Denkmäler

Denkmalschutz für Ex-Abhörstation auf dem Teufelsberg

Der Berliner Teufelsberg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Jetzt wird er als Denkmal geschützt.

Berlin. Der Berliner Teufelsberg besteht aus den Trümmern, die Hitlers Größenwahn in der Hauptstadt hinterlassen hat. Ausgerechnet hier installierten die West-Alliierten in den 1960er Jahren eine gigantische Abhöranlage, mit der sie den Funkverkehr des Warschauer Pakts abfingen. Nach langem Ringen wurde das wüst-verwunschene Gelände nun unter Denkmalschutz gestellt.

"Der Teufelsberg ist ein einzigartiges und vielschichtiges Geschichtsdenkmal des 20. Jahrhunderts, das in dieser Art wohl nur in Berlin – als Hauptstadt des Nazireichs und geteilter Stadt im Kalten Krieg – entstehen konnte", erklärte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zur Entscheidung des Landesdenkmalamts.

Der 120 Meter hohe Berg, der zweithöchste Berlins, gehört mit seinen riesigen verwitterten Antennenkuppeln zur Silhouette der Stadt wie der Funkturm und der Alex. Und doch liegt über dem Ort ein fast geheimnisvoller Frieden.

Der Teufelsberg hat eine wechselvolle Geschichte

Keine Autos weit und breit. Aus dem nahe gelegenen Naturschutzgebiet Grunewald sind seltene Singvögel zu hören. Und von oben bietet sich ein atemberaubendes Rundumpanorama bis hinüber nach Potsdam.

Von der wechselvollen Geschichte ist auf den ersten Blick nichts zu spüren. Einst sollte auf dem Gelände im Westen der Stadt die Wehrtechnische Universität der Nazis entstehen, doch der Bau wurde 1940 gestoppt.

Nach dem Krieg entsorgten die Berliner hier die Trümmer ihrer Häuser, die die Alliierten bei den Bombenangriffen auf Hitlers "Reichshauptstadt" in Schutt und Asche gelegt hatten.

Viel Schutt wurde abgeladen

22 Jahre lang luden bis zu 800 Lastzüge täglich insgesamt gut 26 Millionen Kubikmeter Schutt hier ab, bis der Teufelsberg mit seinen genau 120,1 Metern zur damals höchsten Erhebung in Berlin wurde. Der Name geht übrigens nicht auf diese verheerende Geschichte zurück, sondern stammt vom nahe gelegenen Teufelssee, der heute ein Paradies für Sonnenanbeter und Nacktbader ist.

Amerikaner und Briten entdeckten den wachsenden Hügel bald als idealen Standort für ihre Spionageambitionen. Geborgen hinter vier riesigen Radarkuppeln fingen Satellitenschüsseln den Funkverkehr aus dem gesamten Osten ab. Bis zu 1500 Leute waren zur Decodierung im Drei-Schicht-Betrieb im Einsatz.

Was in der Field Station unter Beteiligung der mittlerweile berüchtigten NSA aus dem Material herausgefiltert wurde, sollen die US-Archive erst ab dem Jahr 2020 preisgeben.

Nachdem die Alliierten gingen, begann der Verfall

Als die Alliierten ihren Horchposten 1992 verließen, begann der langsame Verfall. 1996 kaufte eine Investorengemeinschaft das gut 4,8 Hektar große Areal zur kommerziellen Nutzung. Vorübergehend wollte Hollywood-Regisseur David Lynch eine Weltfriedens-Stiftung gründen, yogisches Fliegen inklusive. Doch alles scheiterte. 2006 wurde das Areal wieder als Wald ausgewiesen.

Seit 2015 hat der Immobilienkaufmann Marvin Schütte, der Sohn des ursprünglichen Käufers, das heruntergekommene Gelände gepachtet. Seither versucht er, die von Diebstahl und Vandalismus zerstörte Anlage wieder auf Vordermann zu bringen.

Er holt Leute aus der Kreativszene aufs Gelände, betreut die von zahllosen internationalen Künstlern geschaffene Graffiti-Galerie, macht Führungen zur Geschichte des Ortes und vermietet das spukige Gelände als Filmkulisse. Allerdings darf seit einiger Zeit aus Sicherheitsgründen der Hauptturm nicht mehr betreten werden.

Schüttes Ziel: Er will einen "natürlichen Kulturort" schaffen mit Erholungsangeboten für Berliner und Freiräumen für Künstler. Was wird nun mit dem Denkmalschutz aus seinen Plänen? "Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und mit den Behörden Lösungen finden", sagt er. "Aber ich habe schon das Gefühl, dass die Stadt mir immer wieder Steine vor die Füße wirft."

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