Abkürzung durchs Wohngebiet

Anwohner beklagen Durchgangsverkehr am Charlottenburger Ufer

Vor allem zu Stoßzeiten umfahren viele Autos den Luisenplatz, um schneller in die Stadt zu kommen. Die CDU will das künftig verhindern.

Im Feierabendverkehr bietet das Charlottenburger Ufer eiligen Autofahrern eine willkommene Abkürzung

Im Feierabendverkehr bietet das Charlottenburger Ufer eiligen Autofahrern eine willkommene Abkürzung

Foto: Philipp Siebert

Charlottenburg. Die Grünphase ist kurz. Nach nur wenigen Sekunden springt die Ampel an der Kreuzung Luisenplatz, Spandauer Damm, Kaiser-Friedrich-Straße und Otto-Suhr-Allee wieder auf rot. Wer hier stadteinwärts fährt, muss sich im Berufsverkehr oft auf lange Wartezeiten einstellen. Nicht selten stauen sich die Autos von Norden bis zur Schlossbrücke oder darüber hinaus bis auf den Tegeler Weg. Für viele Autofahrer bietet das Charlottenburger Ufer direkt südlich der Brücke die rettende Abkürzung. Von hier geht es deutlich schneller in südöstlicher Richtung über Lohmeyer- und Eosanderstraße zur Otto-Suhr-Allee.

"Das Charlottenburger Ufer ist so gut ausgebaut, dass bei wenig Verkehr einfach durchgebrettert wird", klagt Anwohner Lars Finis. Das gehe zu Lasten der Verkehrssicherheit im Wohngebiet, das auf kleinem Raum auch drei Kitas zählt. "Oft stehen die Autos auch in diesen engen Straßen und dann können Sie vor Abgasen nicht mehr das Fenster aufmachen", ergänzt Finis' Nachbar Peter Trenn. Vor allem Taxifahrer vom Flughafen Tegel würden die Abkürzung gern nutzen. Sie werde außerdem von den meisten Navigationsgeräten mit Staumeldern vorgeschlagen.

Durchgezogene Linie oder Grünstreifen gegen Linksabbieger

Die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf (BVV) hat das Bezirksamt nun aufgefordert, sich der Sache anzunehmen. Es soll prüfen, inwieweit der Durchgangsverkehr vermieden werden kann, heißt es in dem CDU-Antrag. "Man könnte eine durchgezogene Linie auf dem Luisenplatz ziehen, sodass ordnungsgemäße Autofahrer nicht nach links abbiegen", nennt Antragssteller Simon Hertel die günstigere und weniger aufwendige Option. Fraglich sei allerdings, ob sich auch daran gehalten wird. Alternativ könne auch der Grünstreifen auf der Mitte des Luisenplatzes, der erst südlich des Charlottenburger Ufers beginnt, bis zur Schlossbrücke verlängert werden. "Abbiegen wäre so auch physisch unmöglich", so Hertel weiter.

Der Unions-Antrag wurde auch mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken angenommen. Neben der AfD enthielt sich auch die FDP. "Mit solchen Lösungen bewirkt man langfristig nichts, weil sich der Verkehr woanders hin verlagert", sagt FDP-Fraktionschef Felix Recke. Abkürzungen hätten auch ihren Grund. Es brauche für die Kreuzung insgesamt ein neues Konzept. Spandauer Damm und Tegeler Weg müssten verkehrstauglicher gemacht werden, wenn voraussichtlich ab 2023 Teile der A100 saniert werden soll.

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