmals seine Pläne. Diese unterschieden sich in vielem von den Ballymore-Plänen. Nur in einem nicht: Die historischen Kudammbühnen sollten weg.

Nach den Plänen, die das Berliner Architekturbüro Kleihues + Kleihues entworfen hat, öffnet sich der Gebäudekomplex nun mit einem Stadtplatz zum Kurfürstendamm. Auf diesem steht ein Pavillon, der Foyer und Zugang zu der nunmehr ins Untergeschoss verlagerten Bühne und den Zuschauerrängen mit 650 Plätzen darstellt. Mit Intendant Martin Woelffer, der seine temporäre Spielstätte seit Mai 2018 im Schiller Theater an der Bismarckstraße hat, wurde ein Mietvertrag über 25 Jahre für das neue Theater geschlossen. „Das ist mit dem Senat so vereinbart, und daran halten wir uns natürlich“, sagt Norman Schaaf. Ebenfalls gesichert und vertraglich vereinbart ist auch die Miethöhe, über die Stillschweigen vereinbart wurde, und das Datum für die Wiederaufnahme des Theaterbetriebes: Im September, spätestens Oktober 2022 soll es soweit sein, dann sei auch der Abschluss des zweiten Bauabschnittes fertig, so der Cells-Manager.

500 Millionen Euro werden investiert

500 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Um- und Ausbau des alten Komplexes. Nur rund 50 Prozent der insgesamt 97.000 Quadratmeter gewerblichen Nutzfläche würden saniert, der Rest sei „Neubau“, sagt Schaaf. Neu gebaut wird beispielsweise ein Hotel mit 155 Zimmern an der Lietzenburger Straße sowie ein Fitnessstudio mit 5000 Quadratmetern. Offen sei nach wie vor, ob auch die Spielbank Berlin, einstmals im Europa Center ebenfalls in der City West beheimatet, dann aber an den Potsdamer Platz gezogen, eine neue Heimat im „Fürst“ findet. „Wir haben eine Vereinbarung geschlossen, noch keinen Mietvertrag“, sagt Schaaf.

Klar ist aber bereits, dass in den neuen Supermarkt an der Uhlandstraße Rewe einzieht, der Fernsehsender RTL das Hochhaus verlassen muss, damit dieses saniert werden kann. Klar ist auch, dass eine Kita für 120 Kinder gebaut wird, das alte Parkhaus auf 850 Stellplätze verkleinert wird, dafür 1000 Fahrradparkplätze entstehen – und das Museum „Story of Berlin“ auf etwa 3000 Quadratmetern weiterhin über die Geschichte Berlins informieren wird.

Radikal Abstand genommen hat die Cells Gruppe von der Absicht seiner gescheiterten Vorgänger, die aus dem Komplex eine Shoppingmall machen wollten. „Wir setzen hauptsächlich auf Büronutzung“, so Schaaf. Statt 25.000 Quadratmeter Handelsfläche seien nun lediglich noch 12.000 vorgesehen.

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