Jugendbande

Gewalt-Exzess: Prozess um Raubserie am Teufelsberg startet

Jugendliche hatten sich gezielt Raubopfer ausgesucht. Dabei ging die Bande äußerst brutal vor und attackierte auch einen Polizisten.

Knapp acht Monate nach einer ganzen Serie von Raubtaten hat am Dienstag vor dem Landgericht der Prozess gegen sieben junge Männer begonnen.

Knapp acht Monate nach einer ganzen Serie von Raubtaten hat am Dienstag vor dem Landgericht der Prozess gegen sieben junge Männer begonnen.

Foto: Olaf Wagner

Berlin.  Sie kamen mit Schlagstöcken, Messern und Reizgas. Ihr Ziel: In möglichst kurzer Zeit möglichst viele Opfer überfallen und berauben. Der Tatort: Das Areal rund um den Teufelsberg im Grunewald. Das Vorhaben gelang, zur Freude der Täter und zum Leidwesen der Opfer. Knapp acht Monate nach einer ganzen Serie von Raubtaten hat am Dienstag vor dem Landgericht der Prozess gegen sieben junge Männer begonnen, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die Taten begangen haben.

Das Auffällige an den Taten ist nicht nur die von Augenzeugen beschriebene „Explosion der Gewalt“, eine weitere Besonderheit ist auch das Alter der mutmaßlichen Täter. Eric N. und Görkem K. sind beide 19 Jahre alt. Von ihren fünf Mitangeklagten sind drei 17 und zwei gerade erst 16 Jahre alt. Und etliche Mitglieder dieser Gruppe waren trotz ihres Alters schon vor den jetzt angeklagten Taten keine Unbekannten für die Polizei. Auch die Liste der in diesem Fall angeklagten Delikte ist lang: Schwerer Raub, schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung, Beleidigung und tätlicher Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Sogar alarmierte Polizisten wurden attackiert

Zu den Taten kam es in den frühen Morgenstunden des 10. Juni 2018. An warmen Sommertagen ist der Teufelsberg auch zu später Stunden ein beliebter Treffpunkt vor allem junger Leute. Dass wussten offenbar auch die Täter. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Angeklagten verabredeten, zu nächtlicher Stunde dort ihre brutale Raubserie durchzuführen. Insgesamt 13 Betroffene ermittelte die Polizei.

Die Angeklagten sollen sich geeignete Opfer sehr genau ausgesucht haben und dann skrupellos und zu allem entschlossen vorgegangen sein. Die Opfer wurden umstellt, bedroht und bei Bedarf mit Schlägen und Tritten sowie den von den Tätern mitgebrachten Utensilien attackiert. Bis sie bereit waren, den Angreifern Bargeld und Wertsachen, insbesondere Handys auszuhändigen.

Dass bei den innerhalb kürzester Zeit begangenen Überfällen zahlreiche Zeugen anwesend waren, schien die Angreifer nicht zu beeindrucken. Wer Anstalten machte, einzugreifen oder den Täter auch nur zu nahe kam, wurde mit Messern und Schlagstöcken bedroht. Selbst das Eintreffen der Polizei machte auf die Täter keinen nennenswerten Eindruck. Zumindest einer der Angeklagten soll die Beamten attackiert haben, um sich, wenn auch vergeblich seiner Festnahme zu entziehen.

Die Anklage gegen Görkem K. und einem 17-jährigen Mitangeklagten enthält noch einen weiteren Punkt. Im Herbst 2016 sollen sie nach einer früheren Raubtat das Opfer drangsaliert und eingeschüchtert haben, um eine sie belastende Aussage zu verhindern.

So lautstark und mit wüstem Geschrei die Angeklagten bei der Raubserie am Teufelsberg vorgegangen sein sollen, so schweigsam blieben sie am Dienstag beim Prozessauftakt. Ob sie sich an einem der fünf weiteren Verhandlungstage äußern werden, bleibt zunächst unklar. Die beiden 16-Jährigen auf der Anklagebank ließen über ihre Verteidiger bestreiten, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Der Prozess wird am 15. Januar fortgesetzt.

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