Luftreinhaltung

Mit Tempo 30 durch die Kantstraße: Wie der erste Tag lief

Seit Montag gilt zwischen Savignyplatz und Amtsgerichtsplatz Geschwindigkeitsbeschränkung. Deren Sinn ist aber strittig.

Tempo 30 in der Kantstrasse

Tempo 30 in der Kantstrasse

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Charlottenburg. Seit Montag gilt auf einem Teil der Kantstraße in Charlottenburg Tempo 30. Zwischen Savignyplatz und Amtsgerichtsplatz muss nun langsamer gefahren werden. Der 1,7 Kilometer lange Abschnitt ist die fünfte und letzte Pilotstrecke für den Senatsversuch, mit Tempo 30 die Berliner Luft sauberer zu machen. Bei Tempo 30 gebe es weniger Beschleunigungs- und Bremsvorgänge, begründet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz das Tempolimit. Eine „grüne Welle“ sorge für gleichmäßig fließenden Verkehr.

Eine Radfahrerin, die am Montag gegen neun Uhr auf der Straße unterwegs ist, bestätigt, der Verkehr laufe tatsächlich flüssiger: „Normalerweise gibt es vor jeder Ampel lange Schlangen, heute musste hier kaum ein Auto anhalten.“ Auch am Vormittag läuft der Verkehr auf der Kantstraße. Und das, obwohl die rechte Fahrspur immer wieder durch Zweite-Reihe-Parker blockiert ist. „Dagegen müsste man etwas unternehmen“, sagt eine Frau, die gerade ihr Auto am Kranzler Eck abgestellt hat. Über das Tempolimit schüttelt sie den Kopf: „Wer sich daran hält, wird ständig von anderen Fahrern überholt“, berichtet sie. Nach Polizeiangaben gibt es eine Schonfrist für die Fahrer, die sich an die neue Geschwindigkeitsbegrenzung gewöhnen müssen. Danach wird kontrolliert.

Effekt für die Luftreinhaltung wird ein Jahr lang beobachtet

Der FDP-Fraktionsvorsitzende der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf, Felix Recke, hält ebenfalls nichts von der neuen Regelung: „Die Kantstraße leidet seit Jahrzehnten an vielem, aber nicht an zu hoher Geschwindigkeit“, sagt er. Gebraucht würden „mutige Vorstöße für einen Radweg, eine Busspur und mehr Aufenthaltsqualität für die Fußgänger“.

Was das Tempolimit für die Luftreinhaltung bringt, wird ein Jahr lang beobachtet. Es müsse ein Jahresmittelwert ermittelt werden, erklärt eine Sprecherin der Senatsverwaltung. Erst danach will sich Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) dazu äußern, ob der Versuch erfolgreich war. Vor der Kantstraße hatte die Senatorin Tempo 30 bereits für Teile der Leipziger Straße, der Hauptstraße und auf dem Tempelhofer Damm eingeführt.

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