1. Weltkrieg 1914-18

Kriegsende vor 100 Jahren: Auch in Berlin läuten die Glocken

Weltweit läuten die Glocken in Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Auch die Gedächtnis-Kirche beteiligt sich daran.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in der Berliner City West

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in der Berliner City West

Foto: Frank Lehmann

Berlin. Vor einhundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Nach Jahren der Zerstörung und millionenfachem Tod lag die Welt in Trümmern. Schon die Zeitgenossen empfanden den Moment als apokalyptisches Ende einer Epoche, als eine Weltendämmerung. Mit vielen Veranstaltungen wird deshalb am 11. November des 100. Jahrestages des Waffenstillstands weltweit gedacht.

Ein Höhepunkt ist die von Großbritannien angestoßene und von der Bundesrepublik Deutschland unterstützte Initiative zum weltweiten Glockenläuten. Aus diesem Anlass rufen die Britische Botschaft in Berlin und das Auswärtige Amt gemeinsam dazu auf, auch in Deutschland zum Jahrestag um 13.30 Uhr kirchliche oder säkulare Glocken zu läuten und damit ein Signal des Friedens und der Versöhnung zu senden.

Glocken wurden zu Kanonen im Ersten Weltkrieg

Das Läuten der Glocken hat eine doppelte Symbolik. Der friedliche Sinn der Kircheninstrumente wurde geradezu ins Gegenteil pervertiert, als die deutsche Reichsregierung im März 1917 anordnete, dass wegen der für die Kriegsindustrie unverzichtbaren Metallvorräte Glocken eingeschmolzen werden mussten. Das Verstummen der Geläute wurde damit zu einem Fanal für den Schrecken dieses ersten, totalen, die Welt in Brand setzenden Kriegs. In ganz Großbritannien erklangen deshalb am 11. November 1918 Kirchen- und andere Glocken, die während des Ersten Weltkriegs verstummt waren, als sich die Nachricht vom Waffenstillstand verbreitete.

Nach den Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Waffenstillstands am Vormittag des 11. November 2018, in deren Rahmen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier neben Mitgliedern der königlichen Familie einen Kranz am Kenotaph in London niederlegen wird, steht der Nachmittag im Zeichen des Danks: für das Ende des Krieges, für den Frieden, und für alle, die zu ihren Familien heimgekehrt sind. Das weltweite Glockenläuten soll diesen Dank auf symbolkräftige Weise zum Ausdruck bringen und an die Bedeutung des Friedens erinnern.

In Großbritannien findet das nationale Glockenläuten um 12.30 GMT statt, zeitgleich mit dem traditionellen Umzug in London. Die unmittelbare Klangkulisse vor Ort wird das Geläute der Westminster Abbey bilden. Aber es wird dazu aufgerufen, im ganzen Land Glocken jeglicher Art – Turmglocken, Glöckchen, Glockenspiele – an Kirchen, öffentlichen oder militärischen Gebäuden erklingen zu lassen.

In Berlin wird sich auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in das weltweite Läuten einreihen. Der britische Botschafter in Deutschland, Sir Sebastian Wood sagte: „Ich freue mich sehr, dass sich die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche dieser Initiative anschließt.“

Welche Berliner Kirchen sich zu diesem Anlass sonst noch einreihen, ist bislang noch offen: „Wir stellen es den einzelnen Kirchengemeinden frei sich zu beteiligen“, sagt Heike Krohn-Bräuer, Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Eigentlich sei das Läuten ein Aufruf zu einem Gottesdienst oder einer Andacht. Das sei zu diesem Anlass aber nicht von jeder Gemeinde leistbar.

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